Marlena Anders „Schneeflüstern: Versuche zu lieben mit einem Herzen aus Eis“

Inhaltsangabe:

Buchcover mit blondem Mädchen und eisigem Schneeflocken-LookMagische WeltKönigreicheSpioneSie ist das Schneemädchen, das Mädchen ohne Gedächtnis, das in einer dunklen, eiskalten Nacht gefunden wurde und sich in Schneeflocken verwandeln kann: Prinzessin Skye, die Geliebte des jungen Königs von Nelefe, Zakarias II., auch Zahr genannt.

Als Zahr sie eines Tages über den Lichtersee zum Eisigen Hof schickt, um die intrigante Gräfin von Mesch auszuspionieren, trifft sie dort unerwartet auf einen anderen ihrer Art: den Wheáre Prinz Najun aus der Eiswüste, der sich ebenfalls in Schneeflocken verwandeln kann und Skye gefangen nimmt. Najun stellt sie vor die Wahl: Entweder sie spioniert für ihn Zakarias‘ Pläne aus oder ihr Geliebter stirbt.

Um ihren Liebsten zu retten, stimmt Skye zu. Doch bald darauf verstrickt sie sich in einem Netz aus Lügen und Intrigen. Ist wirklich alles so, wie es zu sein scheint?

Meine Meinung zu „Schneeflüstern“:

„Schneeflüstern“ ist einer jener Romane, auf die ich schon auf Wattpad aufmerksam wurde und dann irgendwie aus Zeitmangel nie lesen konnte. Als ich hörte, dass das E-Book bei Forever by Ullstein erscheint, dachte ich mir: Jetzt aber!

Worum geht es in „Schneeflüstern: Versuche zu lieben mit einem Herz aus Eis“?

Es ist nicht ganz so einfach zu sagen: Zum einen geht es um eine interessante Welt aus Eis und Schnee, die seit einigen Jahrzehnten in Dunkelheit und Dauerfrost liegt, und um vier Königreiche. Nelefe hat sich in einem Krieg, den Zahrs Vater geführt hat, von den anderen drei Königreichen von Nihilum abgespalten. Doch insgeheim schwelt der Konflikt zwischen den Königreichen weiter. Und so geht es in diesem High Fantasy-Roman in erster Linie um Intrigen, Machtkämpfe, verborgene Absichten, Lügen und Täuschungen. Das ist nicht nur für die Hauptfigur schwer zu durchschauen, sondern auch für den Leser. Insgesamt ist es eine Geschichte der Widersprüche.

Die Hauptfiguren:

Leider ziehen sich diese Widersprüche bis in die Charakter-Darstellung hinein, was es für den Leser schwer macht, sich mit den Figuren zu identifizieren. Ich gehöre zu den Lesern, die unbedingt eine Identifikationsfigur benötigen. Das heißt nicht, dass dies einer der Guten sein muss, ich muss die Figur nicht einmal mögen. Aber ich muss sie verstehen und nachvollziehen können, warum sie so handelt, wie sie handelt. Das ist in „Schneeflüstern“ leider schwierig.

Skye ist eine sehr widersprüchliche Person. Einerseits liebt sie Zahr, steht als Prinzessin, zu der er sie erhoben hat, an seiner Seite, unterstützt ihn und will vom Volk gemocht werden. Andererseits ist sie launisch, selbstgefällig, egozentrisch und auch grausam. Ihre Attacken gegen ihre Magd und zwei Grafen, die ihrer Angst vor einem Krieg Ausdruck verleihen, kommen aus dem Nichts und machen Skye unsympathisch. Der Versuch, ihren Ausbruch im Nachhinein mit ihrer Trauer um den verstorbenen König Zakarias I. zu erklären, scheitert. Irgendwie kamen diese Gefühle bei ihrem Ausbruch überhaupt nicht rüber, auch war Zahrs Vater ein kalter, berechnender und skrupelloser Mann, wie Skye selbst ihn an einer Stelle nennt. Ich kaufe ihr diese Liebe zum König, der ihr wie ein Ziehvater gewesen sei, als sie in den Palast kam, nicht ab.

Ein weiteres Beispiel: Skye beklagt die Bürde der Verantwortung, die sie und ihr Geliebter für das Königreich tragen, aber eigentlich ist sie in die täglichen Regierungsgeschäfte gar nicht eingebunden. Hin und wieder schickt Zahr sie auf eine Spionage-Mission, ansonsten hat sie nur repräsentative Pflichten.

