Interview mit Irene Li Krauß

Im Dezember 2017 erschien mit „Das Licht der Welt“ bereits der 2. Band der phantastischen Kinderbuch-Reihe „Kalli Wermaus“. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um meine lieben Kollegin Irene Li Krauß mal ein paar Fragen über ihr Autorenleben, ihre Romane und natürlich auch zu Kalli zu stellen, und habe interessante und teilweise auch überraschende Antworten bekommen.

Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Interview mit Irene Li Krauß!

 

Klappentext:

Junge und helles Pferd wandern vor großem Vollmond durch die NachtSeltsame Dinge geschehen in Kallis Welt: Schatten umwandern das Haus, Mitschüler werden gegeneinander aufgestachelt und in den Nachrichten häufen sich die Meldungen von Attentaten.

Er ahnt, dass dies etwas mit den finsteren Schattenwesen, den Formidolosen, zu tun haben könnte, die das magische Reich bereits unter ihre Knechtschaft gebracht haben. Mit Hilfe seiner Freunde möchte er ins Schattenreich reisen, um das ‚Licht der Welt‘, einen kostbaren Kristall, zurückzuholen. Doch er gerät in Schwierigkeiten, und seine Schwester Luisa bleibt hilflos zurück. Wäre da nicht dieses mysteriöse Pferd …

Ein Junge und seine Schwester stemmen sich gegen das Böse, widersetzen sich Angst und Terror, selbst dann, als sie die Grenzen der Realität überschreiten müssen.

Zur Buchseite auf Amazon

Zu meiner Rezension

 

Liebe Irene, möchtest du dich kurz vorstellen?

Ich bin die (Er-)Finderin von Kalli Wermaus, außerdem Architektin, Schriftstellerin, alleinerziehende Mutter, ein bisschen Malerin, ein kreativer Kopf für zurzeit 16 Schüler, Schriftführerin bei einer Musikkapelle und Bewohnerin eines Schlosses. Ich bin in Wales zur Welt gekommen, in Äthiopien aufgewachsen (das schönste Land der Welt, übrigens) und im Allgäu heimisch geworden.

Autorin Irene Li Krauß

 

Du hast vor Kurzem den 2. Band deiner Kinderbuchreihe „Kalli Wermaus“ veröffentlicht. Stell den Helden aus „Das goldene Kalb“ (zu meiner Rezension) und „Das Licht der Welt“ doch mal kurz vor. Wer ist Kalli und was zeichnet ihn aus?

Was mir bei Kalli am wichtigsten ist: Jeder könnte Kalli sein, denn er verfügt über Stärken und Schwächen wie jeder von uns. Er besitzt keine wundersame Gabe, ist nicht der beste Zauberer oder der schnellste Superheld. Dass er zur Wermaus wurde, war aus seiner Sicht zunächst reiner Zufall. Mittlerweile hat er herausgefunden, dass er aus einer Familie kommt, die irgendwie schon länger mit der magischen Welt zu tun hat. Ansonsten ist er ein ganz normaler Junge, und trotzdem ist er ein echter Held, weil er es immer wieder schafft, seine Ängste und Zweifel zu überwinden, und weil er klug genug ist, sich Hilfe zu suchen. Vor allem seine Schwester Luisa – das clevere Mädchen – greift ihm immer wieder unter die Arme. Jeder von uns könnte an seiner Stelle stehen.

 

Auf einem Bauernhof gibt es ja zahlreiche Tiere, warum also ausgerechnet eine Maus? Oder anders gefragt: Was hat dich zu dieser Reihe inspiriert?

Dass Kalli sich in eine Maus verwandelt, stand von Anfang an fest. Ich bin ihm begegnet, als ich vor vielen Jahren einen Ausritt durch genau die Gegend im Allgäu gemacht habe, in der er lebt. Ich erinnere mich ganz genau an die Situation: Mein Pferd bummelte im Schritt dahin, die Sonne schien aufs taunasse Gras. Plötzlich tauchte er in meinem Kopf auf, dieser Junge mit den braunen Wuschelhaaren, und er erzählte mir, dass er eine Wermaus ist. Da fing bei mir ein Kopfkino an, und die Geschichte von Kalli entspann sich.

 

Wenn du dich einen Tag lang in ein anderes Wesen verwandeln könntest, wärst du dann auch gerne eine Wermaus oder würde dich ein anderes Tier oder phantastisches Wesen mehr reizen?

Ha, ich persönlich wäre rasend gerne ein Vogel, ein Falke oder noch besser ein Adler. Aber nur in einer perfekten Welt, in der ich keine Angst vor den Menschen haben müsste. Ich würde gerne fliegen können, davon habe ich schon als Kind geträumt. Als phantastisches Wesen wäre ich sicher ein flugfähiger Drache.

Zeichnung von zwei Krähen
Kalli Wermaus und die beiden Krähen Tornado und Phantom (Illustrationen: Irene Li Krauß)

 

In „Das Licht der Welt“ greifst du ja auch die Ereignisse vom 11. September 2001 auf. Warum war es dir wichtig, Bezug auf die Attentate zu nehmen?

Zunächst entsprang die Zeitachse aus dem ersten Band, denn Kallis Geschichte beginnt im Jahr 2000. Das hat mit den Vollmondnächten zu tun, ich brauchte einen Freitag den 13. Dass im zweiten Band der 11. September auftaucht – nun, ich befand mich mit Kalli im Jahr 2001, und es ist einfach unmöglich, dieses Datum zu ignorieren.
Ich möchte keine Kinderbücher mit dem erhobenen Zeigefinger schreiben. Aber am 11. September hat sich in unserer westlich geprägten Welt einfach etwas verändert. Kinder, die Kalli lesen, können sich an diese Ereignisse nicht erinnern, weil sie da noch gar nicht gelebt haben. Sie haben nun die Möglichkeit, die Ereignisse so zu lesen, wie sie diese möglicherweise erlebt hätten, wenn sie zur selben Zeit wie Kalli gelebt hätten.

Bei Kalli Wermaus geht es ganz stark um das Thema Angst, und zwar vor allem die Angst, die entsteht, wenn wir uns einfach ausmalen, was alles Schlimmes passieren könnte, also eine irrationale Angst. Diese Art Angst hat uns in der Steinzeit sicher vor manchem Löwen bewahrt, aber wenn die Angst zu stark wird, macht sie uns ganz starr und krank. Genau diese Angst lässt die Formidolosen entstehen, gegen die Kalli und seine Verbündeten kämpfen. Diese Angst gibt es immer wieder und bei vielen Gelegenheiten, aber die Ereignisse vom 11.09.2001 sind doch ein herausstechendes Beispiel, wie jemand versucht, eine solche Angst zu säen. Meiner Meinung nach ging es den Attentätern nicht vorrangig darum, möglichst viele Menschen zu töten, das haben sie einfach in Kauf genommen. Ihr Hauptanliegen war es, die USA und die westliche Welt zu erschüttern und in Angst und Schrecken zu versetzen.

