Kurzrezi: Sarah Adler „Rabenaas: Wie man die Schatten fängt“

Nachdem ich durch Zufall 2016 auf ihren Debütroman „Knochenjob!“ aufmerksam wurde und von dem skurrilen Fantasyroman um Tod, der keine Lust mehr auf seinen Job hat, ganz begeistert war, war ich 2017 ganz gespannt auf ihren nächsten Roman „Rabenaas: Wie man die Schatten fängt“.

Nachdem ich in dem Jahr jedoch leider nicht dazu gekommen bin, ihn auch zu lesen, habe ich ihn auf meine SUB-Abbau-Challenge „18 für 2018“ gesetzt, der ich mich seit Jahresanfang fleißig widme.

 

Inhalt:

Buchcover zu "Rabenaas" mit Vogelschädeln und FedernDie Banshee Fionagh und die Hexe Mirembe schließen sich dem zwielichtigen Kopfgeldjäger Carl an. Zusammen mit der Seuchenbringerin Geist, der Vampirin Jamie, dem Wer-Stier Alesander und dem Anti-Sphinx Sia sowie dem menschlichen Köder Nix bilden sie bald die neueste und vielleicht ungewöhnlichste Kopfgeldjäger-Truppe des Universums.

Doch derjenige, dem sie von Planet zu Planet hinterherjagen, derjenige, auf den ein riesiges Kopfgeld ausgesetzt ist, ist selbst alles andere als gewöhnlich: Corax, das sogenannte Rabenaas, ein Rabenmensch, berüchtigter Dieb und Mörder …

 

Meine Meinung:

Sarah Adler hat ein Faible für ungewöhnliche Erzählweisen und skurrile Figuren. Wie bereits bei „Knochenjob!“ – beides sind übrigens Einzelbände – scheinen die Leser von „Rabenaas“ in zwei Lager gespalten zu sein: Entweder sie lieben die Geschichte oder sie können mit ihr gar nichts anfangen.

Wenn ihr also eine Mainstream-Fantasygeschichte sucht, dann würde ich euch von Sarah Adlers Romanen eher abraten. Solltet ihr allerdings bereit sein, euch auf etwas Neues, Ungewöhnliches und Phantastisches einzulassen, dann herzlich willkommen.

Auch ich wurde beim Lesen von „Rabenaas: Wie man die Schatten fängt“ überrascht. Die Geschichte ist ganz anders erzählt als ihr erster Roman „Knochenjob!“. Nach und nach lernen wir Leser die verschiedenen Figuren kennen. Dabei folgt jedes Kapitel einer anderen Perspektivfigur: Fionagh, Mirembe, Carl, Geist, Nix, Sia, Jamie und Alesander. Zusätzlich werden die meisten Kapitel mit einem Corax-Schnipsel eingeleitet.

Stellen wir die Figuren daher doch zunächst einmal vor.

Fionagh Fanshawe ist eine Banshee. Sie hat Todesahnungen und kann spüren, wenn eine Person, mit der sie Kontakt hatte, sterben wird, doch sie weiß vorher nie, wen es treffen wird. Wie eine typische Banshee kann sie auch einen schrillen Schrei ausstoßen, der als Waffe dient – oder einfach nur Dinge zerbrechen lässt. Sie sieht vieles pessimistisch und agiert eher vorsichtig.

Die Hexe Mirembe Freitag ist seit acht Jahren Fionaghs beste Freundin und Partnerin bei ihrer Privatdetektei. Sie hat einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik und lässt sich schnell begeistern und von nichts so schnell ins Bockshorn jagen.

Carl ist ein langsam in die Jahre kommender Kopfgeldjäger, der sich wie ein Cowboy kleidet und es sich in den Kopf gesetzt hat, unbedingt Corax zu erwischen, koste es, was es wolle. Er kann ziemlich skrupellos sein, aber auch charmant, wenn es ihm in den Kram passt. In seinen Methoden ist er etwas altertümlich, moderne Technik ist weniger seins.

