Anja Ukpai „Rabenherz“

Inhaltsangabe:

Blauschwarzes Buchcover mit Mädchen und Raben vor einem nächtlichen HimmelJugendbuchdunkles SchicksalModerne WeltDie sechzehnjährige June fiebert dem Beginn des neuen Schuljahres entgegen. Wird sie wieder ein Stipendium für die renommierte Privatschule Saint Gilberts für ihre letzten beiden Oberstufen-Jahre erhalten?

Von der mysteriösen, auf Geheimniskrämerei bedachten Wise-Fellows-Stiftung, unter der Leitung des Earls of Gilligan bekommt June jedoch nicht nur eine unerwartete Einladung und die erhoffe Zusage, sondern auch eine Warnung. Als Stipendiatin drohe ihr in Saint Gilberts Gefahr. Die Stiftung habe daher einen anderen Stipendiaten zu ihrem Schutz nach Saint Gilberts versetzt. Auch Junes Tante Phoebe erkennt in ihren Visionen und ihren Orakelkeksen Gefahren für sie, wenn sie auf ihre geliebte Schule zurückkehrt.

Doch Junes Sorge ist schnell vergessen, als sie die drei attraktiven neuen Schüler ihrer Klasse kennen lernt. Doch wer von ihnen ist der andere Stipendiat? Der zurückhaltende Rodney Owen mit den schwarzen Wuschelhaaren und den schwarzen Augen? Der intelligente blonde Liam Moose mit den leuchtend blauen Augen? Oder der charmante Jacob Morris mit den hellbraunen Haaren und meergrünen Augen?

Als der neue Literaturlehrer Mr Winston jedoch nach dem Fund einer alten Schrift den Geheimnissen von Saint Gilberts, dem Mortlock Park und den verschwundenen Schülern der letzten Jahrhunderte auf die Spur gehen will, setzt das eine Reihe merkwürdiger Ereignisse in Gang.

Meine Meinung zu „Rabenherz“:

Als vor 2-3 Wochen überraschende Post aus dem Thienemann-Esslinger Verlag zu mir nach Hause kam, habe ich mich sehr gefreut. Nicht nur ein Rezensionsexemplar mit einem tollen, geheimnisvollen Cover mit düster-unheimlicher Atmosphäre, sondern auch ein Brief und eine kleine Schachtel mit Orakelkeksen kamen im Paket zum Vorschein. Mission gelungen: Ich war plötzlich unheimlich neugierig, was es wohl mit dem Roman, den Raben, den Orakelkeksen und der Schule auf sich hat.

das Buch "Rabenherz", Brief und Schachtel Orakelkekse

Worum geht es im Roman?

Im Buch geht es um ein auserwähltes Mädchen, ein altes Geheimnis, eine verfluchte Schule, Raben und um den ganz normalen Schulalltag zwischen Unterricht und Jungs einer 16-jährigen.

Die Hauptfiguren:

Protagonistin von „Rabenherz“ ist die sechzehnjährige June, die eigentlich Juniper Adams heißt. Sie geht seit fünf Jahren auf die noble Privatschule Saint Gilberts. Eigentlich muss sie darüber Stillschweigen bewahren, dass sie von der Wise-Fellows-Stiftung ein Stipendium hat und darüber hinaus auch die Jahrgangsbeste ist, doch sie hat auch ihren Vater Tom, ihre Tante Phoebe, ihre jüngere Schwester Maggie und ihre beste Freundin Emma in ihr Geheimnis eingeweiht.

June wurmt es, dass offiziell ausgerechnet die hochmütige, selbstverliebte Rachel als Jahrgangsbeste gilt, die zudem bei jeder Gelegenheit versucht, sie schlecht dastehen zu lassen. Was mich gewundert hat, ist, dass sie Rachel nie gesagt hat, dass sie eigentlich die Jahrgangsbeste ist, denn im Grunde kann June kein Geheimnis für sich behalten, noch nicht einmal wenn es bedeutet, das Stipendium für ihre heißgeliebte Schule zu verlieren oder sich in Gefahr zu begeben. Alles wird brühwarm an ihre beste Freundin Emma weitererzählt. Dass sie dann ausgerechnet der Person, in die sie sich verliebt, nichts erzählt, kam mir da sehr unwahrscheinlich vor.

