Christoph Marzi „London – Die Uralte Metropole 5“

Inhaltsangabe:

Buchcover mit Stadtansicht von LondonAls Emily Laing von einem Ausflug nach Cambridge nach Hause zurückkehren will, muss sie feststellen, dass London verschwunden ist. Doch wie kann es sein, dass eine Stadt wie London plötzlich von der Landkarte, aus dem Gedächtnis der Menschen und aus allen Aufzeichnungen verschwindet?

Als sie zwei alten Damen begegnet, Mrs Pumblechook und Mrs Pecksniff, die sie entführen und kurz darauf ein junges Waisenmädchen mit dem seltsamen Namen Piccadilly Mayfair trifft, das scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht ist und sie an sich selbst erinnert, ist Emily verwirrter als jemals zuvor. Was steckt hinter all den seltsamen Ereignissen? Und besteht zwischen ihnen möglicherweise ein Zusammenhang?

Meine Meinung zu „London“:

Als ich hörte, dass es nach langen Jahren des Wartens einen neuen Band aus der Reihe „Die Uralte Metropole“ geben würde, musste ich ihn natürlich haben. Für mich ist Christoph Marzis Reihe DIE Urban Fantasy-Reihe schlechthin.

Worum geht es im Roman?

Ich finde die Idee, dass eine ganze Stadt wie vom Erdboden verschwinden kann und von allen vergessen wird, genial. Normalerweise ist das ja ein Prozess, der Generationen oder Jahrhunderte in Anspruch nimmt und selbst dann gibt es immer noch archäologische Spuren. In diesem Fall geschieht das Verschwinden von einem Moment auf den anderen und es bleibt … nichts.

Doch was geschieht mit den Menschen in der verschwundenen Stadt? Bemerken sie, was geschehen ist? Dies ist die Geschichte, die der Autor im 5. Band der Fantasyreihe erzählt. Der langsame Zerfall der Stadt, das teilweise Verschwinden, das Begreifen, … – ich war fasziniert von der Vorstellung und ja, auch etwas erschrocken.

Und was geschieht mit der Stadt selbst? Christoph Marzi stellt wieder einmal die Stadt in den Mittelpunkt seines Romans, doch auf eine überraschende, neue Weise, die wieder einmal zeigt, dass er der Meister des Fantasyromans über phantastische Städte ist.

Die Hauptfiguren:

Emily Laing ist inzwischen 24 Jahre alt und inzwischen nicht nur von Tristan Marlowe getrennt. Auch sonst hat sich in ihrem Leben einiges geändert: Sie hat eine eigene Wohnung, einen Job, bei dem sie ihre Trickster-Gabe einsetzt, um traumatisierten Kindern zu helfen, und sie hat sich von ihrer besten Freundin Aurora etwas entfremdet. Sie ist nicht wirklich glücklich.

Auch Mortimer Wittgenstein musste kürzlich einen Verlust erleiden, als die Liebe seines Lebens, die er erst vor ein paar Jahren wiedergefunden hatte, überraschend starb. Mürrisch wie eh und je, hat er seine Neugier nicht verloren und ermittelt wieder an Emilys Seite.

Der Elf Maurice Micklewhite ist Wittgensteins bester Freund und Kurator in der Nationalbiliothek. Er steht den Freunden wieder mit Rat und Tat zur Seite und leistet wertvolle Hilfe.

Mrs Pumblechook und Mrs Pecksniff sehen aus wie zwei alte Zwillingsschwestern und tauchen immer zum unerwarteten Zeitpunkt auf, um den Geschehnissen einen Schubs zu geben. Doch was bezwecken sie damit? Auf welcher Seite stehen sie?

Piccadilly Mayfair ist ein junges Mädchen, das bei einer Zaubervorstellung in der uralten Metropole überraschend auftaucht. Sie weiß nicht, wer sie ist oder wo sie herkommt, doch sie scheint eine wichtige Rolle zu spielen, denn alle sind auf der Suche nach ihr.

