Maggie Stiefvater „Wen der Rabe ruft“

Inhaltsangabe:

grünliches Buchcover mit hohen, kahlen Bäumen zu "Wen der Rabe ruft"Die 17-jährige Blue Sargent hat schon seit frühster Kindheit von ihrer Mutter, ihren Tanten und anderen Wahrsagerinnen gehört, dass sie ihre große Liebe mit einem Kuss töten würde. Lange Zeit kam es ihr unwahrscheinlich vor, dass sie überhaupt einen Jungen aus ihrem Heimatort Henrietta küssen würde, schließlich gehen die meisten von ihnen auf die vornehme Aglionby Academy für Jungen, deren Schüler alle keinen guten Ruf haben.

Doch als sie bei einer Kirchenwache in einer Aprilnacht den Geist eines Jungen namens Gansey trifft, der innerhalb des nächsten Jahres sterben wird, und sich ihre Wege kurz darauf mit dem wohlhabendem, exzentrischen Aglionby-Schüler kreuzen und sie ihn und seine Freunde, die Raven Boys, kennen lernt, da ahnt sie nicht, dass die Begegnung nicht nur ihr Leben, sondern auch dass ihrer neuen Freunde verändern und einige mysteriöse Vorfälle verursachen wird.

Meine Meinung zu „Wen der Rabe ruft“:

Kennt ihr das, wenn ihr um einen Autoren herumschleicht und euch nicht ganz sicher seid, ob seine Bücher euch gefallen? So ging es mir mit Maggie Stiefvater, bevor ich gestern zu „Wen der Rabe ruft“ gegriffen und einfach angefangen habe.

Worum geht es im Roman?

Im Roman geht es um Themen, die sonst eher weniger im Jugendbuch zur Sprache kommen: Wahrsagerei, Ley-Linien, Geschichte und Magie, Geister und der Tod. Aber es geht auch um Freundschaft, um Trauer, um Wut, darum Entscheidungen zu treffen und erwachsen zu werden.

Die Mysterien und die übernatürliche Suche der Raven Boys sind vermischt mit weltlichen Problemen der Jugendlichen. Jeder der vier Jungen und auch Blue hat ein Geheimnis, das sie vor den anderen verbergen, und diese sind (fast) alle übernatürlicher Art. Ich verrate hier nicht welche, das müsst ihr selbst herausfinden. 🙂

Auf jeden Fall finde ich es eine interessante Mischung und lange war mir nicht klar, ob wirklich etwas Übernatürliches passiert, ob ich hier einen Mystery-Roman oder einen Fantasy-Roman lese. Doch schon bald waren die Fragen vergessen und die Antworten unwichtig. Fakt ist, dass dies ein sehr spannendes Buch ist.

Die Hauptfiguren:

Es gibt mehrere Haupt- und Erzählfiguren in diesem Roman. Neben Blue, Adam und Gansey gewährt uns die Autorin auch Einblick in die Gedanken und Gefühle von Barrington Whelk, doch obwohl auf diese Weise ein etwas weiterer Blick auf die Ereignisse geworfen wird, versteht Maggie Stiefvater es doch geschickt, die entscheidenden Geheimnisse lange Zeit vor ihren Lesern zu verbergen, sodass die Identifikation mit den fünf Freunden mit Rätseln einhergeht.

Zum einen ist da Blue Sargent, die Einzige in ihrer Familie und dem Haus am Fox Way, die nicht über das Wahrsage-Gene verfügt. Ihre Mutter Maura, ihre Tanten Persephone, Jimi, Calla und Neeve sowie ihre Cousine Orla haben reichlich davon abbekommen und leben von ihren Gaben. Blue hilft zwar bei Kundenterminen und Ritualen, aber irgendwie gehört sie nicht ganz dazu. Durch die Prophezeiung, dass sie ihre große Liebe töten wird, wenn sie ihn küsst, hält sie sich auch von Jungs fern, bis Adam, einer von den Raven Boys, ihr Interesse erregt.

Gansey, eigentlich Richard „Dick“ Campbell Gansey III., ist ein exzentrischer schwerreicher 17-jähriger Wissenschaftler. Er ist nur auf die Aglionby Academy gewechselt, um die Ley-Linien von Henrietta zu finden, zu erforschen und zu wecken. Geheimnisse und Mysterien sind sein Lebensinhalt. Durch eine Begegnung mit dem Übernatürlichen wurde seine Faszination, die an Besessenheit grenzt, geweckt. Seitdem erforscht er Ley-Linien und findet häufig Dinge, die andere nicht finden. Er steht im Zentrum der ungleichen Raven Boys.

Zu ihnen gehört auch Adam Parrish, ein höflicher, zurückhaltender und auch ein wenig stolzer Junge. Er kommt aus ärmlichen und schwierigen Verhältnissen. Dennoch will er auf keinen Fall, dass Gansey ihm hilft. Er will es aus eigener Kraft schaffen und hat so auch ein Stipendium für die Aglionby Academy bekommen.

In Ronan Lynch steckt seit dem Tod seines Vaters eine Menge Wut, Schmerz und andere Gefühle und Geheimnisse. Mit seinem älteren Bruder Declan kommt er nicht klar und auch mit anderen gerät er häufig aneinander. Der Einzige, auf den er hört, ist Gansey.

Der Vierte in der Clique der Raven Boys ist Noah, ein zurückhaltender, etwas scheuer Junge, der immer leicht schmuddelig und unordentlich wirkt. Er ist so ruhig, dass man ihn übersehen könnte, und folgt in der Regel den Entscheidungen seiner Freunde.

Eine Rolle spielt zudem neben den Familien der fünf Freunde auch noch der junge Lateinlehrer Barrington Whelk.

