Kurzrezi: Hubertus Hinse „Drudenherz – Das Erwachen der Magie“

blauschwarzes Cover mit blutiger SichelIch muss gestehen, als ich „Drudenherz – Das Erwachen der Magie“ Mitte November unangefordert vom SüdOst Verlag als Rezensionsexemplar zugeschickt bekommen habe, war ich etwas skeptisch. Das Buch entspricht auf den ersten Blick so gar nicht meinem üblichen Beuteschema und in einer Buchhandlung hätte ich nicht danach gegriffen, da das Cover mich nicht anspricht.

Dann habe ich mir den Klappentext angesehen und las als Erstes das Wort „Mythen-Thriller“.  Okay, dachte ich, es scheint doch phantastische Züge zu haben. Versuchen wir es und lassen wir uns überraschen.

Es dauerte dann noch bis zu den freien Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr, bis ich zum Lesen gekommen bin, doch nun bin ich durch und möchte euch erzählen, ob es sich gelohnt hat, mal abseits der vertrauten Gefilde zu lesen.

 

Inhalt:

Hias vom Ordnungsamt Nittendorf wird auf den Rosnerhof der Jungbäuerin Franziska gerufen. Dort wurden die Hühner gerissen, doch irgendetwas an dem Fall ist merkwürdig und lässt ihn vermuten, dass es kein Fuchs oder ein anderes Raubtier war. Doch wer könnte es auf die Tiere oder auf die Jungbäuerin abgesehen haben?

Als Hias Franziskas seltsamer Freundin Rosalie und dem geheimnisvollen Maximilian Feilenhauer begegnet, beginnen seltsame Dinge um ihn herum zu geschehen: unnatürlicher Wind, Schatten, kleine Gestalten, die durch die Gegend huschen, Geister aus dem Wasser … Kann es sein, dass seine Tanten recht hatten und dass es die Sagengestalten seiner Kindheit – Bilmesschnitter, Moosleute, Druden und mehr – tatsächlich gibt?

 

Meine Meinung zu „Drudenherz“:

Die Geschichte ist im ländlichen Bayern, genauer in Nittendorf in der Nähe von Regensburg, angesiedelt. Das wusste ich zum Glück schon vorher, denn in der Geschichte wird die nächstgrößere Stadt erst recht spät genannt und wenn man sich – wie ich – in Bayern nicht so gut auskennt (ich habe zwar fünf Jahre in Franken gewohnt, aber ohne Auto fehlt mir die Ortskenntnis der gebürtigen Bayern), dann sagt einem der Ort ohne Google nichts.

Der Einstieg in die Geschichte war für mich daher einerseits spannend – es passieren schon auf den ersten Seiten merkwürdige Vorfälle -,  andererseits aber hatte ich auch den Eindruck, dass mir der persönliche Bezug teilweise fehlte, wodurch sich das Gefühl, nicht zu den Eingeweihten zu gehören, mit der Zeit bei mir festigte. Manches Wissen wurde vorausgesetzt wie über Nittendorf oder die Aufgaben des Ordnungsamts.

Dass Hias zum Ordnungsamt gehört und nicht zur Polizei, wurde mir im Laufe der Handlung irgendwann klar, dennoch empfand ich es schwierig, es richtig einzuordnen, da auf die Figuren und besonders auch auf die Hauptfigur Hias mir nicht ausreichend eingegangen wurde. Teilweise ist es Absicht, denn die Geheimnisse von einigen Figuren werden im Laufe der Geschichte nach und nach sowie in Rückblicken enthüllt, dennoch hätte ich mir mehr Infos zu Hias‘ beruflichen und privaten Hintergrund gewünscht.

Kommen wir zu den Mythen und Sagen: Zum Glück wurde hier ein wenig mehr auf den ahnungslosen Leser eingegangen und einiges erklärt. Zusammen mit dem Protagonisten Hias erfahren wir Leser, worum es sich bei den merkwürdigen Vorfällen und seltsamen Wesen handelt. Besonders die Moosleute – kleine dienstbare Wesen und arme Seelen, die Abbitte leisten müssen, wenn auch teilweise etwas frech -, haben mir gefallen. Besonders niedlich fand ich es, als der Moosmann zum ersten Mal Auto fährt und staunt.

Der Wind entpuppte sich dann als Holzhetzer, der Jagd auf die armen Seelen bzw. Moosleute macht. Andere übernatürliche Wesen waren jedoch nicht so leicht als solche zu erkennen wie die Drude, ein verfluchte, zerrissene Seele, die verschiedene Gestalt annehmen kann, ewig lebt und verdammt ist, Menschen zu Tode zu drücken. Hierbei handelt es sich um Menschen, die einmal gelebt haben und bei denen die Taufe schiefgelaufen ist. Irgendwie eine gruselige Vorstellung.

Was ein Bilmesschnitter, eine Klagemutter oder ein Feilenhauer sind, will ich hier nicht erklären – das könnt ihr bei Interesse selbst nachlesen, aber dieser Aspekt des Romans hat mir gut gefallen. Statt regionalem Krimi erinnerte mich das an regionale Fantasy und die lokalen Mythen und Sagen empfand ich als willkommene Abwechslung zu den bereits bekannten Vampiren, Werwölfen und Co.

Im Laufe des Buchs kommen jedoch nicht nur kurze erklärende Passagen vor, sondern auch längere Rückblicke, zum Beispiel ins Pestjahr 1632 und ins 18. Jahrhundert, bei denen ich mich manchmal gefragt habe, wohin uns diese Rückblicke führen sollen. Ich empfand manche der Rückblicke als zu lang beziehungsweise als zu ausschweifend und nicht genug aussagekräftig. Hier hätte ich mir teilweise eine Straffung gewünscht, denn die wichtigen Informationen, die der Leser aus den Einblicken in die Vergangenheit der übernatürlichen Wesen ziehen sollte, kamen später in der Gegenwart in Form von eingestreuten Informationen. Die Rückblicke schienen mir nur als atmosphärische Eindrücke für die Leser zu fungieren und wenig handlungsrelevant zu sein. Dadurch vermisste ich hier manchmal den roten Faden, auch schienen mir die Rückblicke im Verhältnis zur Haupthandlung mit Hias, um die es für mich als Leserin ging und die ich spannend fand, zu viel Raum einzunehmen.

Fazit:

„Drudenherz – Das Erwachen der Magie“ ist eine lesenswerte Exkursion in die regionalen Mythen Bayerns und eine spannende Geschichte, die mich persönlich jedoch nicht ganz packen konnte. Einige Elemente wie die Mythen fand ich sehr gelungen und interessant, statt der langen Rückblicke hätte ich mir mehr Einblicke und Hintergrundinformationen über Hias und Nittendorf gewünscht, da ich ein wenig den Eindruck hatte, dass die Figurenvorstellung ein wenig zu kurz kam und ich als Nicht-Ortskundige vom Autor als potentielle Leserin zu wenig berücksichtigt wurde.

Daher insgesamt eine interessante und ungewöhnliche regionale Fantasygeschichte – Rural Fantasy – mit ein paar Schwächen. Erwachsene Leser, die sich für regionale Mythen und Sagen Bayerns, Krimis und Fantasy interessieren, werden dennoch ihre Freude an dem Roman haben.

Das Buch:

blauschwarzes Cover mit blutiger Sichel272 Seiten

Paperback

Oktober 2017

SüdOst Verlag (Battenberg Gietl Verlag)

Preis: 14,90 € (D)

ISBN: 978-3-86646-795-8

 

Vielen Dank an den SüdOstVerlag / Battenberg Gietl Verlag für das Rezensionsexemplar!

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