Fantasyelemente in „Phoenix – Tochter der Asche“ – Mut zur Nische

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Ich hatte euch im Januar ja die Aktion #MutzurNische (den Artikel findet ihr hier) – nach einer Idee von Sandra Florean – vorgestellt, zu der sich verschiedene Blogger zusammengeschlossen haben, um Nischenbücher vorzustellen, die aufgrund ihres Genres, Mischgenres oder ihrer Veröffentlichung in einem Kleinverlag nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben. Die Aktion #MutzurNische soll das ändern.

Das 2. Nischenbuch, das wir für die Aktion ausgewählt haben, ist „Phoenix – Tochter der Asche“ von Ann-Kathrin Karschnick, der 1. Band ihrer „Phoenix“-Trilogie aus dem Teslapunk-Genre, das den Deutschen Phantastik Preis in der Kategorie „Bester Deutschsprachiger Roman“ gewonnen hat.  Aber jetzt will ich euch das Buch erst mal kurz vorstellen:

Klappentext:

Buchcover mit Engel vor verrußtem HimmelEuropa liegt nach einem fehlgeschlagenen Experiment im Jahr 1913 und diversen Kriegen mit Amerika in Trümmern. Mithilfe des damals führenden Wissenschaftlers Nicola Tesla bauten die Saiwalo, eine überirdische Macht, Europa langsam wieder auf. 120 Jahre später erschüttert eine Mordserie Hamburg, die sich niemand erklären kann. Leon, ein Anhänger der Saiwalo und Mitglied der Kontinentalarmee, wird auf die Fälle angesetzt und trifft bei seinen Ermittlungen auf die rätselhafte Tavi. Wer ist sie und wieso ist sie so fest von der Schuld der Saiwalo an den Morden überzeugt?

Mehr über den Roman erfahrt ihr in meiner Rezension zu „Phoenix – Tochter der Asche“.

Fantasyelemente in „Phoenix – Tochter der Asche“:

Da sich auf meinem Blog ja alles rund um Fantasy dreht, fand ich es sehr reizvoll, mal die Fantasyelemente aus dem Genremix Fantasy-Krimi-Teslapunk-Romantik-Erotik genauer unter die Lupe zu nehmen und das Worldbuilding sowie die Wesen etwas genauer zu betrachten. Diese sind nämlich sehr ungewöhnlich und punkten mit vielen tollen Ideen.

Phoenix:

Das erste Fantasyelement begegnet uns bereits im Titel. Den Phoenix, der legendäre Vogel, der in Flammen aufgeht und aus der Asche wiederaufersteht, kennen die meisten von uns wohl dank „Harry Potter“ und Dumbledores Phönix Fawkes. In „Phoenix – Tochter der Asche“ ist der Phoenix jedoch kein Tier, sondern ein menschliches unsterbliches Wesen, verkörpert von der Protagonistin Tavi.

Interessanterweise wurde Tavi nicht als Phoenix geboren, sondern hat sich erst durch ihren Tod vor etwa 2000 Jahren in einen Phoenix verwandelt. Seitdem kann sie bei jeder Wiederauferstehung ihr eigenes Äußeres etwas verändern, sich selbst heilen, schneller laufen und besser riechen als Menschen und sie besitzt die Fähigkeit, Auren zu sehen, und dank ihrer entfaltbaren Flügel die Gabe zu fliegen.

Ich hatte die Gelegenheit, der Autorin ein paar Fragen zu den Fantasyelementen ihres Romans zu stellen und natürlich habe ich Ann-Kathrin Karschnick gefragt, wie das mit den Phoenixen in ihrer Welt funktioniert.

Frage:

Wiederauferstehung zeichnet ja besonders ein Wesen aus: den Phoenix, wie Tavi einer ist. Besonders spannend finde ich, dass es Tavi anscheinend möglich ist, ihr Äußeres und ihr biologisches Alter bei der Wiederauferstehung zu verändern, jedoch mit gewissen Einschränkungen, über die wir in Band 1 noch nicht viel erfahren. Kannst du uns ein bisschen etwas zu den Regeln für die Wiederaufstehung von Phoenixen erzählen?

Antwort von Ann-Kathrin Karschnick: 

Die Regeln sind relativ einfach. Sie muss eine für einen Phoenix tödliche Verletzung erleiden und sich nicht mehr heilen können. Dann geht sie in Flammen auf und ersteht aus der Asche hervor. Da sie theoretisch ein unsterbliches Wesen ist, muss sie ihr Aussehen immer mal wieder ein wenig anpassen. Das gelingt, indem sie kurz vor ihrem Tod daran denkt, was sie verändern möchte. Es gehen immer nur Kleinigkeiten wie die Art des Haares, der Sitz der Wangenknochen, Augenfarbe usw. Wenn sie dann fertig ist, dann ist sie immer noch derselbe Mensch, aber halt mit kleinen Veränderungen.

