Christoph Marzi „Somnia – Die Uralte Metropole 4“

Inhaltsangabe:

Buchcover zu Somnia mit junger Frau, Brücke und Mond vor New YorkEs ist Winter in Gotham und eine eiskalte Gefahr bedroht die Stadt. Schneestürme, Menschen, die plötzlich zu Eis erstarren und dann schmelzen, sowie die Wendigos, schreckliche Blizzardkreaturen, verbreiten Furcht und Schrecken.

In dieser Stadt findet sich plötzlich Scarlet Hawthorne wieder, ohne zu wissen, wie sie dorthin gelangt ist oder was sie in der Stadt der zwei Flüsse, der neugeborenen Metropole, wollte. Während sie verzweifelt versucht sich zu erinnern, stehen ihr neue Bekannte wie die alte Botanikerin Anthea Atwood, der Maschinentüftler Jake Sawyer und der Mandrake Buster bei. Doch dann wird deutlich, dass die Wendigos gezielt Scarlet jagen und dass in ihren verlorenen Erinnerungen der Schlüssel zu den seltsamen Vorfällen in der Stadt und in der fernen uralten Metropole London verborgen liegt.

Meine Meinung zu „Somnia“:

Der erste Band der Reihe, der nicht mit dem Buchstaben L anfängt und der Band, der ein bisschen herausfällt. Warum er anders ist, erkläre ich euch im Folgenden.

Worum geht es im Roman?

Erstmals steht eine andere Stadt als London im Mittelpunkt, nämlich Gotham oder New York beziehungsweise die neugeborene Metropole oder die Stadt der zwei Flüsse, wie sie auch genannt wird. Aber auch in Gotham gibt es eine Stadt unter der Stadt, seltsame Vorfälle und Verbindungen nach London und zu unseren bekannten Helden.

Ja, Emily Laing, Wittgenstein und ihre Freunde stehen dieses Mal nicht im Mittelpunkt der Handlung. Sie sind reduziert auf Randfiguren, die kurze, wenn auch bedeutsame Auftritte haben. Aber im Mittelpunkt der Geschichte, die zwei Jahre nach den Ereignissen in „Lumen“ angesiedelt ist, steht dieses Mal Scarlet Hawthorne, deren Suche nach Antworten enger mit den mysteriösen und beängstigenden Vorfällen verknüpft ist, als sie zunächst ahnt.

Es geht um Scarlets Identität, Familie, Engel, Trickster, Spinnenwesen, steinere Löwen, Pflanzen, den allmächtigen Träumer, dunkle Traumwesen, die Dreamings, die Geschichte der USA und Gothams und um einen Kampf, der in London seinen Anfang hatte und nun in Gotham seinen Höhepunkt findet. Und es geht um Geschichten, persönliche Geschichten, bedeutsame Geschichten und legendäre Geschichten, wie stets in „Die Uralte Metropole“.

Die Hauptfiguren:

Ich-Erzählerin dieses Buchs ist dieses Mal Mistress Anthea Atwood. Im 17. Jahrhundert geboren hat die alte Trickster bereits viel erlebt und gesehen. Sie fungiert als Mentorin und Lehrerin, nicht nur für die Schüler ihrer Botanik-Kurse an der Long Island University. Ihr Haus, die Myrtle’s Mill, eine uralte Sommermühle, ist genauso urig wie sie selbst und voller pflanzlichem Leben. Hier wohnt sie zusammen mit Buster.

Buster ist ein Mandrake, eine Alraune, die ihre Gestalt gewandelt hat. Er hat das Aussehen eines kleinen schlanken Tieres mit einem schwarz-rot gestreiften Schwanz und kann sich Trickstern verständig machen. Er ist das Kind einer Rose und eines Streifenschwanzmungos.

Scarlet Hawthorne ist eine ca. 30-jährige Frau ohne Erinnerung. Sie wird als Tricksterkind bezeichnet, da sie unter anderem Buster oder Pflanzen verstehen kann, selbst aber keine Trickster-Fähigkeiten besitzt. Sie freundet sich schnell mit Anthea, Buster und Jake an und versucht trotz aller Gefahren hartnäckig Antworten zu finden und ihre Erinnerungen wiederzuerlangen.

Jake oder Jakob Sawyer ist ebenfalls ein Trickster, auch wenn er seine Gabe verabscheut. Der junge Mann widmet sich lieber seinen Zeichnungen, Reparaturen oder Konstruktionen. Er liebt Motorräder und ist mutig und hin wieder auch ziemlich wagemutig.

Daneben spielen Virginia Dare, das erste weiße in den USA geborene Kind, und Kojote, aber auch viele alte Bekannte wie Mr. Fox und Mr. Wolf, Lucifer und Lilith, Emily und Tristan Marlowe, Mortimer Wittgenstein und Mièville eine Rolle. Doch wie sie miteinander zusammen hängen, das müsst ihr selbst lesen. 🙂

Gehört das Buch zu einer Reihe?

„Somnia“ ist bereits der 4. Band aus der Reihe „Die Uralte Metropole“ und am ehesten noch der, den man einzeln lesen kann, da sich die Geschichte hauptsächlich um Scarlet und die Ereignisse in Gotham dreht und das Wichtigste aus London wiederholt wird.

Wie liest sich das Buch?