 

Gab es eine Szene in „Das Licht der Welt“, die dir besonders viel Spaß beim Schreiben gemacht hat oder die dir schwergefallen ist? Und falls ja, welche?

Besonders viel Spaß machen mir immer wieder Szenen mit meinen Lieblingsfiguren Edelgard und den Krähen. Bei der Szene am Lavasee mit Phantom habe ich natürlich ganz schön mitgelitten! Anfangs ein wenig schwierig waren die Szenen mit dem Pferd Aristo, denn er hat einen sehr speziellen Charakter, und du als eine meiner Testleserinnen weißt ja, dass er anfangs noch nicht so sympathisch rübergekommen ist, wie ich das gerne wollte. Schwierig waren auch seine spanischen Zitate, denn ich habe nie Spanisch gelernt, nur ein wenig Italienisch und Französisch. So habe ich mir verschiedene Ausdrücke und Sätze zusammengestümpert, hatte am Ende aber sehr liebe Hilfe aus Argentinien, die Aristo einen echten südamerikanischen Touch verliehen hat.

Maus sitzt vor einem Pferd im Stall
Kalli Wermaus im Gespräch mit Aristo (Illustration: Irene Li Krauß)

 

Wenn du einen Ort aus „Kalli Wermaus“ selbst besuchen könntest, für welchen würdest du dich entscheiden und warum?

Natürlich Edelgards Hütte. Ich mag die Hexe sehr, und ich würde mich gerne mal von einem ihrer nicht immer sehr lecker klingenden Tees überraschen lassen.

 

Liest deine Tochter eigentlich auch die „Kalli Wermaus“-Bücher? Und falls ja, hat sie eine Lieblingsfigur? 

Meine Tochter ist erst sieben, aber schon ein Fan von Kalli. Wir haben den ersten Band zusammen gelesen. Sie schwärmt für Luisa, weil sie eine junge, starke Frau ist und lange, blonde Haare besitzt. Am lustigsten fand sie die Krähen und die Mäuse, weil die ja immer eine verrückte Idee auf Lager haben.

 

Auf Facebook lässt du Kalli Wermaus häufig auch selbst mal zu Wort kommen und mit Lesern und Fans kommunizieren. Wie wichtig sind für dich Social Media, deine Mondschein-Blogtour und Autorentätigkeiten neben dem Schreiben?

Ich mag Facebook ganz gern und schaffe es meist auch, über die Sachen, die vielleicht doch mal nerven könnten wie irgendwelche viral gehenden Witzvideos, hinwegzugehen. Die Mondscheintour hat riesigen Spaß gemacht, und es soll aller Voraussicht nach auch eine kleine Tour in 2018 geben, allerdings erst in der 2. Jahreshälfte. Was bei Facebook total klasse ist, dass ich unglaublich großartige Menschen kennenlernen durfte, zum Beispiel Dich :-). Ansonsten bin ich social media-mäßig eher schwach aufgestellt. Instagram würde mir sicher Spaß machen, aber ich habe schon für Facebook verdammt wenig Zeit, und da muss ich einfach Prioritäten setzen. Das Schreiben und was dazugehört (überarbeiten und redigieren, überarbeiten und redigieren 🙂 ) machen mir einfach mehr Spaß und sind total wichtig für mich.

 

Du liest ja auch gerne vor Kindern: Was ist das für ein Gefühl? Und wie reagieren Kinder auf Kalli und seine Abenteuer?

Vor der ersten Lesung hatte ich damals ein bisschen Zweifel, ob ich das wirklich kann. Aber ich habe festgestellt – ich kann es nicht nur – an mir ist quasi eine Schauspielerin verlorengegangen *lach*. Kinder sind ein fantastisches Publikum, weil sie viel unmittelbarer reagieren. Sie können kein Interesse heucheln oder höflich applaudieren. Entweder sind sie Feuer und Flamme, oder sie hängen nach spätestens fünf Minuten gelangweilt auf ihren Stühlen.
Kinder – Jungs wie Mädchen – mögen Kalli echt gern. Vielleicht, weil er tatsächlich „einer von ihnen“ ist. In den Lesungen leiden und lachen sie mit ihm, und nach der Lesung haben die Kinder ein wahnsinnig hohes Mitteilungsbedürfnis, für mich ein Zeichen, dass sie „etwas erlebt“ haben. Die Mütter geben mir später Feedback, dass ihre Kinder von den Büchern kaum wegzubekommen seien, und das ist natürlich ein großartiges Kompliment.

 

Viele Leser kennen dich als „I.L. Krauß“, als Autorin der Kinderbuch-Reihe „Kalli Wermaus“. Was viele nicht wissen, du schreibst unter deinem Namen „Irene Li Krauß“ auch andere Romane wie „Teeparty: Eine ungewöhnliche Odyssee“. In welchen Genres fühlst du dich als Autorin zu Hause? 

Hm, da kann ich mich noch gar nicht so festlegen. Ein bisschen Humor spielt wohl immer eine Rolle. Ich habe ein Manuskript für was Historisches daliegen (14. Jahrhundert), und ich plane (viiiiel später) noch etwas über die NS-Zeit. Also eine Fantasy-Autorin mit historischen Romanen und einer Prise Humor? *lach* Mal sehen, was ich in zehn Jahren dazu sage …

Autorin Irene Li Krauß
die zauberhafte Irene Li Krauß

 

Du bist Autorin und Architektin, zeichnest die Illustrationen in den „Kalli Wermaus“-Büchern selbst. Welchen Stellenwert hat Kreativität in deinem Leben? Und wenn du auf eine der drei Tätigkeiten verzichten müsstest, welche wäre das? (Fiese Frage, ich weiß.)

Kreativität ist alles. Ich bin eigentlich ein Künstler, ein – öhem – spezieller Charakter (trotzdem nett). Es ist auch nie so, dass mir keine Ideen mehr kommen. Ich hab schon mal Schreibpausen oder gerade keine Muße zu zeichnen oder zu malen, dann mach ich eben Musik oder bastel was, und wenn es nur ein Bügelperlenbild ist oder so. Irgendwas fällt mir immer ein.

Ich kann aber auch einfach fünf Tage ohne irgendwas mit guten Freunden auf einer einsamen Hütte verbringen, wie gerade über Silvester passiert. Doch dann streife ich dort eines Nachmittags mit meiner Tochter quer durch den Wald, es stürmt und schneit, und plötzlich sind wir zwei Forscher fernab der Zivilisation, die versuchen, die letzten Mammutbäume zu retten, und eine neue Geschichte entsteht. Vielleicht bin ich da einfach zu sehr Kind geblieben.

Worauf ich verzichten könnte? Auf die Architektur, denn hier wird meine Kreativität am stärksten eingeschränkt durch baurechtliche Vorgaben, finanzielle und physikalische Grenzen u. ä. Wobei das auch eine Herausforderung sein kann – trotz enger Vorgaben etwas Besonderes herauszuholen.

