Björn Springorum „Der Ruf des Henkers“

Inhaltsangabe:

Buchcover mit Henker, Stadt und nebliger Totenschädel im HimmelJugendbuchMagie & GeschichteMonsterEngland in der Mitte des 19. Jahrhunderts: William Calcraft gilt als grausamer und sadistischer Henker im Dienst von Königin Victoria. Als er eines Tages in die Küstenstadt Sheerness kommt, um eine Hinrichtung durchzuführen, hätte der Pfarrerssohn Richard Winters nie gedacht, dass sein Protest, dass seine Freundin Liz unschuldig ist, solche Folgen haben könnte.

Im Gegenzug dafür, dass Richard sich als Lehrling bei ihm verpflichtet, lässt Calcraft das Mädchen frei. In den beiden folgenden Jahren durchstreifen die beiden England und Richard lernt viel über den Tod und ihre schreckliche Zunft. Doch er erfährt auch Calcrafts Geheimnis: Er ist nicht nur Henker, sondern auch ein erbitterter Feind und Jäger der Wechselbälger, schrecklichen Wesen, die die Gestalt von Menschen annehmen können und danach trachten, sich für ihre Vertreibung aus England in eine andere Welt zu rächen.

Als Calcrafts Jagd auf Wechselbälger und eine Hinrichtung in Newgate sie eines Tages nach London führen, wo Richard Calcrafts Freunde, den Wirt Benjamin Goldberg und seine Nichte Rose, kennen lernt, ahnt er nicht, dass ihr Leben kurz darauf eine unerwartete Wende nehmen wird.

Meine Meinung zu „Der Ruf des Henkers“:

Als mir dieses Buch vom Thienemann-Esslinger Verlag als Rezensionsexemplar angeboten wurde, musste ich einfach zusagen. Der Klappentext hörte sich mega interessant an, mir gefiel die ungewöhnliche Idee – von einem Henkerslehrling hatte ich noch nie etwas gelesen – und das Cover finde ich einfach klasse.

Das war das Paket, das ich vom Verlag bekam, sogar mit kleiner Henkersmahlzeit: 😀

Paket zu "Der Ruf des Henkers": Buch, Einladung und kleine Tüte

Worum geht es im Roman?

„Der Ruf des Henkers“ ist ein historischer Fantasyroman für Jugendliche. Im England des 19. Jahrhunderts angesiedelt vermengt Björn Springorum in seinem Roman historische Begebenheiten mit phantastischen Elementen. Ich fand die Idee, dass jemand ein Henker wird, weil er so seine Jagd auf Wechselbälger tarnen kann, sehr originell. Aber es geht nicht um den Kampf gegen Wechselbälger, sondern auch ums Erwachsenwerden, Leben und Tod sowie die erste Liebe.

Die Hauptfiguren:

Wichtigste Hauptfigur ist Richard Winters. Als Sohn eines Pfarrers ist er jedoch nicht besonders gläubig. Er glaubt an das Gute und ist ein loyaler Freund. Er schwärmt schon seit längerem für seine Kindheitsfreundin Liz, obwohl diese sehr launisch und eigensinnig ist und ihn nicht immer gut behandelt. Seine Begegnung mit William Calcraft mit 14 Jahren zeigt ihm auch die Schattenseiten des Lebens, er lernt den Tod und die Zunft des Henkers kennen und dabei auch William Calcraft kennen und respektieren.

Als Ich-Erzähler mit dem größten Anteil am Roman ist er eine wunderbare, sympathische Identifikationsfigur, besonders für jugendliche Leser. Ich habe mich oft gefragt, wie ich wohl damit umgehen würde, wenn ich zum Lehrling eines Henkers auserkoren werden würde.

