Interview mit Sandra Florean

Vor ein paar Wochen habe ich an der Leserunde zu Sandra Floreans aktuellem Roman „Die Seelenspringerin – Abgründe“ teilgenommen und da mir nach dem Lesen einige Fragen „unter den Nägeln brannten“, bin ich sehr froh, dass Sandra trotz ihres vollen Terminkalenders die Zeit gefunden hat, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Doch zunächst möchte ich euch kurz ihren Roman vorstellen und anschließend wünsche ich euch viel Spaß mit dem Interview mit Sandra Florean. 😀

 

Buchcover zu "Die Seelenspringerin" mit junger blonder Frau vor dunkelrotem HintergrundKlappentext:

Nicht unsere Worte machen uns zu besseren Menschen, sondern unsere Taten

Tess verfügt über die unkontrollierbare Gabe, in das Bewusstsein übernatürlicher Wesen zu springen. Ein Albtraum für die junge Frau, da sie dabei Zeuge von Gewaltverbrechen wird, die sie jedoch nie verhindern kann. Mit einem Mal häufen sich die Sprünge und Tess ahnt, dass das kein Zufall sein kann. Sie vertraut sich dem Polizisten Jim an und hilft ihm schließlich bei der Aufklärung der Morde. Dadurch begibt sie sich so tief in die Welt der Übernatürlichen, dass sogar der Vampirgebieter Octavian auf sie und ihre Kräfte aufmerksam wird …

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Porträt der Fantasyautorin Sandra Florean
Sandra Florean (Foto: privat)

Liebe Sandra, möchtest du dich nicht kurz vorstellen?

Hi Nicole, gern. Ich bin Phantastik-Autorin aus Norddeutschland und die mit dem ganzen Blut. Meine Lieblinge sind Vampire, mittlerweile sind aber dank Tess noch viele andere Kreaturen dazu gekommen. Ich bin gebürtige Kielerin, lebe jetzt in einer kleinen Stadt in der Nähe, bin verheiratet, habe zwei Kinder und gehe ganz nebenbei noch halbtags in der Verwaltung arbeiten. Lange Zeit war ich als Kostümschneiderin selbstständig, aber das schaff ich nun nicht mehr und manchmal ist es auch Zeit, neue Wege zu gehen …

 

Ich habe ja von dir den ersten Band der Reihe „Die Seelenspringerin – Abgründe“ gelesen und war ganz fasziniert von der Gabe der Protagonistin Tess, die in andere hineinspringen und für kurze Zeit deren Körper übernehmen kann. Da bin ich natürlich neugierig: Wie kamst du auf diese ungewöhnliche Idee?

Ich wollte eine Welt erschaffen, in der es alle Kreaturen gibt, die wir nur aus Büchern kennen. Und nach meinem mächtigen Vampir Dorian und meiner Superheldin Alex eine Figur, die ganz normal ist. So wie Du und ich quasi. Mit ganz normalen Problemen, aber irgendetwas Besonderes musste ja doch an ihr sein, um die Geschichte in Gang zu bringen. Und so kam mir dann die Idee des Seelenspringens.

 

Es gibt ja unzählige bekannte phantastische Wesen: Was reizt dich an den Vampiren und Gestaltwandlern, die im Roman eine große Rolle spielen?

An Vampiren mag ich vor allem das Mystische, das ihnen trotz allem immer noch anhaftet. Natürlich auch den erotischen Aspekt – meine Bücher sind ja fast alle für Erwachsene mit „Aktion“ für Erwachsene. Viele Vampire verfügen über Fähigkeiten, sind sehr alt und haben deshalb unfassbar viel erlebt. Als historischer Reenactor wünscht man sich immer Zeitzeugen als zuverlässige Quelle. Vampire wären die perfekten Kandidaten.

Sandra Florean mit einem Bücherstand bei einer Veranstaltung
Foto: privat

 

Ich habe mich beim Lesen häufig gefragt, wie ich an Tess‘ Stelle handeln würde, wenn ich ihre Gabe hätte. Doch viel interessanter finde ich die Frage: Was würdest du tun, wenn du für einen Tag Tess‘ Gabe hättest?

Gute Frage. Ich hab mich ja vor allem in Tess hineinversetzt, die ein vollkommen anderen Lebensweg eingeschlagen hat als ich. Dennoch steckt ja in jeder Figur ein Stück von mir, deshalb würde ich da vermutlich auch eher pragmatisch mit umgehen und, wie Tess auch, versuchen, sie zu etwas Gutem zu machen. Ich meine, damit hätte man die Chance, zumindest im Kleinen etwas Gutes zu tun, nicht wahr?

Oder würdest du lieber mit einer der anderen Figuren im Roman den Platz tauschen? Und falls ja, mit welcher und warum?