 

Was ich andere Autoren ja gerne frage, ist, was für sie den Reiz einer Geschichte ausmacht: Ist es die Idee, die Figuren, die Welt, die Handlung, der Humor …? Was machte für dich den Reiz aus, Kallis Geschichte zu schreiben? Oder anders gefragt: Was ist dir an deinen Romanen besonders wichtig? 

An meinen Romanen sind mir schon meine Figuren besonders wichtig. Es entsteht neues Leben, denkende und fühlende Wesen, die so rüberkommen sollen, als gäbe es sie – in irgendeiner Welt – tatsächlich. Die tollste Szenerie, die actionreichste Handlung, die aufwendigst konstruierte Welt sind gar nichts, wenn die Figuren darin sie nicht beleben. Im Gegenteil, es kann ein superspannender Roman entstehen, selbst wenn äußerlich nichts besonderes passiert, keine großartige Welt konstruiert wurde, wenn einfach die Figuren lebensecht wirken, wie zum Beispiel „Me before you“ (Ein ganzes halbes Jahr) von Jojo Moyes. Natürlich passiert darin auch einiges, aber der Schwerpunkt liegt bei den Figuren.

 

Du hast deine „Kalli Wermaus“-Romane ja ohne Verlag herausgebracht: Was schätzt du am Self-Publishing?

Sicherlich die große Freiheit, alles selbst gestalten und entscheiden zu dürfen.

 

Du hast mir ja schon verraten, dass „Kalli Wermaus“ auf 5 Bände angelegt ist: Worauf dürfen sich die Kalli-Fans als Nächstes freuen, magst du uns darüber schon ein bisschen verraten?

Sehr gerne. Im dritten Band wird Kalli sich auf die Suche nach seinem Großvater machen. Wie die Fans von Kalli sicher wissen, ist dieser allerdings schon geraume Zeit tot. Ob Kalli trotzdem einen Weg finden wird? Natürlich sind viele alte Bekannte wieder mit von der Partie, wir treffen Luisa und Kallis Eltern, seine Großmutter und Edelgard, die Krähen, die Wermaus und Aristo, aber auch den Nachbarn Schorli und die fiese Frau Engässer. Und wir werden uns in der magischen Welt noch ein wenig genauer umsehen.

Maus zernagt einen Mathetest
einer meiner Lieblingsmomente von Kalli aus dem 1. Band (Illustration: Irene Li Krauß)

 

Und ich weiß, dass du auch noch an anderen Projekten arbeitest. Worauf dürfen sich deine Leser außerdem demnächst noch freuen?

Puh, wie definierst du „demnächst“? *lach* Zunächst kommt eine komplett überarbeitete Version von „Teeparty“ auf den Markt, die nicht mehr ausschließlich bei Amazon, sondern überall erhältlich sein wird, das Ganze hoffentlich noch im Januar.

Von dem (romantisch-abenteuerlichen) historischen Roman des 14. Jh. habe ich schon erzählt, wann der aber herauskommt, steht gerade noch ein bisschen in den Sternen. Gerade versuche ich mich an einer Kurzgeschichte, die Bezug auf eine der Figuren dieser Geschichte nimmt, an der aber nichts romantisch ist, ich möchte sie bei einem Wettbewerb einreichen.

Dann habe ich noch ein Manuskript – ein Fantasyroman, der starke Parallelen zur NS-Zeit aufnimmt, da muss ich mir aber erst noch klarwerden, ob und wie ich das veröffentlichen will.

Ganz sicher aber kommt nächstes Jahr – sorry, dieses Jahr, wir haben ja schon 2018! – das dritte Abenteuer von Kalli, das sich allerdings über zwei Bände erstrecken wird. Mal gucken wie ich es schaffe, es ohne totalen Cliffhanger enden zu lassen. 🙂

 

Liebe Nicole, vielen herzlichen Dank für das tolle Interview und die Möglichkeit, ein bisschen über Kalli und mein Leben zu plaudern, es hat mir Riesenspaß gemacht.

Ich wünsche Dir und all Deinen Lesern ein tolles neues Jahr, ein Jahr mit fröhlichem Lachen, Freudentränen, Trost und Mitgefühl, wenn man es braucht, einer großen Portion unerwartetem Glück, genug Achtsamkeit für die eigene Gesundheit und ein Jahr mit der Erkenntnis, dass der größte Erfolg darin liegt, das zu sein, was man ist und sein möchte.

 

Vielen Dank, liebe Irene, für deine spannenden Antworten und dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Danke auch, dass ich ein paar deiner tollen Illustrationen zeigen und im Beitrag verwenden durfte. ❤

Ich hoffe, euch hat es Spaß gemacht, das Interview mit Irene Li Krauß zu lesen. Falls ihr mehr über die Autorin, Kalli und ihre weiteren Romane erfahren wollt, besucht sie doch gerne auf ihrer Website oder auf ihrer Facebook-Seite.

 

Jahresrückblick 2017

Goodreads Jahresrückblick 2017

Ein ereignisreiches Jahr ist zu Ende gegangen. Nachdem ich in den letzten Monaten leider keine Zeit für Monatsrückblicke hatte, habe ich beschlossen, auf jeden Fall einen Jahresrückblick 2017 zu machen und euch ein wenig über mein Lesejahr zu erzählen.

Auffällig ist, dass ich in den ersten Monaten gut ins Lesejahr gestartet bin und ab Mai/Juni eine kleinere Leseflaute aufgrund meiner Herbstneuerscheinungen hatte, da ich hier voll mit dem Lektorat und Korrektorat von „Die Magie der Lüge“ und „Murphy – Rache ist süß“ beschäftigt war. Ich hatte mir im Januar 2017 wieder Goodreads Reading Challenge vorgenommen und wollte 60 Bücher 2017 lesen. Ich hatte mir auch rasch einen Vorsprung herausgelesen.

Doch nicht nur die Reading Challenge von Goodreads hat mich motiviert, sondern auch die beiden Challenges auf Lovelybooks, die ich erstmalig mitgemacht habe, nämlich die Fantasy- und Science-Fiction-Challenge und die Jugendbuch-Challenge. Bei beiden Challenges mussten mindestens 10 Aufgaben erfüllt werden. Beides habe ich bereits in der ersten Jahreshälfte geschafft. Jahresrückblick 2017 weiterlesen

Kurzrezi: Hubertus Hinse „Drudenherz – Das Erwachen der Magie“

blauschwarzes Cover mit blutiger SichelIch muss gestehen, als ich „Drudenherz – Das Erwachen der Magie“ Mitte November unangefordert vom SüdOst Verlag als Rezensionsexemplar zugeschickt bekommen habe, war ich etwas skeptisch. Das Buch entspricht auf den ersten Blick so gar nicht meinem üblichen Beuteschema und in einer Buchhandlung hätte ich nicht danach gegriffen, da das Cover mich nicht anspricht.

