Dominique Stalder „Der Wanderer: Die Schamanin – Prolog einer Saga – Extended Version“

Inhaltsangabe:

Magisch wirkendes, türkis-schwarzes Cover mit 1 Mann und zwei FrauenEin Mann erwacht nackt und orientierungslos am Strand. Doch noch schlimmer als die Nässe und die Kälte macht ihm der Verlust seiner Erinnerung zu schaffen. Auf der Suche nach seiner Identität begibt er sich auf die Wanderung durch ein von Wolken bedeckten und von Kriegen gebeuteltes Land.

Während er sowohl Gutes als auch Schlechtes erlebt, kommt er dem Geheimnis keinen Schritt näher. Als er jedoch eines Tages der Schamanin Drakatia begegnet, die ihm ein Quartier für den Winter und Unterricht in den magischen Künsten im Gegenzug für einen Gefallen anbietet, nimmt er an. Bei Drakatia lernt er die Magd Myrael kennen, an der er zunehmend Gefallen findet. Doch als das Ende des Winters naht und damit auch die Einlösung seines Versprechens, fragt er sich immer häufiger, was die Schamanin von ihm verlangen wird, zumal auch seltsame Besucher Drakatias sein Misstrauen schüren …

Meine Meinung zu „Der Wanderer: Die Schamanin“:

Ich gehöre zu denjenigen, die noch die ursprünglich, unter einem Pseudonym veröffentlichte Version des Dark Fantasy-Romans kennen, und so war ich sehr gespannt, wie sich die Geschichte seit der Veröffentlichung und der Überarbeitung im SadWolf Verlag verändert hat, zumal durch die Extended Version viele Passagen, Abschnitte und Szenen hinzugekommen sind.

Worum geht es im Roman?

„Der Wanderer: Die Schamanin“ ist der Auftakt zu einer Dark Fantasy-Reihe, in der ein rastloser Wanderer sich auf die Suche nach seiner Identität (und mehr) durch ein unwirtliches Land begibt. Das Land leidet unter Kriegen, Plünderungen, Morden und Vergewaltigungen durch die Armeen der Grafen und Barone, die alle um die Herrschaft über das Land kämpfen. Wir Leser bekommen karge Landschaften wie einen nasskalten, menschenleeren Strand, ein von Schneestürmen heimgesuchtes Gebirge, unwirtliche Sümpfe voller Schwefel, verhängnisvolle Untiefen und Gefahren und mehr menschenfeindliche Gegenden kennen, sodass sich die Dark Fantasy nicht nur in der Handlung, sondern auch in den Schauplätzen niederschlägt.

Die Hauptfiguren:

Ich zögere, hier das Wort „Helden“ zu benutzen, denn ein Held ist in meinen Augen keine der drei Hauptfiguren. Primäre Hauptfigur ist der Wanderer ohne Erinnerung, der von Drakatia den Namen Haric erhält. Man kann ihn schlecht einschätzen, sich schlecht mit ihm identifizieren, da ihm mit seiner Vergangenheit ein bedeutendes Stück seiner Identität fehlt. Er definiert sich daher allein über seine Handlungen – oder seine Untätigkeit – und die Emotionen, die er im Laufe seiner Wanderung und seines Aufenthalts verspürt. Diese jedoch sind teilweise wenig dazu angetan, meine Sympathien zu wecken. So lässt er schreckliche Verbrechen geschehen, aus Angst um sein eigenes Leben, verweigert einem Sterbenden seinen letzten Wunsch und wendet sich von ihm ab, etc. Dem Roman fehlt es daher an einer Identifikationsfigur, aber das mag aufgrund des Genres der Dark Fantasy gewollt sein.

Mit der Zeit lernen wir Leser Haric etwas besser kennen. Seine Liebe zur Musik, seine Begabung zur Feuermagie, aber auch seinen Zorn und seine Zuneigung zu der Magd Myrael, einer jungen Frau, die seit einigen Jahren in den Diensten der alten Schamanin Drakatia steht, und ebenfalls über eine besondere Begabung verfügt.

Schwankende Launen sowie ihre zurückhaltende Art machen Myrael aber genauso schwer durchschaubar – nicht nur für Haric, sondern auch für den Leser – wie Drakatia, deren wahre Absichten lange im Dunkeln bleiben. Warum hat sie Haric aufgenommen? Warum unterrichtet sie ihn? Und welche Rolle spielt er in ihrem Plan?

Gehört das Buch zu einer Reihe?

Ja, das Buch bildet den Auftakt zu der Reihe „Der Wanderer“, die auf 16 Bände insgesamt ausgelegt ist.

Wie liest sich das Buch?

In einem Wort: düster. Man muss düstere Welten und Antihelden mögen, um Gefallen an diesem Dark Fantasy-Roman zu finden.

Was hat mir besonders gut am Roman gefallen?

