Interview mit Dominique Stalder

Wer steckt eigentlich hinter dem Fantasyroman, den wir gerade lesen oder vor kurzem gelesen haben? Wie ist das Buch überhaupt entstanden? Wie arbeitet der Autor? Wie kommt er auf seine Geschichten?

Spannende Fragen, die nicht nur ich mir wahrscheinlich immer wieder stelle. Aus diesem Grund habe ich nun eine neue Inhaltsreihe auf meinem Blog eingeführt: Ab sofort bekommt ihr in unregelmäßigen Abständen spannende Interviews mit deutschsprachigen Fantasyautoren zu lesen. Und den Anfang macht der Dark Fantasy-Autor Dominique Stalder. 🙂

Doch bevor wir zu meinen Fragen und Dominiques Antworten kommen, möchte ich euch kurz sein aktuelles Buch vorstellen. Nach dem Interview mit Dominique Stalder habe ich euch auch noch mal meine Rezensionen zu seinen Büchern verlinkt. Falls ihr also anschließend Lust habt, mehr über seine Romane zu erfahren, könnt ihr euch da mal umschauen. 😀

Und nun viel Spaß!

 

Buchcover: Monster, Mann mit Feuerhand und verängstigtes Mädchen in der DunkelheitKlappentext: 

Verfolgt von den Dämonen seines Fluches hat der Wanderer die Grauberge überquert und sieht sich unmittelbar neuen Herausforderungen gegenübergestellt. Er rettet das Mädchen Maela vor der sicheren Schändung durch vier schwarze Reiter, die er schon bei der Schamanin Drakatia traf und in denen er die Chance sieht, einen Weg in die Unterwelt zu finden.

Welches Geheimnis umgibt Maela? Schafft es der Wanderer, dem Dorf zu helfen und die Schwarzen Klippen von den Söldnern zu befreien? Und wer ist der dunkle Dämonenreiter, vor dem sogar Drakatia Respekt hatte?

Der Wanderer muss all seine Kraft aufwenden, um jene zu schützen, die er liebt.

Die Reise geht weiter. Der Wanderer hat die Grauberge überquert und wird unmittelbar mit herausfordernden Problemen konfrontiert. Der dunkle Anführer der Reiter hat sich mit seinen Gefolgsleuten bei den Schwarzen Klippen nahe des Dorfes Uriatha niedergelassen und tyrannisiert die Bevölkerung.

Der Wanderer hilft dem Mädchen Maela, welches Myrael sehr ähnelt, und stellt sich den schwarzen Reitern entgegen.

Die Suche nach sich selbst und Myrael setzt mit Band 1 nahtlos am Prolog »Die Schamanin« an und ist zugleich der Beginn der Schwarzen Staffel der epischen Wanderer-Saga.

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Lieber Dominique, möchtest du dich nicht kurz vorstellen?

Mein Name ist Dominique und ich schreibe gern. Gut, das klingt wie in einer Selbsthilfegruppe. Ich bin 38, bin ein großer Fan von Tolkien und seinen Werken und liebe allgemein die Fantasy. Über meine Familie rede ich nicht so gern, gerade in der heutigen Zeit schleifen die jungen Eltern ihre Kinder in die sozialen Netze, posten Bilder und machen ihr privates Leben gläsern. Das kann und will ich nicht. Meine Familie ist mir das sehr wichtig und heilig. Ich wohne im schönen Franken und arbeite im IT Sektor. Aber man kann mich alles fragen, nur Antworten sind nicht garantiert.

 

Foto des Fantasyautors Dominique Stalder
Dominique Stalder (Foto: privat)

Im November 2016 erschien ja Band 1 deiner Dark Fantasy-Reihe „Der Wanderer“, übrigens bereits das zweite veröffentlichte Buch der Reihe. Wie kam es, dass du dich entschieden hast, einen eigenen Prologband mit dem Titel „Die Schamanin“ zu schreiben?

Als ich mit dem Wanderer begann, wurde ich von dem österreichischen Autor Lucas Edel motiviert. Er kam damals mit der Idee einer Reihe. Die Idee des Wanderers, ohne Erinnerungen und verfolgt von Dämonen stand fest und wir wollten ein kurzes knappes eBook, was den Leser einfängt. Da war es für mich schnell klar, dass ich erklären will, wie kam das mit dem Fluch, wie ist er erwacht und was sucht er eigentlich? Aus dem knappen Buch ist mittlerweile ein eigener Band geworden und man erkennt die uralte Version kaum wieder, oder?

 

Du bewegst dich mit der Reihe ja in einer sehr düsteren Welt, wie kam es dazu? Bist du ein Fan von Dark Fantasy? Und was reizt dich an diesem Genre?