Zahr sagt an einer Stelle zu Skye: „Dein Verstand ist so scharf und klar, dass ich mir manchmal dumm vorkomme. Du schaffst es, hinter jede Fassade zu blicken.“ Sorry, aber mehr kann man nicht danebenliegen. Skye ist absolut ignorant, was die Vorgänge im Königreich und im Palast angeht. Sie will nicht sehen, dass ihr Geliebter Zahr auf dem besten Weg ist, genauso wie sein Vater zu werden. Von ihrem Volk hat sie keine Ahnung, sie hat kein Verständnis für die Menschen, die ihr unterstehen, egal ob eines hohen oder eines niederen Ranges. Auch die anderen Beteiligten in den Intrigen durchschaut sie kein bisschen.

Das merkt man besonders an ihren Begegnungen mit Prinz Najun, der sie immer und immer wieder ausmanövriert. Skyes Reaktion darauf ist zunächst ein direkter Angriff und, als dieser scheitert, lange Zeit Passivität. Sie überlegt an keiner Stelle, wie sie ihren Liebsten, der von Najun, der zu Besuch im Palast weilt, bedroht wird, am besten warnen oder schützen kann. Stattdessen verrät sie ihn und seine Geheimnisse und als sie darauf keine Lust mehr hat, wird sie bockig und störrisch.

Najuns Beweggründe und Gefühle sind nicht nur für Skye, sondern auch für die Leser undurchsichtig. Er wird von einer anderen Figur ein Manipulator genannt, ja, das stimmt. Seine angebliche Vergangenheit mit Skye kommt in seinem Verhalten jedenfalls nicht rüber.

Auch Zahrs Verhalten, der nie so sein wollte wie sein Vater, ist mir unverständlich. Auch belügt er Skye und hat Geheimnisse vor ihr, eins sogar auf Wunsch seines verstorbenen Vaters. Warum?

Ich kann nachvollziehen, was Marlena Anders beabsichtigt hat, nämlich eine verwirrende Geschichte voller Intrigen zu schreiben, in der sich der Leser fragt, wem er noch trauen kann. Auch dass Skye eine Entwicklung durchlaufen soll, bei der ihr ihre Unwissenheit und ihre Scheuklappen langsam bewusst werden. Aber das macht das Lesen schwierig. Besonders am Anfang habe ich mir bei den Widersprüchen in der Erzählung über Skyes Gefühle, ihre Gedanken und ihr Verhalten gedacht, dass hier das Lektorat schlampig gearbeitet und Fehler übersehen hat. Zumal gleich in einem der ersten Kapitel die Gräfin mal als Baronin bezeichnet wird.

Gehört das Buch zu einer Reihe?

Das weiß ich leider nicht.

Wie liest sich das Buch?

Verwirrend, besonders zu Anfang. Der Roman ist aus der Sicht von Skye geschrieben und der Einstieg in den Roman fällt durch die Widersprüche etwas schwer. Ab etwa einem Drittel bessert sich der Lesefluss und als Skye anfängt, sich mit offenen Augen umzuschauen und eigene Nachforschungen anzustellen, wird es auch spannend.

Was hat mir besonders gut an „Schneeflüstern“ gefallen?

Ich mag die Eiswelt. Die Vorstellung, dass Menschen in einer Welt überleben können, in der seit Jahrzehnten dauerhafte Dunkelheit, Gefriertemperaturen und Schneestürme herrschen, finde ich faszinierend, zumal Marlena Anders hier mit dem fluoreszierenden Lichtersee und den alchemistischen Methoden eine plausible Erklärung gefunden hat, wie die Menschen trotzdem noch Nahrung anbauen und überleben können.

Auch die Wheáre finde ich überaus interessant. Die Vorstellung, dass Menschen so weit an das Klima angepasst sein könnten, dass sie sich selbst in Schneeflocken oder Eis verwandeln können, ist spannend.

Was hat mir nicht gefallen?