Gehört das Buch zu einer Reihe?

Ja, der Roman ist der 1. Band der „Raven Boys“-Reihe.

Wie liest sich das Buch?

Ich fand es geheimnisvoll und spannend. Nicht so, dass ich vor lauter Herzrasen an den Fingern knabbern oder sehnsüchtig einem Kuss entgegen fiebern würde, denn obwohl eine Anziehung zwischen Blue und Gansey angedeutet wird, geschieht in diesem Band recht wenig in diese Richtung.

Es geht mehr um die Frage, was hinter alledem steckt, was die Geheimnisse sind und was sie bedeuten. Und hierbei sind alle fünf Freunde wichtig und nicht nur einer oder zwei. Daher war ich neugierig, ob es ihnen gelingen würde, den Rätseln auf die Spur zu kommen und warum sie ihnen so wichtig sind. Romantik oder gar Action stehen in diesem Buch eher im Hintergrund hinter den Geheimnissen.

Was hat mir besonders gut an „Wen der Rabe ruft“ gefallen?

Dass es nicht nur in erster Linie um eine Liebesgeschichte zwischen zwei Teenagern geht, sondern um alle vier Jungen und um Blue. Die Freundschaft und ungewöhnlichen Beziehungen der Hauptfiguren fand ich beinahe noch besser umgesetzt als die Rätsel um Henrietta, Blues Heimatstadt, und die Ley-Linien.

Die Charaktere sind so ungewöhnlich, auch das ist ein großer Pluspunkt des Romans. Ich mochte sowohl den exzentrischen Gansey, die neugierige Blue, den stolzen Adam als auch den scheuen Noah oder den wütenden Ronan. Die Familien von Blue und Gansey fand ich ebenfalls faszinierend.

Auch das Mystery-Thema des Romans – Geister und Wahrsagerei – fand ich wirklich mal was anderes und sehr erfrischend. Ich war die ganze Zeit gefesselt und wollte wissen, was hinter alledem steckt.

Was hat mir nicht gefallen?

Ich könnte nicht sagen, dass mir etwas nicht gefallen hat. Ich habe nur etwas ein wenig vermisst: nämlich das Wow-Gefühl. Woran es liegt, kann ich nicht recht sagen. Möglicherweise daran, dass ich mehr Action oder gefährliche Romantik erwartet hätte, obwohl es gut so war, wie alles kam. Schließlich ist es ja nur der 1. Band der Reihe.

Vielleicht lag es auch daran, dass mir die Hintergründe – Ley-Linien, der schlafende Rabenkönig Glendower, etc. – zu sehr Mystery waren und zu wenig Fantasy. Seltsamerweise fällt es mir leichter, mich in eine komplette Fantasywelt hineinfallen zu lassen, als die magische Seite von Mysterien und Mythen zu akzeptieren. Und ja, ich weiß, das klingt verrückt.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Insgesamt hat mir der Auftakt der „Raven Boys“-Reihe gut gefallen. Ich werde definitiv weitere Romane von der Autorin lesen und habe auch schon den 2. Band der Reihe gekauft. Handlung und Charaktere des Romans waren stimmig, ungewöhnlich und interessant. Es war schön, mal was anderes als sonst im Jugendfantasy-Bereich zu lesen. Maggie Stiefvater kommt auf jeden Fall auf meine Merkliste!

Wem würde ich „Wen der Rabe ruft“ empfehlen?

Ich würde den Roman Mystery-Leserinnen und –Lesern und Contemporary Fantasy-Fans ab 16 Jahren empfehlen. Wer mehr als nur eine Liebesgeschichte sucht und Geheimnisse ergründen und sich fragen will, ob es wirklich Magie gibt und was hinter einigen ungewöhnlichen Vorfällen steckt, der ist hier richtig.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

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Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenFür 5 Bücher fehlte mir das Wow-Gefühl, sonst hätte ich für den Plot, die Charaktere und das Thema definitiv die Bestwertung vergeben. So allerdings sind es sehr gute 4 Bücher und eine Empfehlung für Leser, die mal was Neues lesen wollen, geworden.

Die „Raven Boys“-Reihe umfasst 4 Bände:

  1. „Wen der Rabe ruft“
  2. „Wer die Lilie träumt“
  3. „Was die Spiegel wissen“
  4. „The Raven King“

Ihr liebt Mystery-Romane für Jugendliche und Erwachsene? Dann kann ich euch auch „Voodoo Girl“ von Roxanne Rivington sehr ans Herz legen. Dieses Buch hat mich umgehauen. Es geht um Voodoo, Haiti und die Suche eines jungen Mädchens, Zoe, nach seinen Wurzeln und den Geheimnissen seiner Familie. Ist Voodoo echte Magie oder Einbildung? Warum wird Zoe verfolgt? Spannende Fragen, zumal die Autorin geschickt die gegenwärtigen Ereignisse mit historisch bedeutsamen Geschehnissen auf Haiti verknüpft, deren Auswirkungen bis heute zu spüren sind.

Die Website von Maggie Stiefvater:

Mehr über die amerikanische Bestsellerautorin und ihre Romane erfahrt ihr auf ihrer englischen Homepage http://www.maggiestiefvater.com/ oder auf der deutschen Website www.maggiestiefvater.de.

Das Buch:

grünliches Buchcover mit hohen, kahlen Bäumen zu "Wen der Rabe ruft"464 Seiten

gebunden

Oktober 2013

Script5 (Loewe Verlag) 

Preis: 18,95 € (D)

ISBN: 978-3-8390-0153-0

Originaltitel: „The Raven Boys“

Deutsche Übersetzung: Jessika Komina und Sandra Knuffinke

 

Vielen Dank an den Loewe Verlag für das Rezensionsexemplar!

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