Dann habe ich mir den Klappentext angesehen und las als Erstes das Wort „Mythen-Thriller“.  Okay, dachte ich, es scheint doch phantastische Züge zu haben. Versuchen wir es und lassen wir uns überraschen.

Es dauerte dann noch bis zu den freien Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr, bis ich zum Lesen gekommen bin, doch nun bin ich durch und möchte euch erzählen, ob es sich gelohnt hat, mal abseits der vertrauten Gefilde zu lesen.

 

Inhalt:

Hias vom Ordnungsamt Nittendorf wird auf den Rosnerhof der Jungbäuerin Franziska gerufen. Dort wurden die Hühner gerissen, doch irgendetwas an dem Fall ist merkwürdig und lässt ihn vermuten, dass es kein Fuchs oder ein anderes Raubtier war. Doch wer könnte es auf die Tiere oder auf die Jungbäuerin abgesehen haben?

Als Hias Franziskas seltsamer Freundin Rosalie und dem geheimnisvollen Maximilian Feilenhauer begegnet, beginnen seltsame Dinge um ihn herum zu geschehen: unnatürlicher Wind, Schatten, kleine Gestalten, die durch die Gegend huschen, Geister aus dem Wasser … Kann es sein, dass seine Tanten recht hatten und dass es die Sagengestalten seiner Kindheit – Bilmesschnitter, Moosleute, Druden und mehr – tatsächlich gibt?

 

Meine Meinung zu „Drudenherz“:

Die Geschichte ist im ländlichen Bayern, genauer in Nittendorf in der Nähe von Regensburg, angesiedelt. Das wusste ich zum Glück schon vorher, denn in der Geschichte wird die nächstgrößere Stadt erst recht spät genannt und wenn man sich – wie ich – in Bayern nicht so gut auskennt (ich habe zwar fünf Jahre in Franken gewohnt, aber ohne Auto fehlt mir die Ortskenntnis der gebürtigen Bayern), dann sagt einem der Ort ohne Google nichts.

Der Einstieg in die Geschichte war für mich daher einerseits spannend – es passieren schon auf den ersten Seiten merkwürdige Vorfälle -,  andererseits aber hatte ich auch den Eindruck, dass mir der persönliche Bezug teilweise fehlte, wodurch sich das Gefühl, nicht zu den Eingeweihten zu gehören, mit der Zeit bei mir festigte. Manches Wissen wurde vorausgesetzt wie über Nittendorf oder die Aufgaben des Ordnungsamts.

Dass Hias zum Ordnungsamt gehört und nicht zur Polizei, wurde mir im Laufe der Handlung irgendwann klar, dennoch empfand ich es schwierig, es richtig einzuordnen, da auf die Figuren und besonders auch auf die Hauptfigur Hias mir nicht ausreichend eingegangen wurde. Teilweise ist es Absicht, denn die Geheimnisse von einigen Figuren werden im Laufe der Geschichte nach und nach sowie in Rückblicken enthüllt, dennoch hätte ich mir mehr Infos zu Hias‘ beruflichen und privaten Hintergrund gewünscht.

Kommen wir zu den Mythen und Sagen: Zum Glück wurde hier ein wenig mehr auf den ahnungslosen Leser eingegangen und einiges erklärt. Zusammen mit dem Protagonisten Hias erfahren wir Leser, worum es sich bei den merkwürdigen Vorfällen und seltsamen Wesen handelt. Besonders die Moosleute – kleine dienstbare Wesen und arme Seelen, die Abbitte leisten müssen, wenn auch teilweise etwas frech -, haben mir gefallen. Besonders niedlich fand ich es, als der Moosmann zum ersten Mal Auto fährt und staunt.

Der Wind entpuppte sich dann als Holzhetzer, der Jagd auf die armen Seelen bzw. Moosleute macht. Andere übernatürliche Wesen waren jedoch nicht so leicht als solche zu erkennen wie die Drude, ein verfluchte, zerrissene Seele, die verschiedene Gestalt annehmen kann, ewig lebt und verdammt ist, Menschen zu Tode zu drücken. Hierbei handelt es sich um Menschen, die einmal gelebt haben und bei denen die Taufe schiefgelaufen ist. Irgendwie eine gruselige Vorstellung.

Was ein Bilmesschnitter, eine Klagemutter oder ein Feilenhauer sind, will ich hier nicht erklären – das könnt ihr bei Interesse selbst nachlesen, aber dieser Aspekt des Romans hat mir gut gefallen. Statt regionalem Krimi erinnerte mich das an regionale Fantasy und die lokalen Mythen und Sagen empfand ich als willkommene Abwechslung zu den bereits bekannten Vampiren, Werwölfen und Co.

Im Laufe des Buchs kommen jedoch nicht nur kurze erklärende Passagen vor, sondern auch längere Rückblicke, zum Beispiel ins Pestjahr 1632 und ins 18. Jahrhundert, bei denen ich mich manchmal gefragt habe, wohin uns diese Rückblicke führen sollen. Ich empfand manche der Rückblicke als zu lang beziehungsweise als zu ausschweifend und nicht genug aussagekräftig. Hier hätte ich mir teilweise eine Straffung gewünscht, denn die wichtigen Informationen, die der Leser aus den Einblicken in die Vergangenheit der übernatürlichen Wesen ziehen sollte, kamen später in der Gegenwart in Form von eingestreuten Informationen. Die Rückblicke schienen mir nur als atmosphärische Eindrücke für die Leser zu fungieren und wenig handlungsrelevant zu sein. Dadurch vermisste ich hier manchmal den roten Faden, auch schienen mir die Rückblicke im Verhältnis zur Haupthandlung mit Hias, um die es für mich als Leserin ging und die ich spannend fand, zu viel Raum einzunehmen.

Fazit:

„Drudenherz – Das Erwachen der Magie“ ist eine lesenswerte Exkursion in die regionalen Mythen Bayerns und eine spannende Geschichte, die mich persönlich jedoch nicht ganz packen konnte. Einige Elemente wie die Mythen fand ich sehr gelungen und interessant, statt der langen Rückblicke hätte ich mir mehr Einblicke und Hintergrundinformationen über Hias und Nittendorf gewünscht, da ich ein wenig den Eindruck hatte, dass die Figurenvorstellung ein wenig zu kurz kam und ich als Nicht-Ortskundige vom Autor als potentielle Leserin zu wenig berücksichtigt wurde.

Daher insgesamt eine interessante und ungewöhnliche regionale Fantasygeschichte – Rural Fantasy – mit ein paar Schwächen. Erwachsene Leser, die sich für regionale Mythen und Sagen Bayerns, Krimis und Fantasy interessieren, werden dennoch ihre Freude an dem Roman haben.

