Ann-Kathrin Karschnick „Phoenix – Tochter der Asche“

Inhaltsangabe:

Buchcover mit Engel vor verrußtem HimmelAls ein Experiment am 25. Mai 1913 fürchterlich schief ging und ein Drittel der europäischen Bevölkerung auslöschte, erfuhren die Menschen von den Saiwalo, geisterhaften Wesen, die auf einer anderen Ebene der Existenz leben. 121 Jahre später herrschen die Saiwalo, ihre Regierungsmitglieder, Geisterwächter und die Kontinentalarmee über ganz Europa, das immer noch nicht wieder aufgebaut ist.

Als Hamburg von einer schrecklichen Mordserie erschüttert wird, steht nicht nur der ehrgeizige Mordermittler Leon Mallon vor einem Rätsel, sondern auch die jahrtausendealte Phoenix Tavi. Beide besitzen Informationen, die dem anderen nützlich sein könnte. Doch um das Verbrechen zu lösen, müssten sie vergessen, dass sie vor dem Gesetz der Saiwalo auf zwei verschiedenen Seiten stehen.

Meine Meinung zu „Phoenix – Tochter der Asche“:

Kennt ihr schon die Aktion #MutzurNische? Nein? Dort geht es darum, Nischenbücher – also Bücher, die nicht unbedingt in eine Schublade passen, genreübergreifend oder aus einem unpopulären Genre und in einem Kleinverlag erschienen sind -, zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Da ich bei der Aktion mitmache und „Phoenix – Tochter der Asche“ für die zweite Aktion ausgewählt wurde, war ich auf dieses Buch mit Fantasyanteil natürlich ganz besonders gespannt.

Worum geht es im Roman?

Gar nicht so leicht zu beantworten. Der Roman spielt im Jahr 2034 und in einer alternativen Welt zu unserer, deren Geschichte jedoch ganz anders verlaufen ist, da es durch die verheerende Katastrophe u.a. nicht zum ersten Weltkrieg gekommen ist. Auch sind die technischen Entwicklungen anders. Es gibt viele Teslawaffen, das heißt, Waffen, die die Entdeckung des Nicola Tesla, den Strom, nutzen und Stromkugeln verschießen. Daneben gibt es Autos, die auf Magnetschwebebahnen fahren, Gyrokopter (bewaffnete Ein-Mann-Flugmaschinen) und unbemannte Drohnen, die ebenfalls bewaffnet sind und die die Europäer ausspionieren und die Ordnung aufrechterhalten sollen.

Das Ganz erinnert an einen Polizeistaat, nur dass hier die magischen Wesen unterdrückt werden, da sie angeblich die Schuld an dem missglückten Experiment tragen, während die Saiwalo sich anschließend als Helfer beim Wiederaufbau feiern ließen und zu den Machthabern über Europa avancierten. Da nicht alles so ist, wie es von der Propaganda dargestellt wird, geht es im Roman sowohl um den Widerstand der phantastischen Wesen, die von den Saiwalos als Seelenlose bezeichnet werden, als auch um Hexenverfolgung (und die Verfolgung anderer Wesen natürlich), aber in allererster Linie geht es um die Aufklärung eines Mords.

Zu den phantastischen Wesen zählen Hexen, die Visionen von der Zukunft haben, Phoenixe, die wiedergeborenen werden und Flügel haben, und Dämonen (die allerdings nicht im Buch vorkommen). Alle diese Wesen sind aber mal Menschen gewesen und haben sich erst nach ihrem Tod in phantastische und unsterbliche Kreaturen verwandelt. Dazu gibt es dann noch Geisterwächter, die Auren sehen und mit den Saiwalo kommunizieren können, und die geisterhaften Saiwalo selbst, die die Energie der Unsterblichkeit benötigen, wenn sie vorübergehend eine Gestalt annehmen wollen.

Daher vereint die Geschichte eine Krimihandlung, eine moderne Welt mit alternativer Historie und phantastischen Kreaturen, einen kritischen gesellschaftlichen Aspekt, Technik – da die Technik nicht fortgeschritten genug ist für Science-Fiction, wollen wir sie mal Steampunk nennen – und dazu eine Liebesgeschichte inklusive Sexszene.

