Jasmin Rollmann „Die Chroniken von Maldea“

Inhaltsangabe:

fliegender Drache am HimmelDrachenJugendbuchMagische WeltMaldea befindet sich im Krieg. Nachdem der grausame Herrscher der Südlande, der Elb Karaian, vor kurzem mit seiner Armee Van’Valor, die Hauptstadt des Nordens, erobert und den König getötet hat, scheint die Eroberung des kompletten Nordreichs unabwendbar.

Die Hoffnung der Bewohner des Nordens ruht nun auf der Prophezeiung des Sehers Inébis, der Rettung durch einen Drachen versprach. Nur sind die Drachen schon seit langer Zeit verschwunden …

Da erwachen in dem jungen Mann Elias in dem abgelegenen Ort Alderun merkwürdige Fähigkeiten und er erfährt, dass er der Feuerprinz, der letzte Drache, ist und nur er Karaian noch aufhalten kann. Während er und seine Freundin Mia sich auf eine gefährliche Reise zu den Elben begeben, um Elias auf seine Bestimmung vorzubereiten, schwört auch der junge Krieger Martin, Karaian zu stoppen.

Doch der dunkle Magier und Tyrann ist sich der Gefahr durch den Drachenprinzen bereits bewusst und holt schon zum Schlag gegen sie aus. Wird es Elias, Mia und Martin gelingen, ihn aufzuhalten?

Meine Meinung:

Die Idee des Buchs fand ich total spannend. Außerdem reizte es mich sehr, High Fantasy aus der Feder einer jungen deutschen Debütautorin kennen zu lernen, daher habe ich mich sehr gefreut, als ich vom Piper Verlag „Die Chroniken von Maldea“ als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe. Herzlichen Dank dafür!

Worum geht es im Roman?

Jasmin Rollmanns Roman ist ein klassischer High Fantasy-Roman, in dem das Schicksal des Reichs Maldea auf dem Spiel steht und die Guten – verkörpert durch Elias, Mia, Martin und ihre Freunde – das Böse, nämlich Karaian, daran hindern müssen, das nördliche Reich zu erobern und zu vernichten. Der Kampf Gut gegen Böse wird ergänzt durch zahlreiche kleine und große Abenteuer, Liebesgeschichten und phantastische Wesen wie Elben, Halbelben, Drachen, Naturgeister und weitere interessante Figuren und Kreaturen.

Die Hauptfiguren:

Es gibt drei primäre Hauptfiguren in dieser Geschichte: Elias, Mia und Martin. Alle drei sind junge Erwachsene und Menschen – muss man vielleicht in dieser Welt dazusagen 🙂 – oder jedenfalls denkt Elias, dass er ein normaler Mensch ist.

Er und seine beste Freundin Mia, in die er heimlich schon seit längerer Zeit verschossen ist, sind in dem abgelegenen Ort Alderun aufgewachsen. Als ewig kränkelnde Waise hatte er es nicht leicht (warum er ständig krank ist, wird irgendwie nicht erklärt), als jedoch die Seele des Drachen, die er zusätzlich zu seiner Menschenseele in sich trägt, erwacht, verändert er sich plötzlich. Elias ist nicht nur urplötzlich gesund und verfügt über übermenschliche Kräfte, er entwickelt auch magische Kräfte und muss lernen, mit seiner Drachenseite im Einklang zu leben. Das fällt ihm nicht leicht, seine Liebe zu Mia unterstützt ihn dabei jedoch.

Auch Mia liebt Elias insgeheim schon und als seine Bestimmung offenbar wird, folgt ihm die junge Bogenschützin auf das Abenteuer.

Ich muss gestehen, ich kann gar nicht viel mehr zu ihr sagen, denn Jasmin Rollmann gibt uns kaum Zeit, die Figuren, ihre Eigenheiten und ihre Vergangenheit kennenzulernen, bevor sie ihre Helden und uns Leser auf die Reise schickt.

Auch bei der dritten Hauptfigur Martin sieht es ähnlich aus. Wir erfahren nicht viel mehr als, dass er ein Krieger sowie der Ziehsohn des getöteten Königs ist und laut Testament auch sein Erbe. Dann schließt er sich dem Widerstand an, den er innerhalb kürzester Zeit leitet, begibt sich auf die Suche nach dem Drachen, erfährt, dass es ihm bestimmt ist, sein Freund zu werden – und plötzlich ist er gefühlt zu „Elias‘ Helfer“ degradiert, ähnlich wie Mia die Funktion „Elias‘ Freundin“ ausfüllt.