Das Buch:

blauschwarzes Cover mit blutiger Sichel272 Seiten

Paperback

Oktober 2017

SüdOst Verlag (Battenberg Gietl Verlag)

Preis: 14,90 € (D)

ISBN: 978-3-86646-795-8

 

Vielen Dank an den SüdOstVerlag / Battenberg Gietl Verlag für das Rezensionsexemplar!

18für2018 Lesechallenge – meine Auswahl

2016/2017 entstand in der Facebookgruppe „Zeilenspringer“ die Lesechallenge 17für2017. Nun geht die Challenge in die nächste Runde und dieses Mal bin ich auch dabei.

Nachdem ich dieses Jahr viele Bücher gekauft, aber für mich unverhältnismäßig wenig gelesen habe – ich glaube, das ist das erste Jahr seit Jahrzehnten, in dem ich unter 100 Büchern gelesen habe -, habe ich mich entschieden, bei der Challenge 18für2018 mitzumachen, um meinen SUB ein wenig zu reduzieren.

Sozusagen ein guter Vorsatz fürs neue Jahr. Ich hoffe nur, dieser Vorsatz klappt besser, als es sonst bei meinen guten Vorsätzen zum Jahreswechsel der Fall ist. 😉

Für die Aktion 18für2018 habe ich bereits die Titel ausgewählt, die ich nächstes Jahr unbedingt lesen möchte.  Ich habe mich entschieden, hierfür nur Prints von meinem SUB zu nehmen. (Für andere Aktionen nehme ich dann E-Books von meinem SUB.) Auf diese Weise kann ich den Bücherstapel hoffentlich schrumpfen sehen und mich selbst motivieren dranzubleiben.

Meine Auswahl für 18für2018:

18 Bücher für die Challenge 18für2018 nebeneinander

(von links oben nach rechts unten)

  1. Kai Meyer „Die Spur der Bücher“ (gelesen)
  2. Holly Black „Der Prinz der Elfen“ (gelesen)
  3. Jonathan Stroud „Das Grauenvolle Grab – Lockwood & Co. 5“
  4. J. K. Rowling „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“
  5. Kerstin Gier „Das zweite Buch der Träume – Silber 2“
  6. Kerstin Gier „Das dritte Buch der Träume – Silber 3“
  7. T. S. Orgel „Die Blaustein-Kriege 1 – Das Erbe von Berun“
  8. Markus Heitz „Wédora – Staub und Blut“
  9. Matthias Teut „Erellgorh – Geheime Mächte“
  10. Jennifer Estep „Hot Mama: Bigtime 2“
  11. Dan Wells „Du bist noch nicht tot – Serienkiller 4“
  12. Dan Wells „Nur über deine Leiche – Serienkiller 5“
  13. Jim Butcher „Windjäger“
  14. Sarah Adler „Rabenaas: Wie man die Schatten fängt“
  15. Laura Labas „Ewigkeitsgefüge“
  16. Thomas Thiemeyer „Die Stadt der Regenfresser – Chroniken der Weltensucher 1“
  17. Lauren M. Roy „Night Owls“
  18. Stephen Deas „The Thief-Takers Apprentice“

 

Macht ihr auch bei der Challenge 18für2018 mit? Und falls ja, welche Titel stehen unter anderem auf eurer Liste?

Kurzrezi: Kat Rupin „Eonvár – Zwischen den Welten“

Entscheidungen für den Kauf gibt es bekanntlich viele: tolles Cover, spannend klingender Klappentext, der Autor schreibt immer toll, das Thema interessiert mich, der Protagonist trägt denselben Namen wie XY aus meinem eigenen Bekanntenkreis …

Im Fall von „Eonvár“ war es neben der Tatsache, dass ich die Autorin über Facebook kenne und verdammt gespannt auf ihren Debütroman war, besonders die Protagonistin. Elisa sitzt nämlich im Rollstuhl und schlittert mitsamt diesem in eine magische Parallelwelt namens Eonvár. „Wie cool ist das denn! Das muss ich haben!“, dachte ich mir.

Gedacht, getan.

Fantasybuch mit Adventsdeko

 

Inhalt:

Die 23-jährige Elisa sitzt seit einem Unfall in ihrer Kindheit im Rollstuhl und meistert seitdem jede Herausforderung souverän. Studium, Job, den Alltag in München – alles kein Problem, denn Elisa hat Biss und weiß, was sie will.

Bis sie eines Tages ihren lange vermissten Kindheitsfreund Gabriel wiedersieht, ihm heimlich folgt und so durch ein magisches Portal in eine Parallelwelt gerät, in der es Magie wirklich gibt und Elisa sogar wieder laufen kann.  Sie ist fasziniert und wechselt immer häufiger zwischen den Welten.

Doch dann muss sie erkennen, dass sie sich für eine der beiden entscheiden muss, wenn sie nicht alles verlieren will …

 

Meine Meinung:

Die ungewöhnliche Heldin für einen Fantasyroman hat mich enorm an dieser Geschichte gereizt. Viel zu selten spielen Außenseiter mit einem Handicap eine Hauptrolle – und ich habe ein echtes Faible für ungewöhnliche Charaktere und außergewöhnliche Geschichten. Daher hatte ich mich sehr auf diesen Roman gefreut.

Ich kam auch gut in die Geschichte. Das Buch ist flüssig geschrieben und schon bald schwenkt die Geschichte von Elisas Alltag in München um zu einem Fantasyabenteuer. Gemeinsam mit der Erzählerin gehen wir Leser auf Entdeckungsreise, erfahren mehr über die Schule für Magie, in der Gabriel lebt und unterrichtet, und über die Welt.

Übrigens: Dass Elisa auf eine magische Schule kommt, aber entscheidet, dass sie nicht zwischen all die Kinder und Jugendlichen passt und lieber für sich selbst lernt und ihr magisches Talent erkundet, statt im Unterricht den Lehrern zu lauschen, fand ich mal eine erfrischende Neuerung. Sie passte auch zu der eigensinnigen Heldin.

Mir gefiel die Welt, die wir in einzelnen Ausflügen von Elisa und ihrem Freund Gabriel kennen lernen dürfen. Und es ist nicht so, dass Gabriel ihren Rollstuhl jetzt durch die Natur schieben müsste, denn Elisa kann plötzlich wieder laufen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich die Tatsache gut finde oder nicht. Vielleicht wäre es auch spannend gewesen, wenn Elisas Lähmung auch in Eonvár weiterexistiert hätte, denn das hätte weitere ungewöhnliche Szenen gegeben und die Tatsache, dass sie plötzlich wieder laufen konnte, wurde dafür zu wenig „ausgeschlachtet“. Weder versetzt sie Elisa großartig in Erstaunen noch spielte sie gefühlt in ihrer Entscheidung zwischen den beiden Welten keine Rolle.

Dass die Hauptfigur andererseits so selbstverständlich mit ihrer Behinderung umgeht und ihr Leben meistert, war auch beeindruckend. Wie wenig das Handicap ihr Selbstbild beeinflusste, merkte man, als Elisa wieder laufen konnte und sich nicht anders verhielt als vorher.