Ich mag nicht nur Dark Fantasy, ebenso mag ich High und Epic Fantasy, oder auch gewisse Urban Fantasy Werke. Aber ja, die Welt ist düster. Diese Geschichte entstand, nachdem ich „Nebularion“ auf Wattpad beendet hatte. Ich fühlte mich leer, so richtig leer und wollte diese Leere transferieren. Mich reizte auch schnell der Gedanke eines Helden, der eigentlich kein Held ist, der am besten selbst nicht weiß, wer er ist. Meine Stimmung war damit ideal für eine dunkle Welt. Ich mag es kleine Horrorelemente einzubauen und nicht unbedingt darauf achten zu müssen, ob ich zu detailliert werde. Wenn in finsteren Zeiten auf dem Schlachtfeld gekämpft wurde, war das kein Zuckerschlecken, es waren Massaker. Wenn die Sieger die Frauen der Besiegten schändeten, war das Vergewaltigung. Mein Bestreben war immer, diese Ereignisse auch passend darzustellen und sie dabei nicht zu glorifizieren.

 

Dein Wanderer ist ja ein Mann ohne Gedächtnis: Vor welche Herausforderungen hat dich diese Figur beim Schreiben gestellt? Oder gab es für dich keine Herausforderungen mit dem Handicap des Wanderers?

Ganz ehrlich… zu Beginn habe ich mir kaum Gedanken darüber gemacht. Für mich war er ja von Beginn an mit einer Vergangenheit versehen, die eben nur der Leser und er selbst nicht kannten. Das Schwierige ist zu entscheiden, was weiß er und was nicht. Kann er kochen? Warum kann er das? Kann er essbare von nicht essbaren Früchten unterscheiden? Aber das sind nur „Kleinigkeiten“. In meiner ersten Version der Schamanin war er gegenüber Drakatia sehr schüchtern, beinahe devot. Für mich war das logisch zu dem Zeitpunkt, es gab aber viel berechtigte Kritik. Es ist nicht leicht die Mitte zu finden, zwischen nötigen Realismus und Identifikationsfigur. Besonders im nächsten Band wird es hier ganz neue Seiten geben, die mich schon fordern.

 

Im Prolog hieß der Wanderer Haric, im ersten Band nimmt er den Namen Tulan an. Da ich Namen ja faszinierend finde, wie du weißt, rätsele ich natürlich, was du mit den unterschiedlichen Namen verbindest und ob es im 2. Band wieder einen Namenswechsel – und damit möglicherweise auch eine größere Veränderung – des Wanderers geben wird?

Die Frage war gleich zu Beginn da. Wie nennt man einen Namenlosen? „Der Wanderer“? „Der Namenlose“? Besonders im Prolog nutze ich solche Umschreibungen, bis er seinen Namen von Drakatia erhält. Ganz im Ursprung sollte er in jedem Band einen neuen Namen benutzen, wobei ich aktuell eher dafür bin, es so zu gestalten, dass es sich entwickelt. Nach dem Prolog sich noch Haric zu nennen, wäre falsch gewesen. Drakatia nahm ihm Myrael und obwohl die beiden ja über Händchenhalten nicht hinaus kamen, sind die Gefühle sehr wohl echt und stark. Da war es natürlich, dass er sich einen neuen Namen gibt. Wer den Band „Die Schwarzen Klippen“ aufmerksam gelesen hat, wird sicher auch eine Vermutung haben, wie es in „Der Schwarze Tempel“ mit seinem Namen weiter geht. Es ist für mich keine Änderung von ihm, aber ein Symbol für seine Suche nach sich selbst. Eine Chance vertan, ergo die nächste.

 

Was mich bei anderen Autoren ja immer interessiert: Wie und wann bist du zum Schreiben gekommen? Gibt es einen speziellen Moment, als du dich entschieden hast: „Jetzt schreibe ich“?

Buchcover mit nacktem Mann vor nächtlichem Meer
Damit fing alles an: Das erste Cover der Ursprungsversion des Wanderers

Einen einzigen Moment hatte ich nicht. Ich las Bücher und schrieb dann einfach mal drauf los. Das war wenig kreativ, um ehrlich zu sein. Meine Deutschlehrerin war vielleicht ein Punkt. Sie  reichte mir meine Klausur oft mit dem Spruch: „Sie haben so eine unterhaltsame Art zu schreiben, nur leider am Thema vorbei.“ Sie versuchte mir auch zu helfen, die engen Analyseschemen einzuhalten und gleichzeitig vermittelte sie mir Wettbewerbe, die ich nie gewann. Aber das Interesse war geweckt.

Mit dem doch recht analytischem Studium der Technomathematik begannen meine Ideen für „Nebularion“ und als Entspannung werkelte ich an diesem Werk. Nun gut, ein paar Jahre habe ich gebraucht. Bis dahin war es aber ein Hobby mit dem Traum vielleicht mal ein Buch in der Hand zu halten gepaart mit ständigen Zweifeln. Dann kam der auch der sehr gut bekannte #erzaehlesuns Wettbewerb. Ich habe damals lange gezögert und als ich dann hörte, dass sie Wildcards vergaben und die Sieger am Ende durch eine Jury ermittelt wurden, hab ich es versucht. Die Wildcard war dann für mich die letzte Bestätigung, das ganze mal ernsthaft zu versuchen.

 

Du bist ja nicht nur auf dem Gebiet der Dark Fantasy unterwegs. Magst du uns verraten, welche Genres du sonst noch schreibst und wie die Titel heißen?