Wiederauferstehung der sogenannten Seelenlosen:

Bei wiederauferstandenen Wesen denken wir vermutlich zunächst als Erstes an Phönixe – oder Zombies. Interessanterweise ist in Ann-Kathrin Karschnicks Welt die Wiederauferstehung die Voraussetzung für eine Verwandlung in weitere phantastische Wesen, nicht nur für die Transformation in einen Phoenix.

Auch Hexen, Cupidos, Dämonen und andere Unsterbliche, die von den Saiwalo und ihren Anhängern als Seelenlose bezeichnet werden, sind alle gestorben und wiederauferstanden.

Die Idee finde ich richtig klasse, denn sie bietet eine interessante Erklärung für die Existenz von übernatürlichen Wesen und die Vorstellung, dass theoretisch jede/r sich unter den richtigen Bedingungen in eine Hexe, etc. verwandeln kann, ist eine spannende Vorstellung, über die ich natürlich ebenfalls mehr von Ann-Kathrin Karschnick erfahren wollte.

Frage:

Die meisten deiner phantastischen Wesen in „Phoenix – Tochter der Asche“ sind Menschen, die gestorben und von den Toten als unsterbliche Wesen zurückgekehrt sind: Wie kamst du auf die Idee, den Tod, Auferstehung und phantastische Wesen miteinander zu verknüpfen, die Grundidee des Phoenix auf alle sogenannten Seelenlosen zu übertragen?

Antwort:

Lustigerweise kam der Phoenix erst, nachdem mir die Idee zu den Seelenlosen gekommen war. Ich fragte mich immer, wie die Wesen mal entstanden sind. Klar, gibt es die Göttertheorie, aber die fand ich langweilig. Also überlegte ich, wie noch Wesen entstehen könnten. Und bei mir ist es ja so, dass nicht alle Menschen nach dem Tod Seelenlose werden. Nur die, die in der Sekunde ihres Todes eine Emotion empfinden, die stärker als der Tod ist, verwandeln sich und kehren zurück. Dieses Konstrukt des Todes fand ich so spannend, dass ich mich in der Mythologie umgeschaut habe und erst dann den Phoenix entdeckte.

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Hexen:

Ebenfalls anders, als wir sie bislang kennen, sind die Hexen in „Phoenix – Tochter der Asche“. Eine Vertreterin, die wir etwas genauer kennen lernen, ist die Hexe Katharina, der Tavi bei ihrer Suche nach dem Mörder begegnet. Sie ist noch recht jung und besitzt die Gabe der empathischen Visionen. Das heißt, sie kann nicht nur die Zukunft sehen, sondern auch fühlen. Das ist eine seltene Gabe, auch unter Hexen, die nur alle paar Jahrhunderte vorkommt, während die Zukunftsvisionen häufiger sind.

Wie die Phoenixe können auch Hexen Auren sehen und sind unsterblich.

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Weitere phantastische Wesen:

Im Roman stehen hauptsächlich die Phoenixe und die Hexen im Vordergrund, doch wir lesen auch kurz von Dämonen und begegnen einem Cupido. Das Tor in eine phantastische Welt wird aufgestoßen und natürlich bin ich nach dem Lesen des 1. Bandes gespannt, was uns im Folgenden noch erwartet und welche unsterblichen und phantastischen Kreaturen wir möglicherweise noch begegnen dürfen. Wie gut, dass ich die Autorin schon mal vorab fragen durfte. 🙂

Frage:

Phoenixe, Hexen, außerdem ist im Roman auch die Rede von Dämonen: Gibt es noch mehr phantastische Wesen, auf die wir uns in Band 2 und 3 freuen dürfen? Und falls ja, welche wären das?

Antwort:

Oh ja, jede Menge. Es wird einen Dschinn, eine Banshee, einen Satyr und noch einige andere geben. Die Bandbreite ist gigantisch in der Mythologie und ich wollte diese Bandbreite in die Trilogie einbringen.

Die Saiwalo:

Etwas zu den Saiwalo zu schreiben, ist gar nicht so leicht, denn obwohl sie im Roman so eine Macht über alle Bewohner Europas haben, ist wenig über sie allgemein bekannt.

Es handelt sich um geisterhafte Wesen von einer anderen Existenzebene, die nach dem katastrophalen Experiment, das Europa weitgehend zerstört hat, zu Tage getreten sind, ihre Hilfe angeboten haben und nach und nach zu den Machthabern des Kontinents aufgestiegen sind.

Ihre Verbindung zu den normalen Menschen sind die sogenannten Geisterwächter, die mit ihnen kommunizieren können, und die Regierungsmitglieder, Saiwalo, die körperliche Gestalt angenommen haben, für die sie einem Seelenlosen jedoch die Unsterblichkeit rauben müssen.

Was ihre Ziele sind, warum der Wiederaufbau nicht weiter vorangetrieben wird, warum ausgerechnet Deutsch zur Sprache für alle in Europa erklärt wurde und welche Rolle sie bei der verhängnisvollen Katastrophe gespielt haben, darüber spekuliert nicht nur Tavi, sondern auch wir Leser. Und das macht die Geschichte so spannend. 😀

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Die Geisterwächter:

Menschen verwandeln sich nach ihrem Tod in Unsterbliche, die Saiwalo sind geisterhafte Wesen – es liegt nahe zu vermuten, dass gewöhnliche Sterbliche keine magischen Fähigkeiten besitzen.