Jeeva Smith ist ein junger Mann indischer Herkunft und ein Assistenzlehrer, der Emily überraschend zur Hilfe kommt. Er ist ein normaler Mensch, der nichts von der uralten Metropole und übernatürlichen Wesen weiß und plötzlich in die Ereignisse verwickelt wird.

Der Duke, Mr Silence, Guy Fawkes, etc. – im Hintergrund ziehen neue Charaktere die Strippen. Doch welche Absichten verfolgen sie?

Gehört das Buch zu einer Reihe?

„London“ ist der 5. Band der Reihe „Die Uralte Metropole“ und man sollte die Vorgänger gelesen haben, um die Ereignisse im Buch besser zu verstehen.

Wie liest sich das Buch?

Überraschend, verwirrend, faszinierend, spannend – so würde ich die Lektüre wohl beschreiben.

Zunächst fällt auf, dass Christoph Marzi sich von der Ich-Perspektive verabschiedet hat – was meiner Meinung nach dem Roman aber gut tut, denn in den früheren Bänden hatte der Ich-Erzähler (Wittgenstein, Anthea Atwood) manchmal zu wenig Anteil an der Haupthandlung, sodass der Großteil der Vorgänger stets aus der 3. Person erzählt waren. Auch lenkt der Perspektiven-Wechsel den Fokus mehr auf Emily, die als Identifikationsfigur für den Leser fungiert. Etwas, das Wittgenstein als Charakter in meinen Augen nie leisten konnte.

Ich muss gestehen, ich war beim Lesen mehrfach verwirrt. Die Beziehungen zwischen den Figuren hatten sich zum Teil nicht unbeträchtlich verändert – es gab ja nicht nur in der Handlung, sondern auch im Entstehungsprozess der Reihe einen großen zeitlichen Sprung und das merkt man. Dazu tauchten Personen auf, die nicht hätten auftauchen dürfen, und andere Personen, die sonst immer mit dabei waren, fehlten plötzlich. Manche der Ungereimtheiten klärten sich im Laufe der Geschichte auf, doch da ich die Reihe komplett innerhalb einer Woche gelesen hatte, fielen mir diese Stolperstellen natürlich mehr auf als anderen Lesern.

Das Leseerlebnis jedoch ist dasselbe wie in den anderen 4 Bänden. Es kommt wieder das Gefühl des andächtigen Lauschens auf und ich war gespannt, wohin mich der Geschichtenfänger von London, Christoph Marzi, wohl dieses Mal entführen würde.

Was hat mir besonders gut an „London“ gefallen?

Die Grundidee finde ich einfach klasse. Auch die Umsetzung mit der verschwindenden und sich langsam auflösenden Stadt war gut gelöst und natürlich hat der Autor den Plot wieder mit dermaßen vielen doppelten und dreifachen Böden ausgestattet, sodass man als Leser erst ganz am Schluss ahnt, wie die Ereignisse und Personen zusammenhängen.

Die atmosphärischen Beschreibungen der Stadt – irgendwie ist in der Reihe immer Winter – waren ebenfalls gelungen und wir durften neben vertrauten Orten auch viele neue Orte kennen lernen und gemeinsam mithilfe der Phantasie des Autors unterhalb des bekannten London entdecken.

Was hat mir nicht gefallen?