Die Bedrohung für ihr Leben nimmt June überhaupt nicht ernst. Dafür dass June angeblich so klug ist, hat man den Eindruck, dass sie nicht ein einziges Mal an die Konsequenzen ihres Tuns denkt, geschweige denn an mögliche Gefahren für ihr Leben. Überhaupt tut sie im Roman so, als würden die Warnungen der Stiftung oder die Visionen und Prophezeiungen der Tante sie überhaupt nicht betreffen. Weder versucht sie, aktiv herauszufinden, wer der andere Stipendiat ist, der sie beschützen soll, noch versucht sie, die angebliche Bedrohung, über die ihr nichts erzählt wird, zu ergründen. Sie ist zwar neugierig, glaubt, herausgefunden zu haben, wer der Stipendiat ist, aber alles in allem, vermittelt June den Eindruck, ein sorgloser Teenager zu sein, dem die Rivalität mit Rachel und ihre Gefühle für ihren Schwarm am wichtigsten sind.

Emma ist Junes beste Freundin. Sie stammt aus einer steinreichen Landadels-Familie aus Deutschland, ist aber sehr bodenständig und fühlt sich bei June zu Hause sehr wohl. Sie glaubt auch Tante Phoebes Prophezeiungen und Orakelsprüchen.

Tante Phoebe ist übersinnlich begabt, sehr exzentrisch, hat Visionen und sorgt seit dem Tod ihrer Mutter für June und ihre Schwester Maggie. Sie führt die Buchhandlung der Familie und ist bekannt für ihre Orakelkekse, in denen sie Orakelsprüche und Buchtipps versteckt. Mit dem Leiter der Stiftung, dem Earl of Gilligan, verbindet sie eine gemeinsame Vergangenheit.

Mr Winston ist ein neuer, junger Lehrer in Saint Gilberts. Er ist neugierig und will unbedingt das Rätsel um den legendären Fluch von Mortlock-Park aufklären. Besonders als ein Manuskript aus dem 15. Jahrhundert mit Prophezeiungen über Raben und das Ungeheuer auftaucht.

Ich werde hier nicht verraten, für welchen der drei neuen Mitschüler June schwärmt. Fest steht aber, dass die Ankunft der neuen attraktiven Mitschüler Rodney Owen, Liam Moose und Jacob Morris nicht nur das Leben von June durcheinander bringt.

Gehört das Buch zu einer Reihe?

Bislang gibt es zwar keine offizielle Info, dass „Rabenherz“ zu einer Reihe gehört, doch da der Roman nicht abgeschlossen ist, können wir ganz stark davon ausgehen, dass weitere Bände geplant sind.

Update: Es gibt eine Fortsetzung mit dem Titel „Rabenkuss“.

Wie liest sich das Buch?

Der Roman liest sich flüssig und geheimnisvoll. Dadurch dass die Geschichte aus der Ich-Perspektive von June erzählt wird, können sich jugendliche Leserinnen leicht mit ihr identifizieren. Zwischen den Kapiteln sind Tagebucheinträge des Rabenlords, der in diesem Band ohne Identität bleibt, und Zitate aus esoterischen Büchern – geschrieben von Tante Phoebes einstigem Guru – eingewoben, die Einblicke in die Legenden der Raben und der Geheimnisse der Vergangenheit geben sollen. Darüber hinaus schildern Prolog und Epilog das Verschwinden von Schülern in der Vergangenheit.

Was hat mir besonders gut am Roman gefallen?

Ich mochte die Idee mit den Orakelkeksen und dass Tante Phoebe so herrlich schrullig war. Auch die Figuren sind größtenteils sympathisch, sodass man sich als jugendliche Leserinnen gut mit ihnen – und besonders mit der Hauptfigur June – identifizieren kann.

Darüber hinaus liest sich der Roman sehr flüssig und die Einschübe, Prolog und Epilog verleihen der Geschichte etwas Mystisches und Geheimnisvolles, dem man als Leser auf den Grund gehen möchte.

Was hat mir nicht gefallen?

Leider liefert der Roman aber keine der erhofften Antworten. Was weiß die Stiftung über die Bedrohung für June? Was vermuten sie? Warum sind sie so abweisend, als Mr Winston dem Rätsel der verschwundenen Schüler und des Fluchs von Mortlock Park auf den Grund gehen will? Wer ist der Rabenlord? Wer ist der andere Stipendiat? Warum ist Tante Phoebe nicht mehr darauf bedacht, June zu beschützen, wenn sie seit Jahren Visionen von einer Gefahr hat? Warum soll ausgerechnet June die Auserwählte sein?

