Brandon Sanderson „Schatten über Elantel – Die Nebelgeborenen 5“

Inhaltsangabe:

Buchcover mit Wappen zu "Schatten über Elantel"Lord Waxillium Ladrian und seine Verbündeten Wayne und Marasi stehen vor einer neuen Herausforderung. In Elantel treibt ein gefährlicher Mörder sein Unwesen, doch ein Blutbad an dem Bruder des Gouverneurs und seinen Gästen enthüllt dessen Verbindungen zur Unterwelt. Rasch steht der Verdacht im Raum, dass Lord Winsting Innate käuflich war, und das in einer politisch und sozial angespannten Situation in der Stadt, die angesichts Ungerechtigkeiten und steigernder Lebensmittelpreise vor der Explosion steht.

Wax, Wayne und Marasi müssen schnell herausfinden, wer der Täter ist, bevor es zu Unruhen kommen kann. Doch dann finden sie heraus, dass die genau das Ziel des gesichtslosen Mörders sind …

Meine Meinung zu „Schatten über Elantel“:

„Kinder des Nebels“ war nicht mein erster Roman von Brandon Sanderson – das war „Elantris“ –, aber der Roman, nach dem ich ihn endgültig zu meinem Lieblingsautoren erklärt habe. Als ich gehört habe, dass es einen neuen Roman aus der Welt der Nebelgeborenen gibt, war ich dementsprechend begeistert. Noch mehr, als mir Brandon Sanderson das Buch auf der Leipziger Buchmesse sogar noch signiert hat.

Worum geht es im Roman?

Die Geschichte spielt in einer High Fantasy-Welt und ist – abgesehen vom Prolog, der in einer Art Wilder Western, in den Raulands, 20 Jahre vorher angesiedelt ist – eine Mischung aus Fantasy und Krimi. Wax, Wayne und Marasi müssen im Auftrag der Polizei von Elantel eine Mordserie aufklären, bei der der Täter große magische Fähigkeiten hat, was ihn besonders gefährlich macht.

Doch auch die Wilder Western-Stimmung klingt im Stadtsetting, die sich am Beginn der Industrialisierung befindet und kurz vor der Revolution steht, mit an. Zivilisation und die Neigung, manche Dinge einfach mit der Pistole – oder mit seiner Metallmagie – zu regeln, vereinen sich in einer Person: Lord Waxilium Ladrian, Gentleman-Kopfgeldjäger.

Soziale Ungerechtigkeiten, die industrielle Revolution und eine externe Krise verwandeln die Stimmung in der Stadt in ein Pulverfass und erinnern an wahre geschichtliche Ereignisse in unserer Welt zu der Zeit. Als historisch bewanderter Leser kann man die drohende Katastrophe schon früh erahnen. Hinzu kommen noch die metallischen Künste Allomantie, Ferrochemie und Hämulgie, die es erlauben, magische Fähigkeiten auf unterschiedliche Weise mit verschiedenen Metallen einzusetzen, die sowohl von den Guten als auch von den Bösen eingesetzt werden, verschiedene Religionen und Götter sowie gesichtslose Unsterbliche und schon bekommt man einen spannenden Mix, den man kaum mehr aus der Hand legen kann.

Die Hauptfiguren:

Wax, eigentlich Lord Waxillium Ladrian, ist das Oberhaupt seines Hauses in Elantel und hat eine schillernde Vergangenheit als Gentleman-Kopfgeldjäger in den Raulands. Er vertritt immer noch das Gesetz und jagt Verbrecher, wobei er sowohl seine Waffen als auch seine Allomantie und seine Ferrochemie einsetzt. Als Metallgeborener besitzt er ein großes Geschick und Erfahrung mit Metallmagie, zum Beispiel als Münzwerfer.