Viele Ungereimtheiten haben sich im Laufe der Geschichte aufgeklärt, doch eine war dabei, die angesichts des Endes des 4. Bandes „Somnia“ mir wie ein Schnitzer erschien. Die Rolle von Lucifer (John Milton) und Lilith (Eliza) in dieser Geschichte passte in meinen Augen nicht. Da andere Ereignisse aus „Somnia“ berücksichtigt wurden, scheint es mir, als hätte der zeitliche Abstand beim Schreiben für einen logischen Widerspruch gesorgt, der weder dem Autor noch dem Verlag aufgefallen ist. Das ist schade, denn in meinen Augen hätte es der beiden Figuren nicht bedurft, um diese Geschichte zu erzählen.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Ich schwanke aktuell ein bisschen. Ohne Frage ist der Roman wieder gut und spannend erzählt und entführt uns auf typische Christoph Marzi-Manier wieder in die faszinierende uralte Metropole, die Stadt unter der Stadt, die wir Fans so lange vermisst haben. Aber die Ungereimtheiten und der logische Fehler haben mich doch manchmal auch richtig gestört und manche Figurenentwicklungen fand ich bedauerlich, ein bisschen zu sehr auf Tragödie ausgerichtet. Die Figuren ließen dadurch das Gefühl der Vertrautheit doch ein ums andere Mal vermissen.

Am Ende habe ich mich entschieden „London – Die Uralte Metropole 5“ glatt 4 Bücher zu geben und nicht 4,5 (halbe Bücher mache ich eh ungern).

Wem würde ich „London – Die uralte Metropole 5“ empfehlen?

Für Fans der Urban Fantasy-Reihe ist „London“ ein gelungener und schöner Abschluss, der für ein letzter Wiedersehen mit den lieb gewonnenen Figuren und der uralten Metropole sorgt. Wer die Reihe verschlungen hat, sollte sich diesen Band keinesfalls entgehen lassen. Und für Fans der Stadt London, Urban Fantas-Leser und Anhänger des märchenhaften Erzählstils ist „London“ eine gute Gelegenheit, um die Reihe (wieder) zu entdecken.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenIch weiß nicht, ob es geplant ist, noch einen 6. Band der Reihe zu veröffentlichen. Bisher gehören diese 5 Bände zur Urban Fantasy-Reihe von „Die Uralte Metropole“, wobei die Bücher mit L- alle größtenteils in London und der geheimnisvollen Stadt unter der Stadt spielen.

Die Romane in chronologischer Reihenfolge (die man meiner Meinung nach auch einhalten sollte):

  1. „Lycidas“
  2. „Lilith“
  3. „Lumen“
  4. „Somnia“
  5. „London“

Neben der Reihe hat Christoph Marzi auch einige Einzelbände geschrieben wie „Grimm“, „Die wundersame Geschichte der Faye Archer“ oder „Lyra“. Wenn euch der besondere Erzählstil des Autors gefällt, dann kann ich euch diese Bände ebenfalls wärmstens ans Herz legen.

Die (phantastische) Stadt im Mittelpunkt der Fantasygeschichte – dies ist das Markenzeichen Urban Fantasy. Falls ihr euch für phantastische Wesen und die Vorstellung begeistert, ihnen vielleicht im nächsten Club, Buchladen oder Park zu begegnen, dann schaut doch in meinen Urban Fantasy-Buchempfehlungen rein.

Die Website von Christoph Marzi:

Mehr über den deutschen Fantasyautor erfahrt ihr auf Christoph Marzis Homepage http://www.christoph-marzi.de/.

Das Buch:

Buchcover mit Stadtansicht von London704 Seiten

Paperback

September 2016

Heyne Verlag

Preis: 14,99 € (D)

ISBN: 978-3-453-31665-2

 

Vielen Dank an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar!

2 Gedanken zu „Christoph Marzi „London – Die Uralte Metropole 5““

  1. Hallo! Danke für deine gut zu lesende Rezession. Habe jetzt wirklich gewartet, wie deine Meinung zum fünften Band ist…. Werde ihn jetzt bestellen. Bin gespannt! Liebe Grüße Andrea Rimke- Lörcher

    1. Vielen Dank, Andrea! Es freut mich, dass dir die Rezension gefällt und dich auch dazu bringen konnte, Band 5 zu bestellen.
      Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Lesen!
      Liebe Grüße
      Nicole

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