Kai Meyer „Die Spur der Bücher“

Inhaltsangabe:

goldene Skizze einer Straße mit alten Gebäuden auf grünem GrundLondon zur Zeit von Königin Victoria: Die 19-jährige Bibliomantin Mercy Amberdale arbeitet als Detektivin und Auftragsdiebin. Seit einer Tragödie hat sie ihre Magie und ihr früheres Leben hinter sich gelassen und besorgt nun für andere Bibliomanten wertvolle Bücher. Doch als ihr altes Leben sie eines Tages einholt und ein mysteriöser Todesfall eines Bekannten sie an eine Schuld erinnert, beginnt Mercy zu ermitteln.

Die Spur führt sie quer durch London, zu ehrwürdigen Bibliomanten und Literaturkritikern, der Adamitischen Akademie, aber auch zu Verlegern und Autoren von Groschenheften, den sogenannten Penny Dreadfuls. Aber wer von ihnen hatte ein Interesse daran, ihren Bekannten zu töten, und welche Rolle spielt der recht unbekannte Roman eines deutschen Autors namens Siebenkreutz dabei?

Meine Meinung zu „Die Spur der Bücher“:

Da ich die Trilogie „Die Seiten der Welt“ geliebt habe, habe ich mich riesig darüber gefreut, als Kai Meyer eine neue Reihe aus demselben Universum angekündigt hat. Dementsprechend waren meine Erwartungen zu „Die Spur der Bücher“ recht hoch.

Worum geht es im Roman?

Wie der Titel schon anklingen lässt, geht es um Spuren. Bei „Die Spur der Bücher“ handelt es sich also um einen phantastischen Detektivroman.

Er spielt im 19. Jahrhundert, fast 50 Jahre nach der Gründung des Scharlachsaals durch die 5 großen bibliomantischen Familien. Bei Bibliomantik handelt es sich um die Kunst, aus Büchern Magie zu wirken. Eine Kunst, die jedoch nicht auf Bücher und die großen Bibliomanten-Familien beschränkt ist – sehr zu deren Ärger, wie wir nun erfahren dürfen. Denn einige Menschen sind auch fähig, Magie aus Groschenheften, den sogenannten Penny Dreadfuls, die mit am Fließband erzeugten und häufig reißerischen Fortsetzungsgeschichten ihre Leserschaft in London haben, zu erzeugen. Und neben der Magie der Bücher und der Magie der Geschichten es gibt noch eine dritte Form der Magie, die Magie der Wörter, die ebenfalls im Auftakt des Prequels zu „Die Seiten der Welt“ eine Rolle spielt.

Auslöser der Detektivgeschichte sind ein Todesfall, ein unerklärliches Verschwinden und ein seltenes Buch, die Mercy, die Protagonistin des Romans, zunächst widerwillig, auf eine Suche quer durch London, elitäre bibliomantische Kreise, Buchhandlungen und zu Verlagen und Autoren von Penny Dreadfuls führt. Und mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Die Hauptfiguren:

Mercy Amberdale ist eine junge Frau und Buchmagierin, eine sogenannte Bibliomantin, die von einem tragischen Ereignis geprägt und verändert wurde. Sie ist die Ziehtochter des Buchhändlers Valentine, von ihm hat sie die Liebe zu Büchern und zur Bibliomantik geerbt, nur dass Mercy ihre Magie aufgegeben hat und sich seitdem einen Namen als geschickte Aufspürerin und Beschafferin von seltenen Büchern gemacht hat.

Philander ist ein früherer Freund von Mercy. Er ist ein Verkäufer von Penny Dreadfuls und ein eher durchschnittlicher Magier, der seine Kräfte aus den Groschenheften bezieht.

Tempest ist Philanders Freundin und etwas jünger als er und Mercy. Sie ist äußerst begabt, auch wenn sie zurzeit noch ihre magische Kraft aus den Penny Dreadfuls schöpft, glauben alle, dass sie bald zur vollwertigen Bibliomantin aufsteigen und ihr Seelenbuch finden wird.

Edward Thorndyke ist Londons bekanntester Literaturkritiker und ein Bibliomant aus der Loge des erlesenen Geschmacks.

Der junge und charismatische Marquis Cedric Sebastien de Astarac ist ein Bibliomant. Er möchte unbedingt Mitglied der Loge des erlesenen Geschmacks werden, doch seine wahren Motive sind ein Geheimnis.

Percival Faerfax ist ebenfalls ein junger Bibliomant, der Umgang mit Thorndyke und der Loge des erlesenen Geschmacks pflegt.

Malahide ist ein beliebter Autor von düsteren Penny Dreadfuls.

Florence Oakenhurst ist Verlegerin und Autorin von Penny Dreadfuls. Sie verlegt unter anderem auch Malahide.

Phileas Sedgwick ist der wichtigste von Mercys Auftraggebern und arbeitet als Commissioner bei der Polizei.

Gehört das Buch zu einer Reihe?

Ja, „Die Spur der Bücher“ ist der Auftakt zu einer neuen Trilogie aus dem Bücheruniversum „Die Seiten der Welt“ von Kai Meyer.

Wie liest sich das Buch?

Die Erzählung folgt hauptsächlich Mercy, der Protagonistin. Gelegentlich unterbrechen einzelne Szenen aus der Sicht von Philander und Tempest die Haupthandlung und fügen weitere interessante Facetten zur Welt der Bibliomantik hinzu.