Was ist, wenn ich nun Nein sage? Aber Scherz beiseite. Da wäre ein Science-Fiction Geschichte, die ich aktuell „Alastor“ nenne. Wobei ich den SF Teil noch als gemäßigt ansehe. Dann überarbeite ich „Nebularion“, welches eindeutig High-Fantasy ist. Das sind so die aktuellen Projekte, an denen ich auch wirklich arbeite. Ideen sind viele da, ich möchte gern einen Thriller schreiben, hier plane ich bereits etwas, für einen historischen Roman habe ich Ideen gesammelt und da wäre noch eine Steampunk Idee. Aber ich musste lernen, nicht zu viel auf einmal zu machen.

 

Schwere Frage: Aber was reizt dich an einer Geschichte? Die Idee? Die Welt? Die Figuren? Der Plot? Wann greifst du zur Tastatur und beginnst zu tippen, weil du die Geschichte unbedingt aufschreiben musst? Was muss eine Geschichte für dich haben?

Magisch wirkendes, türkis-schwarzes Cover mit 1 Mann und zwei FrauenEs beginnt stets mit einer Idee. Da muss ein Gefühl sein, aus dem alles keimt und wächst wie eine Pflanze. Die Idee kann aber auch die Welt sein. Dieser Funke muss da sein, dann fließt es. Die Welt baut sich vor mir auf, die Figuren, die Städte. Wenn dann der Plot steht, bin ich glücklich und freue mich in die Tasten zu hauen. Eine Geschichte braucht eine gewisse Logik, sie muss stimmig sein und ein sie muss ein Finale hervorbringen, das einem den Hut vom Kopf haut.

 

Wenn es dich in eine Geschichte verschlagen würde: In welchem Buch würdest du gerne landen? Und in welche Welt würdest du auf keinen Fall reisen wollen? Und warum?

Jeder, der mich kennt wird es ohnehin wissen. Ich glaube, dass ich sehr gern im richtigen Zeitalter in Mittelerde landen wollte. Vielleicht nicht direkt zur Zeit des Ringkrieges. Vielleicht im vierten Zeitalter, oder früher, als Moria noch von den Zwergen beherrscht wurde. Gern hätte ich auch Dol Amroth oder Tharbad besucht und natürlich Minas Tirith. Ich gerade ins Schwärmen, verzeih.

Die Frage, wohin auf keinen Fall, ist nicht so leicht. Im Grunde gibt es in jedem Buch, in jeder Welt, etwas, was mir zusagt. Aber so würde ich wohl die Welt von Star Trek wählen. Das ist nicht meines. Dieses pseudoreale und dann gefällt mir auch die soziale Struktur da nicht.

 

Stell dir vor, du würdest dich für einen Tag in einen Elfen verwandeln: Wie würdest du reagieren?

Selbstmord begehen? In Depression verfallen oder den gesamten Tag heulen. Ich tue mich schwer, mich als Elf vorzustellen. Vielleicht würde ich eine Mottoparty organisieren. „ZwergenParty“ oder so. Den Tag dann damit verbringen Bier und Fleisch zu besorgen oder künstliche Bärte zu basteln. Das könnte lustig werden, wenn ich es mir so recht überlege.

 

Ich weiß, du schreibst gerne bei Musik … Könntest du dir vorstellen, auch ohne Musik zu schreiben? Oder gehört Musik zu deinen Schreibritualen, die du unbedingt brauchst?

Es fällt mir deutlich leichter mit Musik, auch wenn ich auch ohne schreiben kann. Musik ist Emotion und die richtige Gefühle wecken Bilder, die ich nur noch beschreiben muss.

 

Gibt es ein Genre oder ein Thema, das du noch nicht geschrieben hast, das dich aber sehr reizen würde? Falls ja, was ist das?

Viel zu viele. Das Thema Vampir und Werwölfe ist mir durch „Twilight“ in eine falsche Richtung abgedriftet, das wäre ein Thema, was mich reizt. Und dann auch ganz ehrlich … etwas Erotik. Da mit Grenzen zu spielen würde mich ebenfalls sehr reizen.

 

Kannst du uns verraten, woran du aktuell schreibst und worauf wir uns als Nächstes aus deiner Feder freuen dürfen? 

Teilweise kann ich das. Ich schreibe bereits am nächsten Wanderer. „Der Schwarze Tempel“ wächst beinahe täglich und ich freue mich schon auf die Reaktionen. „Alastor“ und „Nebularion“ sind in der Überarbeitung und ein Projekt ist tatsächlich geheim.

 

Vielen Dank, Dominique, für deine interessanten Antworten und dass du für das Interview Zeit hattest. 🙂

Ich hoffe, euch hat mein Interview mit Dominique Stalder Spaß gemacht. Falls ihr noch mehr über ihn und seine Romane erfahren wollt, dann schaut doch mal auf seiner Website oder auf seiner Facebook-Seite vorbei.

Falls ihr mehr über die Reihe „Der Wanderer“ erfahren wollt, dann schnuppert doch mal in meine Rezensionen zu „Die Schamanin“ und „Die Schwarzen Klippen“ rein. 🙂

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