Unterstützt wird Wax bei seinen Missionen seit über 20 Jahren von Wayne, einer schillernden Persönlichkeit. Waynes Begeisterung für Hüte, Kleidung und Akzente macht ihn zum Meister der Verkleidung, was ihren Ermittlungen in unterschiedlichen Milieus zugutekommt. Er kann keiner Herausforderung widerstehen, macht gerne lange Finger, wobei er das Gestohlene gegen etwas anderes eintauscht. Er ist ebenfalls ein Metallgeborener und kann unter anderem eine Zeitblase erschaffen.

Lady Marasi Colms ist die uneheliche Tochter von Lord Harms, eine ehemalige Rechtsanwältin und nun Polizistin. Als Assistentin von Capitain Claude Aradel leistet sie gute Arbeit, jedoch hat sie sich durch ihren Aufstieg auch Feinde unter ihren Kollegen gemacht.

Lady Steris Harms ist die Halbschwester von Marasi und Wax‘ Verlobte. Sie gilt als langweilig, ist eine penible Planerin und hat gesellschaftliche Normen studiert. Wayne verabscheut sie.

Lessie ist Wax‘ verstorbene Geliebte, deren Tod ihn immer noch verfolgt.

MeLaan ist eine Kandra, eine unsterbliche Gesichtslose, die mithilfe von Knochen die Gestalt von verstorbenen Menschen annehmen kann.

Bleeder ist ebenfalls eine Kandra, die sich gegen ihren Gott aufgelehnt hat.

Edwarn Ladrian, auch Mister Suit genannt, ist Wax‘ Onkel und Widersacher. Er zieht im Hintergrund die Fäden.

Gehört das Buch zu einer Reihe?

Ja, „Schatten über Elantel“ ist der 5. Band der Reihe „Die Nebelgeborenen“ und der 2. Band aus dem Zyklus mit Wax und Wayne.

Brandon Sanderson beim Signieren auf der Leipziger Buchmesse 2017
Brandon Sanderson beim Signieren auf der Leipziger Buchmesse 2017

Wie liest sich das Buch?

Das Buch hat mich gleich wieder in die Welt der Nebelgeborenen gezogen. Die Mischung aus Fantasy, Krimi und Western-Elemente ist sehr gelungen und funktioniert in meinen Augen wirklich gut, wodurch jeder Leser etwas für sich findet, was ihn fasziniert.

Neben der Faszination für die Welt sorgt die Handlung für Spannung, sodass man unbedingt weiterlesen muss. Die Erzählung wechselt zwischen den drei Hauptiguren Wax, Wayne und Marasi und schildert abwechselnd aus ihren Perspektiven die Handlung. Dadurch dass die drei sehr unterschiedlich sind, entsteht eine sehr abwechslungsreiche Erzählung.

Auch wenn der zweite Zyklus anders ist als der erste, so transportiert er doch dieselbe Faszination für Allomantie, die Fähigkeit, Metallmagie zu wirken, indem man Metalle schluckt oder anderweitig für sich nutzt, wie der erste Zyklus.

Was hat mir besonders gut an „Schatten über Elantel“ gefallen?

Die Charaktere sind wirklich gut ausgearbeitet und haben jeder seine Eigenheiten, Stärken und Schwächen, die ihn lebendig machen. Ich mag besonders Wayne. Er ist der Typ, der immer unterschätzt wird, der sich auf Details wie Hüte und Akzente, auf Verkleidungen, Tricks, Täuschungen und vieles mehr konzentriert und den Dingen, die die Gesellschaft für wichtig und wertvoll erachtet, keine große Bedeutung schenkt. Für die meisten ist Wax – Lord Waxillium Ladrian, ein Allomant und Sheriff, ja, eine richtige Legende – wahrscheinlich der strahlende Held, der alles überragt, aber es ist gerade das Zusammenspiel mit Wayne, das ihn für mich sympathisch macht und mir zeigt, dass er auch menschliche Seiten hat. Zusammen mit Marasi bilden die drei ein tolles Ermittlergespann, von dem ich gerne mehr lesen will.

