J.K. Rowling, John Tiffany & Jack Thorne „Harry Potter und das verwunschene Kind. Teil 1 und 2 (Special Rehearsal Edition Script)“

Inhaltsangabe:

Buchcover des 8. Harry Potter-Bandes19 Jahre später: Voldemort ist lange besiegt, Harry Potter ist als Leiter der Magischen Strafverfolgung ein wichtiger Mitarbeiter des Ministeriums und von Zaubereiministerin Hermine Granger. Gemeinsam bringen Harry und Ginny, Hermine und Ron ihre Kinder zum Zug nach Hogwarts.

Doch Harrys Sohn Albus Severus entpuppt sich als komplett anders als sein berühmter Vater. Er kommt nicht nur nach Slytherin, sondern freundet sich zudem auch noch mit Scorpius, dem einzigen Sohn von dessen früherem Erzfeind Draco Malfoy, an.

Als sich Albus die Chance bietet, endlich auch mal ein Held zu sein, ergreift er diese mit beiden Händen. Zusammen mit Scorpius begibt er sich auf eine gefährliche Zeitreise, die nicht nur die Vergangenheit und Gegenwart auf den Kopf stellt, sondern auch den Weg für die Rückkehr des dunklen Zeitalters – und Voldemorts – zu ebnen droht.

Meine Meinung zu „Harry Potter und das verwunschene Kind“:

Als eingefleischter „Harry Potter“-Fan hatte ich mich sehr über die Nachricht gefreut, dass es einen 8. Band geben würde, und noch mehr, als eine Freundin mich einlud, sie zur Potternacht nach Hamburg zu begleiten. Daraus wurde leider nichts, weil ich krank war, aber auf das Buch, das ich zur Frankfurter Buchmesse endlich in den Händen halten konnte, hatte ich inzwischen sehnsüchtig gewartet.

Worum geht es im Theaterstück?

Das Buch ist die Vorlage für das Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“, in dem Harrys Sohn Albus Severus Potter im Vordergrund steht. Der Junge trägt nicht nur schwer an den Namen seiner beiden Namensgeber, sondern auch an der Tatsache, dass er der Sohn des berühmten Harry Potters ist.

Während der 7. Band „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ positiv mit der Szene auf Gleis 9 ¾ endete, setzt das Theaterstück an genau dieser Stelle ein, erzählt die Geschichte weiter und gibt ihr eine neue Wendung.

Es geht um die schwierige Vater-Sohn-Beziehung zwischen Harry und Albus, die Freundschaft von Albus mit Dracos Sohn Scorpius Malfoy, ihren Wunsch, ein Leben zu retten, und eine verhängnisvolle Zeitreise, die droht, den Dunklen Lord zurückzubringen. Es ist aber vor allem ein Wiedersehen mit vielen vertrauten Figuren und wichtigen Momenten aus dem Harry-Potter-Universum. Es ist eine Hommage an Joanne K. Rowling, an ihre berührende Reihe.

Die Hauptfiguren:

Natürlich spielen die Helden der früheren Bände wieder eine entscheidende Rolle: Harry Potter, Hermine Granger, Ron Weasley, Draco Malfoy, Professor McGonagall, Severus Snape und Albus Dumbledore. Doch im Mittelpunkt steht die junge Generation.

Albus Severus Potter ist das 2. von drei Kindern von Harry Potter und Ginny Weasley. Benannt nach Albus Dumbledore und Severus Snape trägt er ein schweres Erbe. Er mag seinem Vater optisch ähneln, doch als er an seinem ersten Tag nach Slytherin kommt, sich mit Scorpius anfreundet und zudem keine Begabung für Quidditch oder als überragender Zauberer zeigt, erlebt er eine schwere Schulzeit. Mit Scorpius als einzigem Freund und missverstanden von seinem Vater sehen wir ihn von seinem 1. Schultag bis in sein 4. Schuljahr zu einem verbitterten Jungen heranwachsen.

Auch Scorpius Malfoy, Sohn von Draco Malfoy und Astoria, hätte Grund verbittert zu sein, reißen doch die Gerüchte, dass er in Wahrheit der Sohn Voldemorts sei, nicht ab. Doch Scorpius ist optimistischer als Albus. Er ist ein eifriger Schüler, ein Büchernarr und insgeheim in Albus‘ Cousine Rose Granger-Weasley verguckt.

Eine Figur, die ebenfalls neu hinzukommt und im Buch eine wichtige Rolle spielt, ist die ca. 20-jährige Delphini Diggory, genannt Delphi, die jedoch ein großes Geheimnis hat.