Hehe, also, wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre ich natürlich am liebsten Octavian. 1. weil er ein Vampir ist, 2. weil er wirklich mächtig ist und 3. weil ich weiß, wie es weitergeht

Tolle Antwort. Jetzt will ich es auch wissen. 😀 

 

Deine Reihe „Die Seelenspringerin“ vermischt ja Fantasy im Hier und Jetzt, Krimi und Erotik. Wie entstand diese ungewöhnliche Genre-Mischung?

Bis auf den Krimi enthalten alle meine Bücher alle diesen Genre-Mix. Ich mag mich ungern in eine Schublade drängen lassen und passe auch privat nirgends und überall rein. Deshalb gibt es in meinen Büchern immer von allem etwas: Liebe, Herzschmerz, Erotik ebenso wie Action, Spannung, Blut oder zwischenmenschliche Probleme und Gedanken über Gott und Werte und das Dasein an sich.

 

Sandra Florean präsentiert stolz ihre Romane
Foto: privat

Schreibst du gerne für eine erwachsene Zielgruppe? Oder könntest du dir vorstellen, auch mal ein Fantasybuch für Kinder zu schreiben?

Ich schreibe definitiv weiterhin für Erwachsene. Ich mag die Dinge gern beim Namen nennen und schreibe supergern auch brutale und blutige (Kampf-) Szenen. Der Gedanke, mal ein Jugendbuch zu schreiben, kommt immer mal wieder hoch, aber ich glaube, ich habe den Bezug zu den Problemen von damals einfach nicht mehr, und meine Figuren sind ja immer sehr problembehaftet. Das käme dann unter Umständen nicht authentisch rüber.

 

Deine Veröffentlichungen lassen sich ja alle dem Phantastischen zuordnen. Was gefällt dir an der Phantastik?

Ich frage mich manchmal eher, was den Leuten daran nicht gefällt. Wenn ich lese, möchte ich in andere Welten eintauchen – weg vom öden oder anstrengenden Alltag, hin zu Abenteuern und unendlichen Möglichkeiten. Das lebe ich natürlich auch beim Schreiben aus.

 

Dein erstes Buch „Mächtiges Blut – Nachtahn 1“ ist 2014 erschienen und seitdem veröffentlichst du fleißig weitere Romane und Novellen: Wie kam es, dass du mit deinen Büchern den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt hast, und seit wann schreibst du?

Ernsthaft schreiben tue ich seit 2011. Die Nachtahn-Reihe hat schließlich den Ausschlag gegeben, weitere Bücher zu veröffentlichen. Nachdem sie fertig war, zeigte ich sie erst Freunden, dann einigen Autoren. Da mir alle gut zugeredet haben, hab ich es dann auch einfach gewagt und innerhalb von zwei Wochen einen Vertrag vom Bookshouse Verlag über die gesamte Reihe auf dem Tisch. So kam dann eins zum anderen …

 

Sandra Florean mit einem Stapel ihrer Romane
Foto: privat

Du hast 2016 zwei Bücher – unter anderem „Die Seelenspringerin – Abgründe“ – und drei Novellen veröffentlicht, das ist eine ganze Menge, zumal du ja auch noch einen Brotjob hast: Wie schaffst du das alles?

Darüber wundere ich mich auch manchmal. Letztes Jahr war echt extrem, das schaffe ich dieses Jahr sicherlich nicht mehr, denn es rächt sich zwischendurch. Manchmal bin ich so erschöpft, dass ich dann alles von mir schiebe und mich tatsächlich mal einen ganzen Tag schlafen lege. Da bin ich sehr froh, dass mein Mann mich so gut unterstützt und mir die Ruhe dann auch lässt. Ansonsten arbeite ich sehr strukturiert und bereite mich sehr gut auf meine Projekte vor. Der PC ist immer an, wenn ich also zwischendurch mal ein paar Minuten Luft habe, weil sich die Kids allein beschäftigen, kann ich sofort arbeiten. Dafür bleibt dann aber die Hausarbeit liegen und man sollte mich besser nicht spontan mit einem Besuch überraschen.

 

Du schreibst aber nicht nur fleißig Bücher, sondern bist auch ansonsten als Autorin sehr aktiv: Herausgeberin der Einhorn-Anthologie für den Talawah Verlag, die Aktion #MutzurNische, Buchmessen, Unicon Kiel, um nur mal ein paar zu nennen. Was gefällt dir abgesehen vom Schreiben am Autorendasein? Und hast du ein Herzensprojekt?

Mit meiner Schneiderei war ich bereits auf vielen Mittelaltermärkten unterwegs und hab dieses Zusammenkommen Gleichgesinnter wirklich sehr genossen und dadurch so viele tolle und interessante Menschen kennengelernt. Mit dem Autorendasein ist es nichts anderes. Ich bin zwar so ein Eigenbrödler, aber ich mag gern Dinge bewegen und in Gang bringen und natürlich, mich mit anderen austauschen, die genauso crazy sind wie ich.