Man kann sich gut in Mercy hineinversetzen und das Buch baut gut die Atmosphäre der Zeit (London im viktorianischen Zeitalter) und der Bibliomantik auf. Jedoch brauchte ich dennoch ein paar hundert Seiten, bis die Ereignisse mich so sehr in den Bann geschlagen haben, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte und den Rest in einem Rutsch durchlesen musste.

Was hat mir besonders gut an „Die Spur der Bücher“ gefallen?

Ich mochte Mercy. Als Leser kann man sich gut in sie hineinversetzen und nachvollziehen, wie sie so geworden ist. Auch Philander und Tempest waren sympathische Charaktere.

Mir gefiel, dass die beiden mit den Penny Dreadfuls, die sie statt eines Seelenbuchs (diese spenden den Bibliomanten Kraft) nutzen, einen neuen Aspekt in die Welt der Bibliomantik gebracht haben. Auch die anderen Neuerungen wie den Veterator, der Besserwisser, das Schlüssellochglas und die mörderischen Scheren fand ich interessant und gelungen.

Nicht nur die Magie der Bücher (die Bibliomantik) und die Magie der Geschichten (Penny Dreadfuls) spielen im Auftakt der neuen Trilogie eine Rolle, sondern auch die antike Magie der Wörter. Mir gefiel außerdem, dass Kai Meyer alte bekannte Elemente mit neuen Elementen und Charakteren verbindet. So gibt es unter anderem ein Wiedersehen mit Fornax, dem Feuerwesen, das wir schon aus der ersten Trilogie kennen, mit einem Faerfax und anderen Mitgliedern der großen Familien und auch Alexandre Absolon, dessen Bücher ja schon in „Die Seiten der Welt“ für Probleme sorgten, spielt indirekt wieder eine Rolle.

Was hat mir nicht gefallen?

Ich muss gestehen, auch wenn ich die neuen Facetten mochte, kamen sie mir teilweise ein wenig spät. Dadurch dass Mercy der Bibliomantik abgeschworen hat und „Die Spur der Bücher“ keine Abenteuer-, sondern eine Detektivgeschichte ist, von der ich anfänglich nicht wusste, wo sie hinführen soll, fehlte mir ein wenig der Zauber und die Spannung der ersten drei Romane. Spannung gibt es auch, aber zwischendrin auch wieder Phasen, wo ich mich gefragt habe, wann Mercy mehr macht, als nur Fragen zu stellen. Auch mochte ich Furia aus „Die Seiten der Welt“ einfach ein wenig mehr als Mercy, auch wenn sich im Laufe des Romans herausstellt, dass Mercy mehr Geheimnisse hat, als selbst sie ahnt.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Ein gelungener Auftakt zu einer neuen Trilogie aus der Welt von „Die Seiten der Welt“ mit einer interessanten neuen Protagonistin und neuen Ideen, der mich jedoch leider nicht ganz so begeistern konnte wie „Die Seiten der Welt“.

Wem würde ich „Die Spur der Bücher“ empfehlen?

Alle Fans von „Die Seiten der Welt“, phantastischen Detektivgeschichten und historischer Fantasy kann ich dieses Buch ans Herz legen.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen„Die Spur der Bücher“ ist der erste Band der Prequel-Trilogie zu „Die Seiten der Welt“ von Kai Meyer. Der zweite Band „Der Pakt der Bücher“ erscheint im Herbst 2018.

Auch wenn die neue Trilogie unabhängig gelesen werden kann, würde ich empfehlen, mit „Die Seiten der Welt“ zu beginnen, da dort die Bibliomantik in meinen Augen ausführlicher eingeführt und beschrieben wird. Auch gibt es in „Die Spur der Bücher“ Anspielungen auf bestimmte historische – und zukünftige – Ereignisse, die man nicht versteht, wenn man die erste Trilogie nicht kennt. Meine empfohlene Reihenfolge zum Lesen:

  1. „Die Seiten der Welt“
  2. „Die Seiten der Welt – Nachtland“
  3. „Die Seiten der Welt – Blutbuch“
  4. „Die Spur der Bücher“ (Band 1 der neuen Trilogie)

Wer Bücher über magische Bücher liebt, dem kann ich auch Cornelia Funkes „Tinten“-Trilogie oder Jim C. Hines „Die Buchmagier“-Reihe empfehlen. Buchcharaktere, die zum Leben erwachen, in die phantastische Welt des Romans reisen oder Artefakte aus einem beliebigen Buch herausholen und einsetzen – das ist in den beiden Reihen problemlos möglich.

Die Website von Kai Meyer:

Kai Meyer ist einer der bekanntesten und ideenreichsten deutschsprachigen Fantasyautoren. Zahlreiche Bücher und Bestseller aus seiner Feder sind bereits erschienen. Wer sich einen Überblick über seine Werke verschaffen und mehr über den Autor erfahren will, dem empfehle ich einen Besuch auf Kai Meyers Website http://www.kai-meyer.de/.

Ebenfalls einen Besuch wert ist auch die Website zur Buchreihe „Die Seiten der Welt“: www.seiten-der-welt.de.

Das Buch:

goldene Skizze einer Straße mit alten Gebäuden auf grünem Grund448 Seiten

gebunden

August 2017

Fischer FJB Verlag 

Preis: 19,99 € (D)

ISBN: 978-3-84144005-1

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