Gehört das Buch zu einer Reihe?

„Harry Potter und das verwunschene Kind“ gehört zur „Harry Potter“-Welt, gilt als 8. Roman der Reihe, hat aufgrund seiner Form und des zeitlichen Abstands jedoch eine Sonderstellung innerhalb der Serie. Ich würde empfehlen, die vorherigen Bände zu lesen, bevor man das Drehbuch liest, weil man sonst einiges nicht versteht.

Wie liest sich das Buch?

Es liest sich ungewohnt. Die Skript-Form ist gewöhnungsbedürftig und es gibt ein paar Dinge und Stellen, die zunächst merkwürdig erscheinen, jedoch der Tatsache geschuldet sind, dass es sich um das Drehbuch zu einem Theaterstück handelt, das auf der Bühne aufgeführt werden soll. Damit meine ich nicht die Regieanweisungen oder die Tatsache, dass das Buch sehr dialoglastig ist, sondern zum Beispiel, dass im kompletten Buch kein einziges Mal appariert wird, sondern stattdessen Kamine und die Telefonzelle beim Ministerium benutzt werden.

Außerdem hatte ich manchmal den Eindruck, ich würde eine Geschichte im Zeitraffer lesen. Dies liegt nicht nur daran, dass das Skript anders als die Romane, vier Schuljahr statt nur eins umfasst, sondern auch daran, dass das Stück ja auch nicht unendlich lang werden und dementsprechend manchmal nicht in die Tiefe gegangen werden kann.

Ich konnte leider während des gesamten Lesens nicht den Eindruck gewinnen, einen „echten J.K. Rowling“ zu lesen. Die Stimmung und der Leseeindruck waren ein anderer, was auch der Tatsache geschuldet ist, dass das Skript eine Gemeinschaftsproduktion ist und ich nicht sicher bin, ob und wie viel Joanne K. Rowling davon selbst geschrieben hat.

Was hat mir besonders gut an „Harry Potter und das verwunschene Kind“ gefallen?

Ich mag die Idee. Ich habe das Buch jetzt zum 2. Mal gelesen, weil ich nach der 1. Lektüre leider noch nicht in der Lage war, eine Rezension dazu zu schreiben (bei den ersten 7 Bände ist es mir bis heute nicht gelungen). Die Geschichte beantwortet eine Frage, die wir uns alle vermutlich nicht nur einmal gestellt haben: Wie ging es nach dem Ende des 7. Bandes mit unseren geliebten Helden weiter?

Was ich auch bewundere, ist, dass es den Autoren gelungen ist, so viele wichtige Figuren und Momente aus der Reihe aufzugreifen und zu einer zusammenhängenden, gut verknüpften Geschichte zu verbinden. Ich fand es toll, nicht nur die Helden wiederzuerleben, sondern auch Dumbledore, Snape und McGonagall.

Am besten am Skript finde ich jedoch Albus Severus Potter, Scorpius und ihre Freundschaft gegen alle Widerstände. Die Botschaft, dass die Söhne von Harry Potter und Draco Malfoy beste Freunde werden und so die beiden Familien zusammen bringen können (na ja, ein bisschen optimistisch ausgedrückt), finde ich toll. Auch dass Albus nach Slytherin gekommen ist und damit das Bild relativiert wird, dass die Mitglieder des Hauses Slytherin nur „die Bösen“ sind.

Was hat mir nicht gefallen?

Da gab es leider einiges. Ich habe die ersten 7 Bände bestimmt 20x gelesen, ich bilde mir ein zu wissen, wie Joanne K. Rowling schreibt – und dieses Buch war nicht sie. Ich habe ihre persönliche Note vermisst. Es waren einige Stellen drin, bei denen ich mir gedacht habe: „Was haben sie da gemacht? Das würde Joanne K. Rowling nie schreiben!“ An einer Stelle habe ich mir das Buch vor lauter Frust über einen gezwungenen Slapstick-Moment (S. 88-89, falls jemand wissen will, was ich meine) sogar stöhnend gegen die Stirn geschlagen. Und ich gestehe, in diesem Moment war ich kurz davor, es abzubrechen.

Doch nicht nur die Szenen waren befremdlich, sondern vor allem Harry Potters Entwicklung. Auch wenn uns Lesern natürlich 19 Jahre dazwischen aus seinem Leben fehlen und sich Menschen mit der Zeit ändern, hatte ich manchmal das Gefühl, nicht mehr Harry Potter vor mir zu haben. Ein paar Änderungen kann ich ja noch verstehen, schließlich werden Jugendliche irgendwann erwachsen, aber das waren mir zu viele, sodass ich seine Figur insgesamt einfach als falsch empfunden habe.