Ich möchte nicht zu viel zur Handlung verraten, nur so viel: Die Geschichte gefiel mir gut und ich konnte bis zum Ende nicht vorhersehen, wofür sich Elisa entscheidet, obwohl sie am Ende eine nachvollziehbare Wahl trifft. Die Story hat mir daher gut gefallen.

Was mir nicht so gefiel: Elisa. *seufz*

Ja, ich wurde mit der Protagonistin, derentwegen ich das Buch eigentlich gekauft hatte, nicht warm. Sie war ein spannender und starker Charakter, keine Frage, aber ich mochte sie nicht – besonders nicht ihren Dickkopf, mit der sie immer ihren Willen durchsetzen wollte – und im echten Leben wären wir zwei wohl keine Freunde geworden. Das ist manchmal leider so. 🙁

Fazit: Falls ihr mal einen Fantasyroman mit einer etwas anderen Heldin, einer interessanten Parallelwelt und einem spannenden Konflikt lesen wollt, kann ich euch „Eonvár – Zwischen den Welten“ empfehlen, auch wenn ich selbst leider ein paar persönliche Probleme mit der Hauptfigur hatte.

 

Das Buch:

340 Seiten

Taschenbuch

Oktober 2017

Zeilengold Verlag

14,90 € (D)

Kurzrezi: Nina MacKay „Aschenputtel und die Erbsen-Phobie“

Buchcover mit Spiegel, blonder junger Frau im Ballkleid und jungen Mann im WaldNach langer (und leider lesearmer) Zeit, gibt es heute endlich mal wieder eine Rezension von mir, wenn auch in Kurzform, nämlich zu „Aschenputtel und die Erbsen-Phobie“, dem 2. Band der „Hipster-Märchen“-Reihe von Nina MacKay.

Ich hatte ja bereits letztes Jahr den 1. Band „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf“ gelesen und rezensiert und auch wenn mich der Roman nicht ganz so begeistern konnte wie die anderen Geschichten und Romane, die ich von der Autorin gelesen habe (und liebe, wie zum Beispiel „Plötzlich Banshee“), so wollte ich doch unbedingt wissen, wie es weitergeht, und habe mir daher natürlich auch Band 2 geholt.

 

Inhalt:

Im Märchenwald ist einiges im Argen, seitdem Prinzessin Yasemine aus dem Morgenland Red und ihre Freundinnen, die vier Prinzessinnen Snow, Rapunzel, Rose und Cinder für den Tod ihres Vaters verantwortlich macht und ihnen und dem ganzen Märchenwald den Krieg erklärt hat.

Da der Märchenwald dringend magische Unterstützung im drohenden Konflikt benötigt, müssen Red und ihre Freundinnen nicht nur das verlorene Kind finden, das laut einer Prophezeiung eine entscheidende Rolle spielen wird, sondern auch noch bei den Hexen um Unterstützung bitten, die sie dummerweise bei ihrem letzten Abenteuer gegen sich aufgebracht haben. Dass das Ganze nicht gutgehen kann, wird immer deutlicher, als dann auch noch einer ihrer Liebsten von Prinzessin Yasemine entführt wird und diese ihnen daraufhin ein hinterhältiges Ultimatum stellt …

 

Meine Meinung:

Mir hat der zweite Band eindeutig besser gefallen als der erste. Inzwischen kennt man die Figuren, das Setting und den Humor – der glücklicherweise dieses Mal auf Witze über durch die Prinzessinnen gewollt-ungewollt umgebrachte Hexen verzichtet -, sodass ich beim Lesen gleich in der Geschichte drin war.

Die Ereignisse werden überwiegend aus der Ich-Perspektive von Red – dies ist der Name von Rotkäppchen – und aus der 3. Person von Cinder (= Aschenputtel), die beide noch die sympathischsten aus der Freundesgruppe sind, erzählt. Red steht immer noch zwischen Ever und Jaz (= James Hook), doch nach einem Fluch und einem Liebestrank, versucht sie ihr Happy End mit dem Hipster-Werwolf Ever zu leben, was jedoch durch die alten und neuen Problemen nicht gelingen will.

Auch dieses Mal stehen die Freundinnen wieder vor einem Rätsel, das sie durch die verschiedenen Königreiche – Märchenwald, Morgenland und Wonderland – führt, denn sie müssen unbedingt herausfinden, wer das verlorene Kind der Prophezeiung ist, und halsen sich dabei auch noch die Suche nach dem geheimnisvollen achten Zwerg auf. Ihre Suche führt sie nicht nur zu potentiellen Kandidaten, geflohtoxten Hexen mit Fußfesseln, Freunden und Feinden, sondern auch zu einigen überraschenden Erkenntnissen – und mehr will ich hier nicht verraten.

Der Schreibstil ist wieder modern – es gibt zahlreiche Anspielungen auf die zeitgenössische Popkultur, Serien, Social Media, etc. -, gespickt mit Wortspielen, Sprüchen und Situationskomik. Typisch Nina MacKay eben, welche die verschiedenen Märchenelementen, Geschichten und Figuren mit moderner Technik kombiniert und daraus eine ganz eigene Geschichte macht, die dort einsetzt, wo die Märchen normalerweise enden: nach dem Happy-End.

Ich habe es ja schon erwähnt, nicht alle der Figuren sind sympathisch und manchmal hegt man mehr Sympathien für eine Hexe mit schlechtem Ruf als für eine Prinzessin – Snow finde ich zum Fürchten, ehrlich gesagt -, aber jede von ihnen ist treffend mit Stärken und Schwächen charakterisiert. Der Humor gefällt vermutlich nicht jedem Leser und auch wenn ich nicht lauthals lachen musste, so habe ich über manch skurrile Situation doch gestaunt.

Am besten an „Aschenputtel und die Erbsen-Phobie“ haben mir wieder die ungewöhnlichen Ideen gefallen. Während manche andere Autoren in ihren Märchenadaptionen dem Ganzen nur einen persönlichen Blickwinkel hinzufügen und die Geschichte erneut erzählen, spinnt Nina MacKay aus den verschiedenen Elementen ein ganz eigenes Märchen, das man als Leser so noch nicht kennt, sodass  es immer wieder zu überraschenden Ideen und Entwicklungen kommt.

Die Fans dürfen gespannt sein, wie es mit Red und Co. weitergeht, denn 2018 soll der 3. Band der Reihe erscheinen. Von mir gibt es 4 von 5 möglichen Bücher für „Aschenputtel und die Erbsen-Phobie“.

Kurzrezi: Lillith Korn „Shadowcross: Daddy“

Eine weitere Folge der Buchserie „Shadowcross“ ist diesen Monat erschienen und genauso fest zum Programm wie die Lektüre der neuesten Episode gehört bei mir auch das Schreiben der Kurzrezension.

