Christoph Marzi „Lilith – Die Uralte Metropole 2“

Inhaltsangabe:

Buchcover zu "Lilith" mit schwarzhaarigem Mädchen vor verregnetem Paris4 Jahre sind seit den schicksalhaften Ereignissen in der uralten Metropole vergangen. Die 16-jährige Emily Laing lebt nun bei ihrem Mentor Master Wittgenstein und unterstützt ihn zusammen mit ihrer Freundin Aurora und Master Micklewhite bei seinen Fällen.

Doch eines Tages sorgen einige seltsame Vorfälle in London für Aufregung: Menschen verschwinden, andere werden tot aufgefunden und Gerüchte schwirren in der Stadt unter der Stadt umher. Von Monstern, die eine schreckliche Krankheit verbreiten, von Wiedergängern, die sich blutrünstig auf Menschen und andere Bewohner Londons gleichermaßen stürzen. Wittgenstein, Emily und ihre Freunde sind zutiefst besorgt.

Ihre Ermittlungen führen auch nach Paris. Doch von dort kehren Aurora und Master Micklewhite nicht mehr zurück …

Meine Meinung zu „Lilith“:

Gerade erst habe ich „Lycidas“ verschlungen, da habe ich auch schon zum 2. Band „Lililth“ gegriffen. Ich fürchte, ich bin infiziert – vom Uralte-Metropole-Fieber. 😉

Worum geht es im Roman?

Auch der 2. Band der Urban Fantasy-Reihe „Die Uralte Metropole“ dreht sich wieder um die mysteriösen Ereignisse in London und erneut ist nichts so, wie es zunächst scheint. Blutrünstige Wiedergänger – also Vampire -, Vinshati genannt, treiben ihr Unwesen und bedrohen ganz London. Doch ihre Spuren führen nicht nur nach Ägypten und weitere Länder, sondern auch zu Lilith, die Verbindungen zu Carathis, der Erschafferin aller Vinshati, hat. Nur Lilith scheint Carathis und ihre Monster noch aufhalten zu können und so müssen sich Emily, Wittgenstein und ihre Freunde auf die Suche nach der toten Geliebten des Lichtlords machen.

Und ja, tot ist in dieser Welt nicht immer für alle Zeiten tot, schließlich treiben auch der Totengott Anubis andere Götter des Pantheons hier ihr Unwesen. Die Hölle ist nie weit entfernt und manche Verwicklungen reichen weit in die Vergangenheit der Hauptfiguren und ihrer Freunde. Und auch dieses Mal geht es wieder um Familie, um die Frage nach der eigenen Herkunft, aber ich möchte nicht zu viel verraten.

Die Hauptfiguren:

Ich-Erzähler ist wieder Mortimer Wittgenstein, auch Master Wittgenstein genannt. Er ist ein Alchemist, Ziehsohn der Rättin Lady Hampstead, ein Trickster mit der Fähigkeit, Dinge kraft seiner Gedanken zu bewegen, und ein Halfelf, ein sogenanntes Wechselbalg. Er ist Emilys Mentor und fungiert sowohl als Lehrer, als auch Ermittler in übernatürlichen Fällen. Er ist dauerhaft mürrisch, was aber nicht bedeutet, dass ihm an Emily und seinen Freunden nichts liegt. Sein Lieblingssatz ist immer noch „Fragen Sie nicht!“.

Wittgensteins Schülerin Emily Laing – eigentlich Emily Manderley, so will sie jedoch aufgrund ihrer gespannten Beziehung zu ihrer Familie nicht genannt werden – tritt in vielerlei Hinsicht in die Fußstapfen ihres Mentors. Sie ist eigenwillig, häufig in sich zurückgezogen und hat wenige Freunde, denen sie vertraut. Als Trickster kann sie in den Verstand von Menschen und anderen Wesen schauen.

Aurora Fitzrovia, einst das „Schokoladenmädchen“ genannt, ist Emilys beste Freundin. Sie haben gemeinsam schon einiges durchgestanden und halten immer zusammen. Sie ist der Zögling von Master Micklewhite und liebt die Nationalbibliothek und Bücher.

Maurice Micklewhite ist Wittgensteins Partner in den übernatürlichen Ermittlungen, Auroras Mentor und ein Elf, der sehr gerne Weiß trägt. Er arbeitet als Bibliothekar und ist dementsprechend sehr belesen.

Lilith, die Lichtlady, einst Lycidas‘ Gefährtin, hat sich für ihren Geliebten geopfert und ist aktuell tot. Sie war einst die erste Frau, die Erste, die sich dem Schöpfer widersetzt, Lycidas verführt und eine dämonische Nachkommenschaft geboren hat. Es lässt sich schwer sagen, ob sie gut oder böse ist.

Gehört das Buch zu einer Reihe?

„Lilith“ ist der 2. Band der Urban Fantasy-Reihe „Die Uralte Metropole“ von Christoph Marzi.

Wie liest sich das Buch?