Doch das stimmt nicht, wie die Geisterwächter beweisen. Sie sind Menschen mit der Gabe, die Saiwalo zu sehen und mit ihnen zu kommunizieren. Die Saiwalo sind daher bestrebt, die Geisterwächter frühzeitig an sich zu binden und zu unterrichten. Wie Tavis Zögling Nathan, der ein wilder Geisterwächter – also außerhalb der Kontrolle der Saiwalo – ist, haben sie unter anderem auch die Fähigkeit, Auren zu sehen.

Leben nach dem Tod und Jenseits:

Was passiert mit den Menschen, die sterben, aber nicht zu Unsterblichen werden? Und wo leben die Saiwalo, auf welcher Ebene der Existenz? Gibt es noch ein Leben nach dem Tod, ein Jenseits?

Das waren Fragen, die mich während und nach der Lektüre des Romans beschäftigt haben, und auf die ich natürlich auch gerne eine Antwort direkt von der Quelle, der Autorin selbst, haben wollte.

Frage:

Was ich mich gefragt habe, ist, wenn die Seelenlosen wiedergeboren werden und dann erneut in unserer Welt leben und die geisterhaften Wesen, die Saiwalo, ja irgendwie auf unserer Ebene existieren, auch wenn sie nur von wenigen wie den Geisterwächtern und Tavi gesehen werden, gibt es dann überhaupt noch ein Jenseits in deiner Welt? Oder sind die Existenzebene der Saiwalo und die Welt der Toten noch zusätzliche, getrennte Existenzebenen?

Antwort:

Es gibt ein Jenseits, in das die „normalen“ Menschen gehen. Und sollte ein Seelenloser einmal sterben, dann würde er auch dorthin gehen. Unsere Ebene kennen wir ja zur Genüge. Die Saiwalo leben auf einer anderen Eben der Existenz, die nur von wenigen eingesehen werden können. Z.B. die Geisterwächter. Und als dritte Ebene gibt es das Jenseits.

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Steampunk und Teslapunk:

Als Fantasyfreak sagt mir der Begriff Steampunk natürlich etwas. In meiner Rubrik Steampunk gibt es nicht nur eine kurze Definition, sondern auch einige Buchtipps aus dem Fantasy-Subgenre von mir.

Doch obwohl ich mich schon recht gut auskenne, war mir der Begriff Teslapunk, unter dem Ann-Kathrin Karschnick ihre Reihe einordnet, fremd.

Für Steampunk sind Dampfmaschinen sehr wichtig, der Teslapunk bezieht sich auf Nikola Tesla, den Entdecker der Elektrizität. Eine Erklärung war also schnell gefunden, dennoch hat mich die Entscheidung der Autorin, ausgerechnet ihren Roman im Teslapunk zu verordnen, natürlich brennend interessiert.

Frage:

Du hast deine Reihe ja als Teslapunk bezeichnet, in vielen Rezensionen ist von Steampunk die Rede: Was reizt dich an der Verknüpfung von Technik und Magie?

Antwort:

Ja, Teslapunk ist eine Unterkategorie des Steampunks. Die meisten Romane haben entweder Technik oder Magie. Und im Steampunk oder Teslapunk wird es häufig gemischt. Diese Kombination reizt mich. Es bietet Möglichkeit, die sonst nicht gegeben sind.

 

Vielen Dank an alle, die sich den doch sehr langen Beitrag bis hierhin durchgelesen haben. Ich hoffe, ihr fandet es interessant.

Und einen ganz besonderen Dank auch an Ann-Kathrin Karschnick für das Interview sowie an den Papierverzierer Verlag für die tollen Banner, die sie für die Aktion zur Verfügung gestellt haben. 🙂

 

Links zu weiteren Mut zur Nische-Beiträgen zu „Phoenix – Tochter der Asche“:

28.2.: Sandra Florean: Buchvorstellung und Kurzmeinung

1.3.: Jill von Letterheart: Rezension

1.3.: Anna von Fuchsias Weltenecho: Warum man dieses Buch gelesen haben sollte

2.3.: Saskia von Sasses Reich der Bücher: Reihenvorstellung

3.3.: Tina von Hello’s Bücher-Land: Rezension

5.3.: ich: Fantasyelemente im Roman und Rezension

6.3.: Jasmin von Bücherleser: Rezension

7.3.: Sanne von Sannes Bookcatalogue: Charaktervorstellung Tavi und Leon

9.3.: Michelle von Mimos Buchwelt: Wer ist Nicola Tesla?

11.3.: Stella von Bity’s Bücherwelt: Rezension und Interview

14.3.: Sabrina von Buch im Blick: Titelbedeutung, Tavi und mythologischer Phönix

16.3.: Diana von Abendsternchens bunte Welt: Autorenvorstellung

18.3.: Anna von Fuchsias Weltenecho: Ein Leben in der Dystopie

20.3.: Sara von Tastenklecks: Hörprobe

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