Die Hauptfiguren:

Tavi heißt eigentlich Claudia Octavia und ist bereits knapp zweitausend Jahre alt. Ihr menschliches Leben verbrachte sie in Rom, doch ein Verrat hat ihr unsterbliches Leben als Phoenix geprägt. Sie misstraut nicht nur Männern und den Saiwalo, sondern auch Hexen. Daher ist sie eine Einzelgängerin. Dennoch besitzt sie auch den Drang, Menschen zu beschützen und rettet immer wieder Personen aus dem Feuer. Einer von ihren Geretteten ist ihr Ziehsohn Nathan.

Nathan ist 16 Jahre alt. Er verlor vor zehn Jahren seine Eltern in einem Feuer und lebt seitdem bei Tavi, die sein Talent als wilder Geisterwächter – das heißt außerhalb der Kontrolle der Saiwalo – fördert. Er ist manchmal ziemlich stur, doch er besitzt auch ein großes Herz.

Leon Mallon ist der Sohn einer Jägerin von Seelenlosen und Mordermittler bei der Kontinentalarmee in Hamburg. Von seiner Mutter weiß er mehr über die unsterblichen Wesen als alle anderen Sterblichen. Er ist ziemlich ehrgeizig und will unbedingt in der Kontinentalarmee weiter aufsteigen. Der Liebe und den Frauen hat er vor Jahren abgeschworen. Seitdem zählt für ihn nur, sich in den Augen seiner Vorgesetzten zu beweisen. Er besitzt geschärfte Sinne, die ihm bei seinen Ermittlungen helfen.

Katharina ist eine noch recht junge Hexe mit einer bedeutenden Gabe für empathische Visionen.

Gehört das Buch zu einer Reihe?

Ja, „Tochter der Asche“ ist der erste Band der „Phoenix“-Trilogie.

Wie liest sich das Buch?

Dadurch dass die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Tavi und von Leon erzählt wird, lernen wir beide Hauptfiguren und beide Seiten kennen. Einerseits die Regimetreuen von der Kontinentalarmee der Saiwalo und warum sie die Seelenlosen fürchten. Und andererseits Tavis Verdacht gegen die Saiwalo, denn die Ursache für die Katastrophe ist nicht so klar, wie sie immer dargestellt wird. Was genau passiert ist vor 121 Jahren bleibt in diesem Band noch ein Rätsel, aber das Puzzle, das die Autorin Ann-Kathrin Karschnick uns hier präsentiert, ist spannend, sodass man immer ein Teilchen mehr zum Gesamtbild finden und zusammenfügen möchte.

Auch die Krimihandlung und die Entwicklung der Beziehung der beiden Hauptfiguren zueinander sind (größtenteils) spannend. Es gibt ein paar Wendungen, die ich so nicht vorausgesehen habe.

Was hat mir besonders gut an „Phoenix – Tochter der Asche“ gefallen?

Ich finde die Welt sehr spannend. Eine Welt mit phantastischen Elementen und alternativer Historie ist für mich sowieso schon immer reizvoll, da die Autoren hier mit bekannten Elementen jonglieren, aber gleichzeitig auch Magie und phantastische Kreaturen logisch einbetten müssen. Auch wenn wir im 1. Band nur einen Teil der Hintergründe erfahren, fand ich das sehr gelungen umgesetzt. Besonders die Idee, dass Hexen und Co. erst einmal sterben müssen, damit sie entstehen können – auf welche Art und Weise auch immer -, fand ich klasse.

Die Phoenixe, Hexen, Geisterwächter und Co. waren in meinen Augen gut und mit einer innovativen Note gestaltet, sodass auch die bekannten Wesen für uns Leser faszinierend blieben.

Die Krimihandlung sorgte auch dafür, dass man als Leser mitgerätselt und mitgefiebert hat, wie die Fälle wohl zusammenhängen und was sie mit Tavi zu tun haben. Daher hat es mir Spaß gemacht, die Geschichte weiterzuverfolgen.

Was hat mir nicht gefallen?

Achtung: SPOILER! Im Zweifelsfall bitte überspringen und beim nächsten Abschnitt weiterlesen. Danke.