Christoph Marzi hat einen sehr eigenwilligen Erzählstil, der heutzutage selten geworden ist. Er führt den Leser durch die Geschichte. Sein Ich-Erzähler entscheidet, was wir Leser wann und wie erzählt bekommen. Häufig unterbrechen lange Erzählpassagen – ich sage nur der Mittelteil von Eliza! – die Haupthandlung und man fragt sich als Leser manchmal, wo man gerade ist, denn die Erzählung springt vor und zurück, niemals werden die Ereignisse chronologisch erzählt. Es wird angedeutet, vorausgedeutet, Spannung aufgebaut und Fragen erst viel später aufgelöst. Besonders bei den langen Erzählpassagen fragt man sich als Leser manchmal, worauf sie hinaussollen, doch am Ende ergibt es immer einen Sinn. Christoph Marzi ist ein Meister dieses geführten, ausschweifenden Erzählstils, der an einstige Märchenerzähler erinnert.

Was hat mir besonders gut an „Lilith“ gefallen?

Die vier Hauptfiguren Emily, Wittgenstein, Aurora und Micklewhite sind mir richtig ans Herz gewachsen. Doch auch über das Wiedersehen mit weiteren Bekannten wie dem Irrlicht Dinsdale, dem Tunnelstreicher Miéville oder Mr. Fox und Mr. Wolf (ja, selbst die!) habe ich mich gefreut. Darüber hinaus gab es neue interessante Figuren, wir durften eine weitere geheimnisumwobene Metropole, Paris, kennen lernen und Emily wird langsam erwachsen. All das hat mir gut gefallen.

Doch der besondere Reiz dieser Reihe macht für mich wieder die Kombination und Verflechtung von alten Legenden, Mythen und Märchen aus verschiedensten Kulturen und Jahrhunderten aus, die mit der Haupthandlung verwoben werden und am Ende ein stimmiges Ganzes ergeben.

Was hat mir nicht gefallen?

Anders als in „Lycidas“ gab es in „Lilith“ echte Längen. Ich muss gestehen, mich durch 140 Seiten von Elizas Tagebuch zu lesen, einer Freundin von Emily, die im 1. Band noch nicht vorkam und gefühlt auch im 2. Band bislang keine wirkliche Rolle für mich als Leserin spielte, war verdammt mühsam und verdammt lang. Brauchten wir wirklich all das Wissen über die Geschichte der Vinshati, Carathis und des von ihr erschaffenen al-Vathek? Ich glaube nicht.

Zugegeben, den Teil, der in Ägypten spielt, fand ich noch recht interessant, der Rest hätte meiner Meinung nach etwas gekürzt werden können. Der Erzählstil des Autors war mir hier etwas zu ausschweifend und hat mich teilweise leider etwas verloren.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

„Lilith“ ist in meinen Augen nicht ganz so stark wie sein Vorgänger, daher bekommt er nur 4 von 5 Büchern von mir. Dennoch hat auch dieser Band mich wieder in seinen Bann ziehen können. Er hebt sich wohltuend vom Einheitsbrei des Fantasy-Genres ab und etabliert sich als Meister des besonderen Erzählens und der Inszenierung der Stadt als Mittelpunkt einer ganzen Welt. Mir gefielen viele Aspekte des Buchs, auch wenn mich der 2. Band der Urban Fantasy-Reihe nicht hundertprozentig überzeugen konnte. Insgesamt ist es wieder eine lohnende Lektüre gewesen und es hat Spaß gemacht, nach so langer Zeit wieder in die Welt der uralten Metropole einzutauchen.

Wem würde ich „Lilith – Die uralte Metropole 2“ empfehlen?

Wenn euch „Lycidas“ gefallen hat, dann solltet ihr auch „Lilith“ nicht verpassen. Fans von Urban Fantasy-Romanen kommen bei dieser Reihe genauso auf ihre Kosten wie Liebhaber des besonderen Erzählstils.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenFans der Reihe „Die Uralte Metropole“ dürfen aufatmen, denn nach mehrjähriger Pause ist  jetzt ein neuer Band erschienen. Die Urban Fantasy-Reihe von Christoph Marzi umfasst inzwischen 5 Bände:

  1. „Lycidas“
  2. „Lilith“
  3. „Lumen“
  4. „Somnia“
  5. „London“

Christoph Marzis besonderer Erzählstil kommt auch in „Lyra“, „Grimm“ oder „Die wundersame Geschichte der Faye Archer“ zum Tragen. Wenn euch „Lycidas“ und „Lilith“ gefallen haben, sind die Einzelbände definitiv auch etwas für euch.

Weitere tolle Urban Fantasy-Romane habe ich für euch in meiner Rubrik Urban Fantasy gesammelt. Wer also noch Lesetipps braucht. 🙂

Die Website von Christoph Marzi:

Mehr über den deutschen Fantasyautor erfahrt ihr auf Christoph Marzis Homepage http://www.christoph-marzi.de/.

Das Buch:

Buchcover zu "Lilith" mit schwarzhaarigem Mädchen vor verregnetem Paris688 Seiten

Taschenbuch

Januar 2012

Heyne Verlag 

Preis: 9,99 € (D)

ISBN: 978-3-453-52911-3

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