Zweite Hauptfigur ist William Calcraft. Die Romanfigur beruht auf einer historischen Person, die der Autor jedoch nimmt und frei interpretiert. Ich glaube nicht, dass der echte William Calcraft Jagd auf Wechselbälger gemacht hat. 😀

Der Henker hat einen schlechten Ruf, er gilt als grausam, aber er ist es nicht. Hinter seiner harten, rauen Schale steckt ein weicher Kern und als Leser merkt man schnell, dass er an Richard hängt und sich Sorgen um ihn macht. Gleichzeitig ist er ein Geheimniskrämer, auch wenn Calcraft gelegentlich die Chance hat, als Ich-Erzähler seine Sicht der Dinge zu erzählen, bleiben ein paar Geheimnisse bis ans Ende.

Eine wichtige Rolle spielt in der 2. Hälfte des Romans auch Rose. Sie ist die Nichte des jüdischen Wirts und Händlers Benjamin Goldberg und ein echtes Goldstück, wie man so schön sagt. Sie kocht, sie putzt und umsorgt die Männer. Richard gefällt ihr sehr gut, was in ihren Tagebuch-Einträgen deutlich wird. Da sie mit ihrem Onkel zusammen in Londons berüchtigten Viertel Whitechapel wohnt, hat sie gelernt, auf sich aufzupassen.

Daneben gibt es noch Roses Onkel Benjamin Goldberg, Calcrafts langjährigen besten Freund und einziger Eingeweihter in all seine Geheimnisse. Man hat als Leser den Eindruck, Goldberg wäre ein Tausendsassa und Alleskönner, und hin und wieder ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass ein Roman über sein Leben auch ganz spannend geworden wäre.

Ebenfalls eine entscheidende Rolle spielt Liz, die eigentlich Elizabeth heißt, eine schwarzhaarige Schönheit, die jedoch sehr launisch ist und weiß, wie sie Richard und andere Männer um den Finger wickeln kann. Sie kann kämpfen, grausam sein, in Rollen schlüpfen und vieles mehr. Doch wer ist sie wirklich?

Gehört das Buch zu einer Reihe?

Soweit mir bekannt, handelt es sich bei diesem Buch um einen Einzelband.

Wie liest sich das Buch?

Das Buch liest sich flüssig und spannend. Durch die Ich-Erzähler-Perspektive kann man sich gut mit Hauptfigur Richard identifizieren. Zeit und Ort der Handlung sind gut beschrieben, sodass man als Leser sich stets alles vorstellen kann. Ich hatte den Band schnell durch.

Was hat mir besonders gut an „Der Ruf des Henkers“ gefallen?

Ich fand die Idee super. Historische Fantasy, ein Henker plus Wechselbälger. Die Kombination ist ungewöhnlich und fesselnd. Mir gefällt es ja, mir vorzustellen, wie wäre es, wenn es in der Vergangenheit Magie oder phantastische Wesen gegeben hätte und wir wüssten nur nichts mehr davon. Mit dem Reiz dieser Idee spielt auch der Roman. Nicht ohne Grund ist Calcraft wohl so geheimniskrämerisch.

Auch das Setting, also England im 19. Jahrhundert haben mir gut gefallen. Ich muss gestehen, bei Henkern denke ich als Erstes immer ans Mittelalter. Dass es sogar noch im 19. Jahrhundert richtige Henker von Beruf gab, die für die Krone arbeiteten, das war mir nicht bewusst. So können Calcraft und Richard sogar mit dem Zug zu ihrem nächsten Auftrag fahren, Ankündigungen der nächsten Hinrichtung in der Zeitung lesen und mehr ungewöhnliche Situationen erleben, die im Mittelalter nicht möglich gewesen wären. Das fand ich sehr spannend.

Was hat mir nicht gefallen?

Ich bin kein Fan von mehreren Ich-Erzählern in einem Roman, auch wenn durch die Kapitel-Überschrift immer klar war, wer gerade erzählt. In diesem Jugendbuch gab es sogar drei Ich-Erzähler: Richard, die Haupt- und Identifikationsfigur, William Calcraft und dazu noch Rose mit ihren kurzen Tagebuch-Einträgen zwischendurch. Klar, ich verstehe, warum Passagen aus Calcrafts Sicht nötig sind: Nur durch sie versteht man, warum er am Anfang Richard als Lehrling aufnimmt, seine Zuneigung zu dem Jungen wird deutlich und seine Geheimnisse können angedeutet werden. Aber das hätte man meiner Meinung nach auch anders lösen können, wenn man gewollt hätte.