„Daddy“ ist bereits die 4. Episode und wie sie mir gefallen hat, könnt ihr im Folgenden erfahren.

 

Inhalt:

Buchcover mit schwarzem Totenschädel, der den Finger an den Mund legtRiley hat seinen ersten Alleingang nach Shadowcross lebend überstanden, doch die Sorgen wegen der Doppelgänger und Menschenfresser aus der Parallelwelt sowie seiner Probleme in dieser Welt  lassen ihn nicht los. Mit seiner Mutter stimmt etwas nicht und sein Vater verhält sich merkwürdig.

Als dann auch noch sein bester Freund Zac endlich wissen will, was mit ihm los ist, muss Riley eine Entscheidung treffen: Soll er Zac in das Familiengeheimnis einweihen?

Meine Meinung:

„Daddy“ ist bereits die 4. Episode der Dark Fantasy-Buchreihe „Shadowcross“ von Lillith Korn. Da ich bereits die ersten 3 Episoden verschlungen hatte, musste ich natürlich unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Da es sich bei den Bänden um eine Serie mit Episoden von ca. 60 Seiten handelt, wobei je eine Folge pro Monat erscheint, werde ich mich zum Inhalt recht kurz fassen. Wie der Titel der Episode verrät, geht es in dieser Folge nicht nur um die Freundschaft von Zac und Riley und die Entscheidung, die Riley treffen muss, sondern auch um Rileys Dad. Wir Leser wissen ja bereits, dass etwas nicht stimmt, sodass ich gespannt war, wann auch Riley das erkennt.

Neben Riley und Zac, der dieses Mal eine größere und aktivere Rolle hat als in den vorherigen Episoden, spielt auch ihre Klassenkameradin Madison eine Rolle, bei der sich nach dem anfänglichen Schreck über das Gelingen des Zauberspruchs langsam Neugier ausbreitet. Und langsam werden auch die Erzählstränge der drei Protagonisten enger miteinander verwoben.

Insgesamt wieder eine sehr spannende Episode mit Ereignissen, auf die ich schon seit den letzten beiden Folgen gewartet hatte, und einem gelungenen Ende, bei dem ich am liebsten sofort weiterlesen würde.

 

„Shadowcross“ umfasst bislang folgende Episoden:

  1. „Das Vermächtnis“
  2. „Madisons Party“
  3. „Katzen“
  4. „Daddy“

Kurzrezi: Lillith Korn „Shadowcross: Katzen“

Kennt ihr bereits die Dark Fantasy-Buchserie „Shadowcross“ von Lillith Korn? Diesen Monat erschien die 3. Episode der Serie, die ähnlich wie eine Fernsehserie aus kurzen, leicht verdaulichen Häppchen besteht und einen Spannungsbogen über mehrere Folgen aufbaut. Die erste Staffel der Serie besteht aus elf Episoden mit je 60 Seiten, die jeweils am 5. eines Monats erscheinen.

Heute möchte ich euch die 3. Episode „Katzen“ vorstellen – aufgrund der Kürze des Buchs wieder in Form einer Kurzrezi.

Inhalt:

dunkelrotes Cover mit fauchender schwarzer KatzeRiley musste feststellen, dass auch sein normales Leben nicht so normal ist, wie er gedacht hat. War das tatsächlich Hexerei, was seine Klassenkameradin Madison und ihre Freundin bei der Party betrieben haben?

Doch dann schickt ihn sein Vater für einen Auftrag zurück nach Shadowcross, wo tödliche Gefahren wie Menschenfresser und Doppelgänger auf ihn warten – und eine ungewöhnliche Katze.

Meine Meinung:

Nachdem wir in der 1. Episode den größten Teil in Shadowcross verbracht haben und die 2. Episode im Gegensatz dazu von Rileys Alltagsleben in dieser Welt geprägt war, habe ich mich sehr gefreut, dass in dieser Episode beide Welten eine Rolle gespielt haben. Die Mischung fand ich gelungen und durch das Ende von Episode 2 war von Beginn an Spannung da. Ich wollte unbedingt wissen, was mit Rileys Vater David ist.

Durch die wechselnden Perspektiven bietet sich uns Lesern ein abwechslungsreiches Bild und wir haben den Figuren Wissen voraus. So erhalten wir nicht nur Einblick in Rileys Gedanken und Gefühle, der immer noch damit klar kommen, was er über die Parallelwelt Shadowcross und das Erbe seiner Familie, der Hunter, erfahren hat. Das Geheimnis belastet ihn.

Dazu kommen die Szenen aus Madisons Perspektive, die langsam erkennt, dass der Hokuspokus, den sie und ihre Freundin verübt haben, vielleicht doch keine simple Sinnestäuschung war und dass im Buch ihrer verstorbenen Großmutter doch echte Magie steckt.

Mein Highlight in dieser Episode war Rileys neuer Abstecher nach Shadowcross und seine Begegnung mit der Katze. Wer mich kennt, weiß, dass ich Katzen liebe, daher fand ich das schon ziemlich cool, aber die Katze aus dieser Episode ist zudem noch so ungewöhnlich, dass ich sofort gefesselt war. Doch es wäre keine Dark Fantasy-Reihe, wenn nicht auch ein wenig Gruselfaktor bei der Begegnung dabei gewesen wäre. Mehr möchte ich dazu allerdings nicht verraten, lest am besten selbst.

Fazit: Nachdem ich mir in der 2. Episode ein bisschen übernatürliche Action gewünscht hätte, hat mir die 3. Episode mit seiner ausgewogenen Mischung aus „Normalität“ – wenn wir die Ereignisse in unser Welt mal so nennen wollen – und düsterem Shadowcross sehr gut gefallen und nicht nur die Katze war eine gute Idee, welche die Serie in eine neue und spannende Richtung geführt hat. Am Ende bleiben wieder Fragen offen und ich bin schon sehr gespannt auf die nächste Episode, die am 5. September erscheint.

 

„Shadowcross“ umfasst bislang folgende Episoden:

  1. „Das Vermächtnis“
  2. „Madisons Party“
  3. „Katzen“
  4. „Daddy“

Kurzrezi: Taran Matharu „Die Dämonenakademie – Wie alles begann“

Es gibt mal wieder eine neue Rezension in Kurzform von mir. Ich habe dieses Format für mich entdeckt, wenn es ums Rezensieren von Kurzgeschichten und Novellen geht. Genau das Richtige also für „Die Dämonenakademie – Wie alles begann“, die kurze Vorgeschichte zur Trilogie.

 

Inhalt:

Der jugendliche Waisenjunge Arcturus versucht seinem unglücklichen Los als billige Arbeitskraft in einem Wirtshaus zu entkommen und entdeckt dabei durch Zufall, dass er die Gabe besitzt, Dämonen zu beschwören, die sonst nur den Erstgeborenen der Adelshäusern vorbehalten ist. Er und seine Dämonin Sacharissa kommen auf die Dämonenakademie – und machen sich mächtige Feinde.