Ich muss gestehen, ich wurde während des Lesens nie mit den Figuren warm. Leider nimmt sich die Autorin wenig Zeit, das Gefühlsleben der Figuren auszuarbeiten. Hin und wieder wird erzählt, dies oder das würden die Figuren empfinden, aber trotz all der „Ich liebe ihn/sie/dich“, kommt zum Beispiel die Liebe zwischen Elias und Mia nicht wirklich bei mir an. Die Gefühle werden nicht oder kaum gezeigt („Show, don’t tell“-Prinzip), sie werden für den Leser nicht erlebbar gemacht.

Leider geht das so weit, dass innerhalb weniger Seiten und Szenen Fremde zu Freunden deklariert werden, diese sterben und nach einem kurzen Moment des Entsetzens über den Tod des „guten Freunds“ (einmal hatte ich das Gefühl, die beiden Freunde hatten noch nie eine gemeinsame Szene) das Leben weiter geht wie bisher und an den guten Freund ein paar Seiten weiter schon gar nicht mehr gedacht wird – Kennenlern-Phase, Entwickeln der Freundschaft, Trauer und andere Emotionen Fehlanzeige!

Hinzu kommt, dass die Emotionen, die Figuren angeblich empfinden – leider war ich irgendwann an einem Punkt angekommen, dass ich keine von ihnen mehr geglaubt habe – teilweise so widersprüchlich und wankelmütig erschienen, dass mich das sehr gestört hat. Die Figuren wirkten so zum Teil jünger und unreifer als ihr Alter bzw. zum Teil einfach inkonsistent. Manchmal habe ich mich gefragt, ob die Charaktere jetzt so fühlen oder ob sie aus der Sicht der Autorin so fühlen sollten.

Bin ich zu alt für dieses Buch? Zu kritisch? Das habe ich mich besonders zu Anfang gefragt. Fakt ist, dass das Buch mich emotional nicht berührt hat und ich mich mit den Figuren leider zu keinem Zeitpunkt identifizieren konnte oder auch nur mit ihnen warm wurde.

Gehört das Buch zu einer Reihe?

Ich habe gehört, dass der Roman der Auftakt zu einer Trilogie sein soll. Es wird daher noch 2 weitere Bände geben.

Wie liest sich das Buch?

Der High Fantasy-Roman hat ein sehr hohes Erzähltempo. Es passiert unheimlich viel auf den 500 Seiten. Ich fühlte mich – besonders zu Anfang – sehr stark an „Eragon“ erinnert, da die Welten und viele Elemente sich doch sehr ähnlich sind. Doch Jasmin Rollmann weicht schnell von bekannten Pfaden ab und entwickelt viele eigene Ideen und liefert viele überraschende und unerwartete Wendungen.

Leider ging es mir hier wie auch bei der Figurengestaltung: Manches ging mir zu schnell. Ich habe häufiger dagesessen und gedacht: „Moment mal! Eben waren sie doch noch … Wie kommen sie denn jetzt da hin/in diese Situation?“ Besonders fiel mir das auf, wenn die Erzählung einen Sprung gemacht hat. Der kausale Zusammenhang war mir dann nicht klar, ich kam nicht immer mit und musste schauen, dass ich mich erst wieder eindenke, während die Handlung aber weiter in einem hohen Tempo voranschritt. Gefühlt bin ich den ganzen Roman lang der Geschichte und den Figuren hinterher gerannt, habe es nur selten geschafft sie einzuholen und leider nie für längere Zeit, mit ihnen mitzuhalten. Die Geschichte hat mich abgehängt. 🙁

Was hat mir besonders gut an „Die Chroniken von Maldea“ gefallen?

Jasmin Rollmann hat viele gute Ansätze und Ideen, die sie in ihre Welt und die Handlung einbringt. Toll fand ich die Karte zu Beginn des Romans, die ich häufig genutzt habe, um mich zu orientieren, denn die Figuren bereisen wirklich fast jeden Ort darauf. Auch das Glossar mit Begriffserläuterungen und Übersetzungen der elbischen Begriffe sowie die Auflistung der Figuren am Ende des Buchs war sehr hilfreich – leider habe ich es jedoch erst entdeckt, als ich schon mit dem Lesen fertig war. Nun ja.