Geist sieht aus wie ein junges Mädchen, doch der äußere Schein täuscht. Sie ist eine uralte Seuchenbringerin, die jede Krankheit und Seuche des Universums mit ihrer Magie beschwören kann. Eher grantelig veranlagt versucht sie als Ausbilderin die anderen zu einer schlagkräftigen Truppe zu formen.

Nix ist ein menschliches pickliges Teenager-Mädchen und nicht besonders schlau. Für sie ist das Ganze ein einziges riesiges, aufregendes Abenteuer.  Als Kämpferin ist sie nicht besonders geschickt, dafür ist ihre unschuldig-naive Art ideal für ihre Position als Köder in der Truppe.

Die Vampirin Jamie ist mehrere Jahrhundert alt und eine Abstinenzlerin. Ihre Gabe, etwas auszusaugen, setzt sie als Hackerin ein. Sie gehört zu den begabtesten Kämpfern in der Truppe. Sie hat eine besondere Schwäche für Alesander, den sie als eine Art Ziehsohn betrachtet.

Alesander hat kein leichtes Leben als Wer-Stier. Er versucht Vollmonde zu vermeiden, in denen er zum Stier wird und wütet. Die Einzige, die dann keine Angst vor ihm hat, ist Jamie. Ansonsten ist er ein eher schüchterner, kleiner Mann und ein äußerst begabter Fälscher.

Der Achte in der Runde ist Prinz Sia Allkind. Als Anti-Sphinx ist er sehr groß und überragt seine Kameraden. Er besitzt den Körper eines Menschen und den Kopf eines Löwen.

Und dann ist da noch Corax, genannt das Rabenaas. Er ist mehr als siebenhundert Jahre alt und ein Gen-Experiment, das schiefgegangen ist. Seitdem zieht er durchs Universum und hinterlässt eine Spur des Chaos. Als Rabenmensch kann er nicht sprechen, sondern er kommuniziert, indem er anderen Gedanken ins Gehirn pflanzt. Wie ein echter Rabe liebt er glänzende Dinge und hat sich als berüchtigter Dieb und Mörder einen Namen gemacht. Auf ihn ist ein hohes Kopfgeld ausgesetzt hat.

Doch so einfach ist es natürlich nicht. Im Laufe der Geschichte werden die Hintergründe und Geheimnisse der acht Verbündeten wie ein Puzzle zusammengesetzt, während sie als Truppe zusammenwachsen. Es geht um Corax, um die Jagd auf ihn, aber im Vordergrund steht die Gruppendynamik, die durch die wechselnden Perspektiven unterstrichen wird.

Ich muss gestehen, ich brauchte eine Weile (ca. 60-70 Seiten), um in die Geschichte hineinzukommen und zu erkennen, wer hier im Roman wichtig ist, was die Corax-Schnipsel damit zu tun haben und worum es eigentlich geht. Doch nach einer Weile ist man drin und es kristallisieren sich Lieblingsfiguren heraus, bei mir waren das Fionagh und Mirembe.

Der Roman ist wie ein großes Puzzle aufgebaut – als Leser bekommen wir die meisten Informationen schnipselweise. Das macht es nicht einfacher zu erkennen, worauf die Handlung hinausläuft, zumal die Geschichte vom Stil her stark an Terry Pratchett und Douglas Adams erinnert. Die Welt ist eine Mischung aus Fantasy- und Science Fiction-Universum mit einer Vielzahl von Ideen, aus absurd und phantastisch, der Humor schräg, die Figuren sehr skurril. Darauf muss man sich als Leser einlassen können, was nicht jedem gelingt.

Wem würde ich „Rabenaas“ also empfehlen? Klar, Fans von Terry Pratchett und Douglas Adams und allen anderen Lesern, die es ungewöhnlich und skurril mögen. Schaut am besten mal in die Leseprobe rein, ob euch die Geschichte zusagt.

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