 

Sorry, aber die Liebesgeschichte zwischen Tavi und Leon fand ich leider nicht gelungen. Sie war für mich nicht nachvollziehbar. Und als es zum Sex zwischen den beiden Protagonisten kam, war das erstens in einem absolut unpassenden Moment – immerhin hat Leon ihr gerade von seiner Geschlechtskrankheit erzählt, der seine schwangere Freundin und das gemeinsame Baby zum Opfer gefallen sind -, doch statt Mitleid mit ihm zu haben, reißt sich Tavi als Antwort die Kleider vom Leib. Das ging für mich gar nicht.

Dann die Beschreibung des Liebesaktes selbst war … unsexy. Ich dachte manchmal: Im Ernst? Das steht doch nicht wirklich da, oder? Doch es stand da.

Und nach dem Sex sprechen beide kurz darauf von Liebe, obwohl Leon Tavi noch verrät. Ach ja, ist doch logisch.

Nee, ist es leider nicht. Bei den Figuren passt für mich nicht zusammen, wie Tavi und Leon laut Aussagen und Gedanken angeblich sind (misstrauisch in Tavis Fall, nur auf den persönlichen Vorteil bedacht bei Leon, etc.) und wie sie dann handeln und anschließend fühlen sollen. Die Liebesgeschichte kommt mir erzwungen vor. Es tut mir leid, dass ich es so sagen muss.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Lange Strecken hat mir der Roman richtig gut gefallen und auch den Genremix fand ich trotz der vielen sehr unterschiedlichen Elemente sehr gelungen. Dann jedoch kam die Liebesgeschichte und mein Lesevergnügen nahm rapide ab. Es war leider die eine Zutat zu viel, die mir persönlich das Ganze schwer genießbar gemacht hat, sodass ich am Ende nur 3 Bücher vergeben konnte anstatt der 4 oder 5, die ich sonst für den gelungenen Rest vergeben hätte.

Wem würde ich „Phoenix – Tochter der Asche“ empfehlen?

Für Freunde von etwas Neuem, Einzigartigen, wie man es bislang noch nicht gelesen hat, ist „Phoenix -Tochter der Asche“ auf jeden Fall etwas. Wer sich mal auf ein leserisches Experiment, das Ann-Kathrin Karschnick selbst als Teslapunk bezeichnet, einlassen will und Gefallen an Krimi, Fantasy, Steampunk und Romantik/Erotik findet, der darf hier gerne zugreifen. Für alle Leser von Nischenbücher auf jeden Fall ein interessanter neuer Lesestoff.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenDrei Bände sind von der „Phoenix“-Reihe erschienen. Wem der 1. Band gefallen hat und die beiden weitere Bücher der Trilogie auch lesen möchte, dies ist die chronologische Reihenfolge der „Phoenix“-Romane von Ann-Kathrin Karschnick:

  1. „Tochter der Asche“
  2. „Erbe des Feuers“
  3. „Kinder der Glut“

Ich muss gestehen, dass ich bislang keine weiteren Romane von der Autorin gelesen habe, daher möchte ich euch als weiterführende Empfehlung ans Herz legen, doch die Aktion #MutzurNische (hier geht es zu meinem Beitrag zu diesem Buch: Fantasyelemente im Roman), die unter anderem auf Facebook und auf verschiedenen Websites von Buchbloggern zu finden ist, weiter zu verfolgen und dort tolle Nischenbücher zu entdecken.

Wem die Mischung aus Fantasy und etwas altertümlicher Technik gefällt, dem kann ich weitere Romane aus dem Genre Steampunk empfehlen. In meiner Rubrik Steampunk findet ihr eine kleine Auswahl und Empfehlungen von Büchern, die mir besonders gut gefallen haben. Viel Spaß beim Stöben!

Die Website von Ann-Kathrin Karschnik:

Mehr über die Autorin und Übersetzerin, ihre Romane, Kurzgeschichten und Projekte könnt ihr auf Ann-Kathrin Karschnicks Website erfahren: https://www.ann-kathrinkarschnick.de/.

Das Buch:

Buchcover mit Engel vor verrußtem Himmel400 Seiten

Taschenbuch

Oktober 2014

Papierverzierer Verlag 

Preis: 14,95 € (D)

ISBN: 978-3-94454450-2

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