Da ich ja die Ursprungsfassung kenne, möchte ich hier mal einen lobenden Vergleich anstellen. Die Überarbeitung hat dem Roman wirklich gut getan. Aus einer mehr episodenhaften Novelle ist ein Roman geworden, der nun rund wirkt und dessen Szenen aufeinander aufbauen. Der Wanderer Haric hat etwas mehr Profil bekommen. Natürlich bleiben noch viele Fragen (und Fragezeichen) bestehen, aber da „Der Wanderer: Die Schamanin“ als Prologband den Auftakt zu einer Reihe bildet, verspreche ich mir mehr Antworten – besonders was die schwarzen Reiter oder die Dämonen und den Ursprung für den dauerhaft bewölkten Himmel betrifft – in den Folgebänden.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, denn sie fügten sich sehr stimmig in das Buch ein, waren die Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Mariella A. Sprügl, die jedem Kapitel vorangestellt sind und so gleich ein Bild der Szene lieferten. Dies half mir, mir die Welt vorzustellen und ein Bild von der Szene vor Augen zu haben. Das Gleiche gilt für die Karte, die mit der Extended Version zur Geschichte hinzugekommen ist.

Was hat mir nicht gefallen?

Das ist vermutlich Geschmackssache, aber ich hätte mir hin und wieder ein bisschen mehr Identifikationsmomente gewünscht. Die Wahl einer Hauptfigur ohne Gedächtnis, ohne Vergangenheit, ohne Identität ist schwierig, da sie sich nun mal nicht oder nur schwer als Identifikationsfigur eignet. Der Wanderer weiß ja selber nicht, wer er ist, was seine Stärken und seine Schwächen sind. Diese muss er zusammen mit den Lesern erst noch entdecken. Besonders seine eher passive, menschenscheue, abwartende Haltung zu Beginn des Romans ist mir selbst so fremd, dass ich mich nicht mit ihm identifizieren konnte.

Myrael hätte gerne etwas weniger Maid in Nöten sein dürfen. Als moderne Frau hat man wenig Gemeinsamkeiten mit der Magd, die gefühlt alle paar Seiten Panik hat oder in Ohnmacht oder in Schockstarre verfällt. Besonders die plötzliche Feindseligkeit, die aus dem Nichts kam, erschien mir etwas unpassend.

Ich muss sie leider erwähnen, denn dafür waren es in der 1. Auflage einfach zu viele: Die Tipp- und Kommafehler. Wenn allein 3x Namen im Roman falsch geschrieben werden – und so viele gibt es nicht – und dazu Tippfehler, fehlende und falsch gesetzte Kommata hinzukommen, dann reißt mich das aus meinem Lesefluss und es ärgert mich. Ich hoffe, dass diese Flüchtigkeitsfehler der 1. Auflage bei den folgenden Auflagen behoben werden.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Trotz einiger Schwächen hat mir die überarbeitete und erweiterte Fassung von Dominique Stalders Roman insgesamt gut gefallen. Der Debütroman aus der Feder des deutschen Fantasyautors  bietet vielversprechende Ansätze und ich bin gespannt, wie sich die Geschichte des Wanderers weiterentwickelt.

Wem würde ich den Roman empfehlen?

Ich würde „Der Wanderer: Die Schamanin“ eher männlichen Fantasylesern, die sich nicht an düsteren Welten und Geschichten ohne Happy End stören, in die Hand drücken. Dark Fantasy-Fans kommen hier, sowohl was die Gestaltung der Welt, die Zeichnungen als auch die Handlung und die Figuren betrifft, auf ihre Kosten.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenAufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenAufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenAufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenWer Gefallen an „Der Wanderer: Die Schamanin“ gefunden hat, der darf sich freuen, denn die Reihe geht weiter. Bislang sind folgende Bände erschienen:

  1. „Die Schamanin – Prolog“
  2. „Die Schwarzen Klippen – Band 1“

Wer Lust auf weitere Werke aus der Feder des Autors hat, dem kann ich empfehlen, sich auf Dominique Stalders Wattpad-Profil umzusehen. Dort bietet der Autor weitere Geschichten zur kostenlosen Lektüre an: https://www.wattpad.com/user/Domsta.

Weitere Dark Fantasy-Romane, die euch gefallen könnten, sind zum Beispiel „Der unrechte Wanderer“ von Michael Marcus Thurner oder die „Cal Leandros“-Reihe von Rob Thurman, die zu meinen absoluten Lieblingsbüchern aus diesem Genre gehört. Mensch oder Monster? Diese Frage stellt sich der gleichnamige Titelheld beinahe täglich, ist er doch halb Mensch und halb der Nachfahre des gefährlichsten und intelligentesten Raubtieres, das die Welt je gesehen hat. Und nicht jeden Tag ist klar, welche Seite dieses Mal die Oberhand erringt. Spannend, düster und voller Sarkasmus beginnt Cals Abenteuer in „Nachtgeister“.

Die Website von Dominque Stalder:

Mehr über den Fantasyautor, seine aktuellen Projekte und Veröffentlichungen erfahrt ihr auf seiner Website http://www.dominique-stalder.de/.

Das Buch:

Magisch wirkendes, türkis-schwarzes Cover mit 1 Mann und zwei Frauen340 Seiten

Taschenbuch

März 2016

SadWolf Verlag

Preis: 14,99 € (D)

ISBN: 978-3-946446-08-8

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