Was hat mir nicht gefallen?

Ich muss leider sagen, dass die Stärke des Fantasyromans – das hohe Erzähltempo – auch seine große Schwäche ist. Leider bietet die Autorin uns nicht die Zeit und Muße, die Charaktere kennen zu lernen und sie ins Herz zu schließen, stattdessen jagt sie uns von einem Abenteuer ins nächste. So wird es zwar nicht langweilig, aber andererseits fehlt die emotionale Verbundenheit mit den Figuren beim Lesen komplett.

Auch hat mir nicht gefallen, dass vieles erzwungen und nicht charakter-konsistent wirkte. Man merkt, dass die Autorin eine bestimmte Vorstellung von der Handlung im Kopf hatte und diese umgesetzt hat, dabei hat sie es allerdings versäumt, die Beweggründe hinter diesen willkürlich erscheinenden Entscheidungen uns Lesern ebenfalls deutlich zu machen.

Alles in allem entstand bei mir den Eindruck, dass es Jasmin Rollmann bei ihrem Debütroman noch nicht gelungen ist zu erkennen, welche Elemente ihrer Geschichte tatsächlich beim Leser ankommen. Vieles wird einmal erwähnt, zum Beispiel die Naturgeister, und dann als gegeben und erklärt (vielleicht ist das ja so im Glossar, aber das habe ich ja beim Lesen nicht benutzt) vorausgesetzt. Besonders bei den Naturgeistern habe ich lange gebraucht, um zu verstehen, was mit welchem Begriff gemeint ist und welche Rolle sie spielen.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Ich wollte „Die Chroniken von Maldea“ mögen. Denn eigentlich bietet der High Fantasy thematisch und inhaltlich alles, was es braucht, um mich wirklich zu fesseln. Die Welt und das Thema sind genau meins.

Doch leider gelang es mir nicht. Ich fühlte mich als Leser nicht abgeholt, besonders emotional blieb aufgrund der schwachen Figurengestaltung vieles auf der Strecke, und musste mich während des Lesens die ganze Zeit bemühen, der Handlung zu folgen, weil das Lesetempo konstant sehr hoch war. Durch den fehlenden Bezug zu den Charakteren empfand ich das jedoch als sehr anstrengend und ich habe mich hin und wieder dabei ertappt, dass ich gedanklich abgeschaltet hatte und Seiten noch einmal lesen musste, um nicht völlig den Anschluss zu verlieren.

Tolle Ideen, aber leider merkt man, dass „Die Chroniken von Maldea“ der Debütroman der jungen Autorin Jasmin Rollmann ist und dass es an einigen Stellen noch in der Umsetzung hapert.

Wem würde ich den Roman empfehlen?

Für mich ist der Roman eher Jugendfantasy als All Age- oder Erwachsenen-Fantasy. Besonders das hohe Erzähltempo und die Figurengestaltung sprechen in meinen Augen eher jüngere Leser an.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Wann die Fortsetzung zu „Die Chroniken von Maldea“ erscheint, steht bislang noch nicht fest.

Wer die Wartezeit überbrücken möchte oder sich für ähnliche High Fantasy-Romane mit Drachen und Elben interessiert, dem kann ich die „Eragon“-Reihe von Christopher Paolini empfehlen. Alles beginnt, als der Bauernjunge Eragon ein Drachenei findet, aus ihm die intelligente Drachin Saphira schlüpft und er als erster Drachenreiter einer neuen Generation die Menschen und Elfen gegen den Tyrannen Galbatorix ins Feld führen soll. Das spannende Abenteuer beginnt in „Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“.

Die Website von Jasmin Rollmann:

Mehr über die junge Fantasyautorin erfahrt ihr im Interview mit Jasmin Rollmann auf der Website des Piper Verlags , eine eigene Website der Autorin habe ich bislang noch nicht entdecken können.

Das Buch:

fliegender Drache am Himmel512 Seiten

Paperback

April 2016

Piper Verlag 

Preis: 12,99 € (D)

ISBN: 978-3-492-28047-1

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