Herzensprojekt? Alle! Ich liebe alle meine Projekte und jedes Jahr wachsen mir neue ans Herz. Erst meine Nachtahne, die hier im Haus überall präsent sind, dann natürlich Tess, weil ich so viel um sie herum aufgebaut habe, dass ich einfach immer weiterschreiben könnte, und dann natürlich „The U-Files. Die Einhorn Akten“. Da ist aus einer Schnapsidee etwas richtig, richtig Tolles geworden und ich bin echt gespannt, was die Leser dazu sagen.

 

bläuliches Buchcover mit orangem Herz-JuwelDu bist ja nicht nur Autorin, sondern auch Leserin. Welches Buch hat dich da als Letztes so richtig vom Hocker gehauen und worum geht es dort?

Puh, schwierig. Ich hab in letzter Zeit sehr viel gelesen und auch sehr viele gute Bücher. „Dunkelherz“ von Sarah Nisse hat mich z.B. nachhaltig beeindruckt, weil es so voller Lustbarkeiten für die Sinne war. Absolut fesselnd war „Dark Wood“ von Thomas Finn – rasant, tolle Idee, großartiges Ende! Am meisten gelacht hab ich vermutlich über die Dialoge zwischen Rose und Declan im ersten Band von „Land der Schatten“ von Ilona Andrews (ihre „Stadt der Finsternis“-Reihe fand ich schon zum Niederknien!). Meines Jahreshighlight 2016 war definitiv „No heartbeat before coffee“ – super Geschichte, toll umgesetzt, aber viel zu kurz!!! (ich hoffe, Maria M. Lacroix liest das, denn das Buch hätte definitiv viiiiiel länger sein können)

Tolle Buchtipps!

Ilona Andrews lese ich auch sehr gerne. Ich habe euch da mal meine Rezensionen zu den Reihenauftakten verlinkt.

 

Wenn jemand noch kein Buch von dir gelesen hat: Welches deiner bereits erschienenen Bücher würdest du ihm zum Einstieg empfehlen und worum geht es im Roman?

Es kommt vermutlich ein bisschen darauf an, was derjenige mag. „Die Seelenspringerin“ ist ein Mystery Thriller, in dem es durchaus brutal und blutig zugeht und der nichts für schwache Nerven ist.

„Mächtiges Blut“ hat zwar ebenfalls blutige und sehr ehrliche Passagen, allerdings auch eine schön-tragische Liebesgeschichte. Ich denke mal, das wäre wohl der beste Einstieg in meine Bücher.

 

Gibt es ein Highlight aus deinem Autorenleben, an das du besonders gerne zurückdenkst?

Ich hab schon wirklich viele Highlights erlebt. Eins davon war definitiv meine allererste Lesung zusammen mit Laurence Horn – in einem Wikingerlager. Ich werde die Gesichter der harten Wikinger nie vergessen, als ich meinen „romantisch-abenteuerlichen Vampirroman“ vorstellte! Dennoch wurde es die beste (erste) Lesung, die man sich wünschen kann, weil alle am Ende total begeistert waren.

 

Kannst du uns verraten, woran du aktuell schreibst und worauf wir uns als Nächstes aus deiner Feder freuen dürfen?

Als nächstes kommen, vermutlich sogar in der Reihenfolge: „Die Seelenspringerin – Machtspiele“, dann die Anthologie „The U-Files. Die Einhornakten“ – stammen zwar nicht aus meiner Feder, aber meine Hörner, äh, Finger hatte ich da ja doch mit im Spiel. Und im Mai „Das Erbe des Hüters“ ein romantisch-erotischer Vampirroman und weitere Veröffentlichung im Talawah Verlag.

Momentan schreibe ich am Schluss vom dritten Band von „Die Seelenspringerin“. Der trägt den Untertitel „Maskerade“ und es sind schon einige Masken gefallen. Danach werde ich mich ans endgültige Fertigstellen und Setzen meiner ersten eigenen Veröffentlichung setzen, die dann hoffentlich im Sommer erscheint. Je nachdem, wie ich es zeitlich schaffe.

Wir dürfen also gespannt sein. 😀

 

Vielen Dank liebe Sandra, für deine großartigen und spannenden Antworten. ❤

Ich hoffe, euch hat mein Interview mit Sandra Florean genauso viel Spaß gebracht wie uns. Und falls ihr neugierig geworden seid und mal reinschnuppern wollt, ob euch ihre Romane gefallen könnten, dann schaut gerne auch mal in meine Rezension zu „Die Seelenspringerin – Abgründe“ rein.

Mehr über Sandra und ihre Bücher und alle News zu ihren kommenden Projekten bekommt ihr auf ihrer Facebook-Seite und auf ihrer Website. Über einen Besuch würde sich die Kieler Autorin sicher freuen. 😀

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