Trotz anderer Figuren und Ich-Erzählerin ist der Urban Fantasy-Roman im gleichen Stil wie seine Vorgänger geschrieben, sodass man gut in das Buch hineinkommt. Es geht wieder um Geschichten und um sympathische Charaktere, mit denen man sich identifizieren kann, um Rätsel, die es zu lösen gilt, um Gefahren, die die Helden bedrohen. Ich komme mir beim Lesen immer wie ein Zuhörer vor, der einem Märchenerzähler aus vergangener Zeit lauscht. Christoph Marzis Art zu erzählen, ist in der modernen Fantasy selten geworden, doch für seine Reihe und seine teilweise jahrhundertealten Figuren passt sie einfach perfekt.

Was hat mir besonders gut an „Somnia“ gefallen?

Es war toll, mit den Figuren zusammen Gotham zu erkunden. Neben bereits vertrauten Wesen gab es auch viel Neues zu entdecken, sodass ich mich beim Lesen immer gefragt habe, wohin es als Nächstes wohl gehen mag.

Ich mochte Scarlet, Jake und Buster. Mit ihnen hat der Autor drei tolle Sympathieträger erschaffen, mit denen man mitfiebern konnte.

Von den beschriebenen Schauplätzen hat mir besonders gut Myrtle’s Mill gefallen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, in einer Mühle zu wohnen, in dem ein großer Ahorn wächst, viele Pflanzen aus dem Boden sprießen und allzeit Sommer herrscht. Wenn jemand weiß, wo man so ein Traumhaus erwerben kann, sachkundige Hinweise gerne an mich! 😀

Was hat mir nicht gefallen?

Sorry, aber ich hätte mir gewünscht, dass es dieses Mal eine andere Art von Ich-Erzähler geben würde. Anthea Atwood ist derselbe Typ von Mensch wie Wittgenstein: einzelgängerisch, eine Trickster, geheimniskrämerisch, teilweise etwas besserwisserisch. Irgendwie kam bei mir keine wirkliche Sympathie für sie auf und leider habe ich sie manchmal auch nicht als wichtigen, eigenständigen Charakter wahrgenommen.

Die Wiederholungen haben mich genervt. Ich weiß, dass sie einen Sinn haben und die Erinnerungen des Lesers auffrischen sollen bzw. nötig für diejenigen sind, die „Somnia – Die Uralte Metropole 4“ als Einzelband lesen. Aber ich habe Band 1-3 direkt vor „Somnia“ gelesen und mir kam es manchmal als ein Wiederkäuen von Informationen vor. Der Leser braucht Informationen über London, Lililth und Lucifer? Dann lassen wir doch Mistress Atwood und Master Shakespeare genau die Informationen aufdecken, die Wittgenstein und Emily Laing schon in den ersten 3 Büchern herausgefunden haben – gefühlt im selben Wortlaut. Ich weiß nicht, wie man es anders hätte lösen können, deshalb steht es mir vielleicht nicht zu es zu kritisieren, aber beim Lesen hinterließ es bei mir dennoch einen negativen Beigeschmack.

Genauso wie die Tatsache, dass Mara, Emilys kleine Schwester, die immerhin in diesem Band gerade erst 10 Jahre alt ist, wieder zur Bösen und zum Sündenbock gemacht wurde. Sorry, aber lasst doch mal das arme Kind in Ruhe! Sie war lange genug eine Schachfigur und mir kam es sehr unrealistisch vor, dass sie erneut eine Gefahr für Emily und die anderen sein sollte.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Auch wenn ich dieses Mal ein paar Dinge zu kritisieren hatte, die mir persönlich nicht gefallen haben, so las sich „Somnia – Die Uralte Metropole 4“ doch wieder spannend und interessant. Mir hat es gut gefallen, dass wir eine neue Stadt, neue Charaktere und neue phantastische Wesen kennen lernen durften und die Mischung aus alten und neuen Charakteren war (bis auf eine Ausnahme) auch gut gelungen. Daher habe ich wieder 4 Bücher für die Geschichte vergeben.

Wem würde ich „Somnia – Die uralte Metropole 4“ empfehlen?

Fans der Reihe und von Christoph Marzi sollten den 4. Band der Urban Fantasy-Reihe „Die Uralte Metropole 4“ nicht verpassen. Wer sich von mystischen, geheimnisvollen und gefährlichen Städten und den unbekannten Seiten der größten Metropolen dieser Welt verzaubern lassen will, der ist hier richtig.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenAnders als Band 2 oder 3 könnte man den 4. Band „Somnia“ auch ohne Vorkenntnisse lesen. Dennoch würde ich empfehlen, die Urban Fantasy-Reihe von Christoph Marzi in chronologischer Reihenfolge zu lesen.

„Die Uralte Metropole“ umfasst inzwischen 5 Bände:

  1. „Lycidas“
  2. „Lilith“
  3. „Lumen“
  4. „Somnia“
  5. „London“

Christoph Marzis besonderer Erzählstil kommt auch in „Lyra“, „Grimm“ oder „Die wundersame Geschichte der Faye Archer“ zum Vorschein. Wenn euch „Die Uralte Metropole“ gefallen hat, sind die Einzelbände definitiv auch etwas für euch.

Weitere tolle Urban Fantasy-Romane habe ich für euch in meiner Rubrik Urban Fantasy gesammelt. Wer also noch Lesetipps braucht., darf gerne mal reinschauen.  🙂

Die Website von Christoph Marzi:

Mehr über den deutschen Fantasyautor erfahrt ihr auf Christoph Marzis Homepage http://www.christoph-marzi.de/.

Das Buch:

Buchcover zu Somnia mit junger Frau, Brücke und Mond vor New York608 Seiten

Paperback

November 2008

Heyne Verlag 

Preis: 14,00 € (D)

ISBN: 978-3-453-52483-5

 

 

 

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