Doch nicht nur die Charakterzeichnung ist Brandon Sandersons Stärke, sondern auch und besonders der Weltenentwurf mit dem Magiesystem, das seinesgleichen sucht. Es ist einfach erstaunlich, wie sich viele kleine Details gekonnt ineinanderfügen. Hier merkt man den Meister, der am Werk ist und die Übersicht über seine Geschichte, die Figuren, die Welt und die Gesetzmäßigkeiten hat. Allomantie und Ferrochemie sind magische Künste, die mithilfe von verschiedenen Metallen funktionieren, wobei jedes Metall etwas anderes bewirkt. Brandon Sanderson hat mit diesen Magieformen etwas ganz Neues und Einzigartiges erschaffen, das mich damals und heute einfach beeindruckt in seiner zwingenden Gesetzmäßigkeit und Genialität. Und je mehr Bände man aus seiner Welt liest, desto mehr Ebenen werden enthüllt, desto mehr gibt es zu entdecken, sodass die Lektüre nie langweilig wird.

Was hat mir nicht gefallen?

Sorry, da fällt mir nichts ein.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Einfach großartig! Wieder ein Meisterwerk aus der Feder von Brandon Sanderson, das Lust macht, die existierenden Bände noch einmal zu lesen, um die Wartezeit auf den sehnsüchtig erwarteten Folgeband zu überbrücken.

Wem würde ich „Schatten über Elantel“ empfehlen?

Allen High Fantasy-Fans, die keine Lust mehr auf Elfen, Zwerge, Orks und Co. haben und außergewöhnliche Fantasywelten und Magiesysteme mögen, sowie natürlich allen Brandon Sanderson-Fans.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

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Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenBrandon Sanderson hat seine High Fantasy-Reihe „Die Nebelgeborenen“ in verschiedene Zyklen unterteilt. Zwischen der ersten und der zweiten Trilogie liegen mehrere Jahrhunderte, man kann sie also auch einzeln lesen. Dennoch würde ich empfehlen, mit der ursprünglichen Trilogie anzufangen, da hier am ausführlichsten die Allomantie erklärt wird.

Die Reihe in chronologischer Reihenfolge:

  1. „Kinder des Nebels“
  2. „Krieger des Feuers“
  3. „Herrscher des Lichts“
  4. „Jäger der Macht“ (Wax und Wayne 1)
  5. „Schatten über Elantel“ (Wax und Wayne 2)
  6. „Bänder der Trauer“ (Wax und Wayne 3)

High Fantasy und Brandon Sanderson, das klingt fast wie Synonyme, denkt man nur an „Die Sturmlicht-Chroniken“ oder „Elantris“. Dennoch schreibt er auch in anderen Fantasygenres, zum Beispiel humorvolle All Age-Fantasy wie seine „Alcatraz“-Reihe, in der es um böse Bibliothekare geht, die die Welt beherrschen wollen, und einem Jungen mit dem Talent Dinge kaputt zu machen. Das ist ein Talent? Ja, das ist es und so genial umgesetzt, dass ich ab dem ersten Band „Alcatraz und die dunkle Bibliothek“ die Reihe verschlungen habe.

Doch Brandon Sanderson schreibt auch geniale Urban Fantasy wie seine Reihe „Die Rächer“. In „Steelheart“, „Firefight“ und „Calamity“ geht es um Superschurken, die die Welt zum Schlechteren verändert haben, und eine Gruppe von ganz normalen Menschen und Superhelden, die sie aufhalten wollen.

Die Website von Brandon Sanderson:

Mehr über den Bestseller-Autoren, seine Fantasyromane und seine außergewöhnlichen Welten erfahrt ihr auf Brandon Sandersons englischsprachiger Website: http://brandonsanderson.com/.

Das Buch:

Buchcover mit Wappen zu "Schatten über Elantel"528 Seiten

Paperback

März 2017

Piper Verlag

Preis: 16,99 € (D)

ISBN: 978-3-492-70435-9

Originaltitel: „Shadows of Self. A Mistborn Novel“

Deutsche Übersetzung: Karin Gerwig

 

Vielen Dank an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar!

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