 

Meine Meinung:

altertümlich gekleideter junger Mann vor magischem, blauem SternMit „Die Dämonenakademie“ hat Taran Matharu sich nicht nur in das Herz vieler seiner Wattpad-Leser geschrieben, sondern er konnte auch einen Verlag mit der Trilogie überzeugen und erobert nun die Leserherzen von Fantasyfans weltweit. Darunter auch meins. Zwei der Bände der Trilogie sind schon erschienen und um die Wartezeit auf den 3 Band zu verkürzen, der erst im Januar 2018 auf Deutsch erscheint, musste ich natürlich auch die Spin-off-Geschichte zu Fletchers Lehrer Arcturus lesen.

Vorab: Es handelt sich um eine Novelle. Die Geschichte ist nicht sehr lang. Leider habe ich festgestellt, dass ich nicht ganz so begeistert von „Wie alles begann“, der Vorgeschichte, war wie von den Romanen. Das liegt vermutlich daran, dass ich grundsätzlich eher lange Geschichte vorziehe, aber auch an einem ganz anderen Grund: Arcturus ist eben nicht Fletcher und sein Dämon, eine Canidin (Hundedämon) namens Sacharissa, ist nicht Ignatius. Das Gespann hat es gegen meine beiden erklärten Lieblinge aber auch verdammt schwer, zugegeben.

Insgesamt mochte ich die Geschichte dennoch. Für Fans der Trilogie ist sie ein schönes Extra und das nicht nur, um die Wartezeit zu überbrücken. Auch die Hintergründe der komplizierten Beziehungen der erwachsenen Figuren aus Fletchers Elterngeneration in der Trilogie werden hier beleuchtet.

Ist die Kurzgeschichte ein guter Einstieg in Welt von „Die Dämonenakademie“? Da bin ich nicht ganz so sicher. Ich kenne ja die ersten beiden Bände bereits, aber selbst ich musste mir noch mal ins Gedächtnis rufen, wer wer ist. Die Charaktere, die Welt der Dämonen – damit meine ich sowohl den Äther als auch die Akademie und die verschiedenen Dämonenarten – und die Magie können nur kurz angerissen werden. Daher würde ich empfehlen, mit der Trilogie zu starten und erst anschließend die Vorgeschichte zu lesen.

Und mehr möchte ich gar nicht zur Kurzgeschichte sagen, um nicht zu viel zu erzählen. Fans von „Die Dämonenakademie“, lest selbst!

Kurzrezi: Lillith Korn „Shadowcross: Madisons Party“

Heute gibt es wieder eine neue Kurzrezension für euch. Da es sich bei „Shadowcross“ ja um eine Buchserie mit recht kurzen Episoden (50-60 Seiten) handelt, habe ich mich entschieden, dass ich die 2. Episode aus der Reihe „Madisons Party“ wieder nur als Kurzrezi vorstelle.

Falls ihr Episode 1 „Das Vermächtnis“ allerdings noch nicht gelesen haben solltet: Achtung, die Rezi enthält Spoiler, das lässt sich leider nicht vermeiden.

Inhalt:

Buchcover mit Mädchen vor düsterem, rotem HintergrundDer 17-jährige Riley Hunter musste schmerzhaft erfahren, dass unsere Welt düster ist und Monster durchaus existieren. In einer Parallelwelt zu unserer eigenen namens Shadowcross musste er sich Doppelgängern und Menschenfressern stellen und wurde von seinem Vater David in das Familiengeheimnis eingeweiht: Sie sind Monsterjäger und schließen die Risse zwischen den beiden Welten.

Zurück zu Hause muss Riley diese neue Erkenntnis erst einmal verkraften. Ihm gelingt es nicht, ohne Weiteres in seinen Alltag zurückzukehren, trotz der Bemühungen seines besten Freundes Zac und seiner Eltern, die ihn überreden, zur Party der beliebten Cheerleaderin Madison zu gehen. Doch es dauert nicht lange, bis Riley diese Entscheidung bereut …

Meine Meinung:

Nachdem mir die erste Folge „Das Vermächtnis“ super gefallen hatte, war ich sehr gespannt auf die zweite Folge von Lillith Korns neuer Dark Fantasy-Serie „Shadowcross“. Doch wer erwartet hat, dass die Handlung in derselben düsteren Stimmung fortfährt, der täuscht sich. Die zweite Episode liest sich anders als die erste.

In „Madisons Party“ steht Rileys Leben in der normalen Welt im Vordergrund und wir lernen zwei neue Charaktere kennen: Rileys besten Freund Zac, ein loyaler Freund und Spaßvogel aus schwierigen Familienverhältnissen, und Madison, eine gut aussehende Cheerleaderin aus reichem Elternhaus und eins der beliebtesten Mädchen der Schule. Zac ist in sie verschossen.

Der Kontrast zwischen den Ereignissen in Shadowcross in der 1. Folge und dem Alltag in Redwater in der 2. Folge ist eklatant. Riley hat mit normalen Teenagersorgen genauso zu kämpfen wie seinem unerwarteten Familienerbe und der Tatsache, dass seine Nanny Abby tot ist und es eine Parallelwelt gibt, in der es Monster gibt. Dadurch wirkt die Episode jedoch weniger spannend, auch wenn sie wichtig und notwendig ist, um die Figuren und die normale Welt einzuführen. Erst gegen Ende nimmt die Handlung wieder an Fahrt auf und endet mit einem Cliffhanger, der Dramatik und Spannung für die 3. Episode verspricht, die am 5. August erscheinen wird.

Ich muss gestehen, ich hatte beim ersten Lesen auch mit den neuen Erzählperspektiven zu kämpfen. Dadurch dass die 1. Episode allein aus Rileys Sicht geschrieben ist, kommen die beiden neuen Erzähler überraschend – und zunächst einmal wollte ich keine neuen Erzähler, schließlich ist das gefühlt Rileys Geschichte. Hinzu kommt, dass ich mit Maddie oder Madison zunächst nicht so recht warm wurde, auch wenn mit ihr ein interessanter neuer Aspekt Einzug in die Geschichte hält: Magie.

Beim zweiten Lesen habe ich mich jedoch mit der Veränderung der Erzählweise angefreundet und bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht.

Fazit: Eine nicht ganz so spannende Episode wie der starke Auftakt, aber nichtsdestotrotz eine gelungene Fortsetzung der „Shadowcross“-Reihe mit einem fulminanten Ende, das den Lesern dem Erscheinungstermin der dritten Episode entgegenfiebern lässt.

 

„Shadowcross“ umfasst bislang folgende Episoden:

  1. „Das Vermächtnis“
  2. „Madisons Party“
  3. „Katzen“
  4. „Daddy“

Für Fantayfans: phantastische Buchtipps, Rezensionen und Autorenportraits