Ein paar Logikfehler habe ich gefunden. Oder vielleicht habe ich es einfach nicht verstanden, wie man Leute, die auf einer Zeitreise und damit nicht mehr auf der Karte des Herumtreibers zu sehen sind, plötzlich wieder auf dieser auftauchen und verschwinden können? Das ganze Zeitreise-Konzept scheint mir nicht hundertprozentig rund zu sein.

An einer anderen Stelle hat Albus Potter einen Zauberstab, obwohl sein eigener zerbrochen ist und niemand ihm einen neuen besorgt hat. Wo hat er den plötzlich her?

An die Skript-Form habe ich mich irgendwann gewöhnt, obwohl noch einige bizarre Momente – die Traumszenen – übrig geblieben sind. Was ich jedoch vermisst habe, war eine Ebene der Geschichte, die jedes der anderen Bücher für mich hatte: dieser besondere Zauber, der mich in die Geschichte gesogen hat und nicht mehr losließ. Das Buch war mir durch die Form zu oberflächlich – uns Lesern fehlt ja eine entscheidende Ebene: die der Aufführung -, auch die Tatsache, dass Beschreibungen kaum vorhanden waren, entzog meiner Phantasie viel von der Bildhaftigkeit der Geschichte. Dennoch fand ich die Skriptform nicht grundsätzlich schlecht, aber ich gestehe, ich hätte mir einen richtigen Roman gewünscht.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Puh, das ist echt schwer zu sagen. Ich hatte mir mehr versprochen, doch ich wollte nach meinem zunächst etwas enttäuschten ersten Eindruck etwas Zeit verstreichen lassen und habe für die Rezension das Buch mit etwas Abstand daher noch einmal gelesen.

Auch wenn die Form als Drehbuch fürs Theater im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig ist, so ist man doch beim Lesen schnell in der Geschichte. Neben der überzeugenden Ausgangsidee haben mir auch die neuen Figuren gut gefallen, jedoch merkt man den Unterschied zu den früheren Bänden, insbesondere bei den bekannten Figuren und hauptsächlich bei Harry Potter, der stark verändert erscheint. Bei der Umsetzung gibt es ein paar irritierende Stellen, insgesamt ist die Hommage an Joanne K. Rowling jedoch gelungen, auch wenn das Skript beim Weitem nicht an das Original heranreicht.

Wem würde ich „Harry Potter und das verwunschene Kind“ empfehlen?

Auch wenn es mich nicht hundertprozentig überzeugen konnte, ist das Buch für jeden echten „Harry Potter“-Fan ein Muss.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenAls großer Fan kann ich euch natürlich die anderen Bände nur wärmstens ans Herz legen. Dies ist die „Harry Potter“-Reihe:

  1. „Harry Potter und der Stein der Weisen“
  2. „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“
  3. „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“
  4. „Harry Potter und der Feuerkelch“
  5. „Harry Potter und der Orden des Phönix“
  6. „Harry Potter und der Halbblutprinz“
  7. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“

19 Jahre nach dem Ende des 7. Bandes angesiedelt folgt dann „Harry Potter und das verwunschene Kind“.

Als Gegenentwurf zum weltberühmten Zauberschüler haben auch die beiden Bestsellerautorinnen Cassandra Clare und Holly Black eine Reihe über einen jungen Zauberschüler begonnen. Worin sich „Magisterium“ von „Harry Potter“ unterscheidet und ob es sich lohnt, die Reihe zu beginnen, könnt ihr in meiner Rezension zum ersten Band „Der Weg ins Labyrinth“ nachlesen.

Die Website von Joanne K. Rowling:

Mehr über die weltberühmte Bestsellerautorin und Erschafferin von „Harry Potter“ und ihre Werke könnt ihr auf Joanne K. Rowlings Website erfahren: http://www.jkrowling.com/

Das Buch:

Buchcover des 8. Harry Potter-Bandes336 Seiten

gebunden

September 2016

Carlsen Verlag

Preis: 19,99 € (D)

ISBN: 978-3-551-55900-5

Originaltitel: „Harry Potter and the Cursed Child – Part One and Two (Special Rehearsal Edition)“

Deutsche Übersetzung: Klaus Fritz und Anja Hansen-Schmidt

 

Herzlichen Dank an den Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar!

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