Da muss ich an erster Stelle Skye nennen. Ich finde es absolut okay, dass die anderen Figuren widersprüchlich sind und nicht zu durchschauen, weil die Geschichte aus der Sicht von Skye geschrieben ist und der Leser nicht mehr über die andere Charaktere weiß als Skye. Aber durch Skyes Widersprüchlichkeit wird sie für den Leser schwer greifbar und wirkt nicht rund. Das ist schade, denn so verschenkt Skyes Entwicklung Potential.

An manchen Stellen gibt es Logikfehler beziehungsweise Passagen, die für den Leser nicht ganz klar sind. So geht es mir mit Skyes verlorenem Mittelfinger, eine Folge von Erfrierungen. An einer anderen Stelle heißt es aber, dass den Wheáre Kälte und eisige Temperaturen nichts ausmachen. Müsste das nicht eigentlich bedeuten, dass auch Erfrierungen unmöglich sind? Außerdem setzen sie ihre Fähigkeiten, sich zu verwandeln, instinktiv zum Selbstschutz ein. Warum verwandelt sie sich aber in wirklich lebensbedrohlichen Momenten manchmal nicht?

Der Roman endet mit einigen offenen Fragen für den Leser, sodass ich mich frage, ob eine Fortsetzung geplant ist. Besonders über Skyes Herkunft oder wie sie ihr Gedächtnis verloren hat, erfahren wir sehr wenig.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Puh, schwierig. Ich finde „Schneeflüstern“ bietet eine tolle und originelle Grundidee und eine spannende Welt. Man muss auch bedenken, dass es der Debütroman der Autorin ist.

Auch hat mir der Anfang wenig gefallen, aber die zweite Hälfte, als Skye aktiv wird, dann recht gut. Und manche der Widersprüche und Logikfehler hätten eigentlich im Lektorat auffallen müssen. Marlena Anders zeigt Originalität und viel Potential, aber sie ist noch nicht an dem Punkt, an dem Autorinnen mit fünf oder zehn Jahren Erfahrung sind, und ihr erster Roman hätte ein besseres Lektorat gebraucht, da man als neue Autorin natürlich noch Anfängerfehler macht.

Ich habe die Rezension über Nacht liegen gelassen, weil ich mir einfach nicht sicher war, wie ich hierauf antworten soll.

Wem würde ich „Schneeflüstern“ empfehlen?

„Schneeflüstern: Versuche zu lieben mit einem Herz aus Eis“ ist ein High Fantasy-Roman für junge Frauen. Dabei ist die Welt aber so gestaltet, dass auch Nicht-Fantasy-Leser gut in die Geschichte einsteigen können. Für Leserinnen, die gerne komplizierte Intrigen-Romane verschlingen.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenIch habe über Nacht gegrübelt, ob ich 4 Bücher vergeben soll oder nur 3. Das Problem ist, dass der Anfang für mich wirklich nicht mehr als 3 Bücher verdient hat. „Schneeflüstern“ hätte durchaus das Potential, ein 4 Bücher-Roman zu sein. Allerdings merkt man beim Lesen leider, dass das Lektorat hier einige Schwächen, Logikfehler und Widersprüche einfach nicht erkannt und korrigiert hat. Ich finde das schade, denn ich hätte gerne 4 Bücher vergeben, wenn ich mir allerdings die anderen Romane mit dieser Punktzahl ansehe, dann fehlt mir hier einfach noch ein bisschen.

Ich werde mir auf jeden Fall auch den nächsten Roman von Marlena Anders besorgen, denn ich finde, ihre Ideen und Geschichten haben sehr viel Potential.

Intrigen und High Fantasy bieten auch die Romane von Brian Staveley. Los geht der Kampf der drei kaiserlichen Geschwister Kaden, Valyn und Adare um ihr Erbe und gegen undurchsichtige Intrigen und Thronräuber in „Der verlorene Thron“.

Die Website von Marlena Anders:

Die junge Autorin Marlena Anders hat zwar keine eigene Website, aber mehr über ihren Roman und weitere aktuelle Projekte erfahrt ihr auf ihrer Facebook-Seite https://www.facebook.com/MarlenaAndersAutor  und ihrem Wattpad-Profil https://www.wattpad.com/user/MarlenaAnders.

Das Buch:

Buchcover mit blondem Mädchen und eisigem Schneeflocken-Look300 Seiten

E-Book

Februar 2016

Forever by Ullstein

Preis: 3,99 € (D)

ISBN: 978-3-95818-077-2

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