Roses Tagebuch-Einträge, nun gut. Ich muss gestehen, ohne sie wäre Rose vielleicht ein bisschen blass geblieben, weil Richard sie nicht so wahrnimmt, wie sie es gerne hätte. Und sie bieten eine Abwechslung zu den Kapiteln aus der Sicht von Richard oder Calcraft. Dennoch waren mir 3 Ich-Erzähler too much.

Ein kleiner Logikfehler, aus meiner Sicht, ist: Jemand wird zu Tode gewürgt, aber kann dennoch ein paar Wörter (unter Anstrengungen, nun gut) hervorbringen? Das finde ich nicht sehr plausibel.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Bis auf die beiden Punkte hat mir „Der Ruf des Henkers“ gut gefallen. Der Roman liest sich flüssig und spannend und bietet viele interessante Aspekte und Ideen, sodass ich gerne weitergelesen habe. Mit Richard kann man sich als Leser zudem gut identifizieren.

Wem würde ich „Der Ruf des Henkers“ empfehlen?

Das phantastische Jugendbuch richtet sich in erster Linie an jugendliche Leser ab 13 Jahren. Ich würde es eher Jungen empfehlen als Mädchen, denn mit Richard als Identifikationsfigur, den eher düsteren Abenteuern mit Hinrichtungen und Kämpfen gegen schreckliche Wechselbälger handelt es sich um einen schaurig-spannenden Abenteuer-Roman vor historischem Hintergrund, der eher für Jungen geschrieben ist.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen„Der Ruf des Henkers“ ist nicht der einzige Roman aus Björn Springorums Feder, der bislang erschienen ist. Wenn euch der Roman gefallen hat und ihr mehr Abenteuer im England des 19. Jahrhunderts mit den Protagonisten zusammen erleben wollt, dann empfehle ich euch seinen Roman „Das Amulett der Ewigkeit“, den er zusammen mit Susanne Glanzner geschrieben hat. Ebenfalls eine Mischung aus Abenteuer, Liebe und Magie bietet sein Roman „Herbstbringer“ über die 15-jährige Waise Emily, die überraschende Dinge über ihre Herkunft herausfindet.

Seinen neuen Roman „Spiegel des Bösen“, in dem er Phantastik- und Horrorelemente mischt, habe ich gelesen und kann ich ebenfalls empfehlen.

Ich freue mich auch schon sehr auf das Meet & Greet mit Björn Springorum am 18. März auf der Leipziger Buchmesse. Dann dürfen ich und ein paar andere Blogger den Autor mit unseren Fragen löchern. Was ich dabei alles Spannendes erfahren habe, erfahrt ihr dann nächsten Monat wieder hier auf meinem Blog. 😀

Und ihr könnt ebenfalls etwas Spannendes erleben, denn auf der Website zum Roman www.ruf-des-henkers.de veranstaltet der Verlag ein tolles Gewinnspiel und verlost unter allen, die bis zum 16. April 2016 mitmachen, einen Gutschein im Wert von 500 Euro für eine Reise nach London sowie fünf Exemplare von „Der Ruf des Henkers“. Also schnell mitmachen!

Banner: Gewinnspiel zum Roman "Der Ruf des Henkers"

Die Website von Björn Springorum:

Björn Springorum wurde 1982 in Calw geboren und lebt und schreibt heute in Stuttgart. Mehr über seine Romane, Neuigkeiten und aktuelle Termine erfahrt ihr auf Björn Springorums Facebook-Seite.

Das Buch:

Buchcover mit Henker, Stadt und nebliger Totenschädel im Himmel352 Seiten

gebunden

Februar 2016

Thienemann-Esslinger Verlag 

Preis: 14,99 € (D)

ISBN: 978-3-522-20216-9

 

Vielen Dank an den Thienemann-Esslinger Verlag für das Rezensionsexemplar!

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