Es gibt noch mehr Fragen, die der Roman aufwirft, die jedoch nicht beantwortet werden. Ich muss gestehen, ich empfand die Lektüre daher als frustrierend. Als ich das Ende gelesen habe, konnte ich kaum glauben, dass es vorbei sein sollte, denn der Roman ist nicht abgeschlossen. Als Leser hat man zwar das Gefühl, dass noch (mindestens) ein weiterer Band folgen muss, aber selbst als Abschluss eines ersten Bandes fand ich das Ende sehr unbefriedigend. Für mich wirkt die Geschichte nicht rund, obwohl Prolog und Epilog mit dem Verschwinden der Schüler eine erzählerische Klammer bilden.

Das Problem ist in meinen Augen die Haupthandlung. Man hat als Leser das Gefühl,  man soll eine bestimmte Geschichte zu lesen bekommen, aber Anja Ukpai erzählt trotzdem einfach eine andere. Beziehungsweise die Hauptfigur June kümmert sich schlicht nicht darum, wovor die Stiftung und ihre Tante Phoebe sie warnen wollen, und versucht daher auch nicht, der Gefahr auf Grund zu gehen, sondern lebt einfach sorglos ihr Leben weiter. Klar, man kann sagen, dass Teenager vielleicht einfach so sind und in ihrer eigenen kleinen Welt leben.

Leider empfand ich die Erwachsenen in diesem Buch nicht wirklich reifer. Tante Phoebe ist dermaßen wankelmütig, dass nicht nur ihr Bruder ihr eine psychische Störung unterstellt. Der Earl ist leider genauso undurchsichtig und unlogisch in meinen Augen gewesen.

Was ich auch sehr seltsam fand, war zum Beispiel ein Vorfall auf der Exkursion von Mr Winston, der auf Teufel komm raus und den Schulregeln ein Schnippchen schlagend mit den Schülern bei Sonnenuntergang im verfluchten Park auf Geisterjagd gehen muss. Prompt sieht June einen Geist und fällt in Ohnmacht. Ihre Mitschüler sehen nichts, werden aber ALLE (!!!) hysterisch und laufen alle kopflos einzeln fort, aus der Sicherheit der Gruppe und dem Schutz der Erwachsenen weg. Ja, klar, sehr logisch. Sechzehnjährige sind so schreckhaft wie Sechsjährige und statt dem Mädchen zu helfen, das er mag, rennt ihr Schwarm ebenfalls so schnell wie möglich davon. 🙁

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Ich muss leider sagen, dass trotz der interessanten Ideen und spannenden Geheimnisse sowie der flüssigen Schreibweise der Roman mir insgesamt nicht gefallen hat. Mit der Hauptfigur konnte ich mich nicht identifizieren, June und die anderen Figuren verhielten sich zu häufig völlig unverständlich. Ihre Aktivitäten und teilweise Passivität waren für mich nicht nachvollziehbar oder schlichtweg unlogisch. Insgesamt liefert „Rabenherz“ mehr Fragen als Antworten, was die Lektüre für mich insgesamt unbefriedigend gemacht hat.

Wem würde ich „Rabenherz“ empfehlen?

Der Verlag empfiehlt das Buch für Mädchen ab 12 Jahren und in der Tat ist es in meinen Augen eher ein Jugendbuch als ein All Age-Fantasyroman.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Die Fortsetzung zu „Rabenherz“ ist inzwischen unter dem Titel „Rabenkuss“ erschienen. Aber ich denke, ich werde das Buch nicht mehr lesen.

Unter dem Namen Anja Wagner hat Anja Ukpai die Kinderbücher „Elin und das Schwert der Träume“, „Millie Milberry & das Teestübchen-Komplott“ und „Als Madame Minetta aus der Wanduhr fiel“ sowie weitere Bücher geschrieben. Die Bücher richten sich aber größtenteils an etwas jüngere Kinder.

Wer weitere Fantasyromane für Kinder ab 12 Jahren sucht, wird in meiner Rubrik Fantasy ab 12 fündig. Viel Spaß beim Stöbern!

Die Website von Anja Ukpai:

Mehr über die Kinder- und Jugendbuchautorin aus dem Münsterland und ihre Romane erfahrt ihr auf Anja Ukpais Facebook-Seite.

Das Buch:

Blauschwarzes Buchcover mit Mädchen und Raben vor einem nächtlichen Himmel368 Seiten

gebunden

April 2016

Planet Verlag (Thienemann-Esslinger) 

Preis: 14,99 € (D)

ISBN: 978-3-522-50492-8

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