Nina MacKay „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf“

Inhaltsangabe:

Buchcover: Spiegel, Rötkäppchen und dr Hipster-Wolf im MärchenwaldDie Happy Ends – alias die Prinzen und Ehemänner von Reds Freundinnen Snow, Rapunzel, Rose und Cinder – sind aus dem Märchenwald verschwunden. Der Verdacht liegt nahe, dass die vier Prinzen von Feinden entführt wurden, und so schmieden die Freundinnen einen verzweifelten Plan, um sie zurückzukommen: die Verhöre-und-Töte-Liste.

Als Red dem Hipster-Wolf Ever begegnet, der sich als wertvolle Spur entpuppt, stellt sie das vor ein großes Problem. Denn auch Werwölfe stehen auf der Liste und so bleibt Red nur wenig Zeit, um mit Evers Hilfe die verschwundenen Prinzen zu finden, bevor ihre Freundinnen Ever töten.

Meine Meinung zu „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf“:

Märchen und Moderne – schon der Titel klang so vielversprechend, dass ich dieses Buch unbedingt lesen musste.

Worum geht es im Roman?

Die Vermischung von Märchen und Moderne ist dann auch Programm. Schneewittchen, Aschenputtel, Rotkäppchen, Rapunzel und Dornröschen sind zwar waschechte Prinzessinnen, aber gleichzeitig auch Selfiestick-Trägerinnen, TV-Junkies, Bloggerinnen und Social Media-Süchtige, die jeden Moment online festhalten müssen.

Was wäre wenn … Märchen in der heutigen Zeit spielen würden? Das ist wohl die Grundidee dieses Romans und so ergeben sich teils kuriose Kombinationen wie böse Hexen, die zur Strafe Fußfesseln tragen müssen.

Daneben dreht sich alles um die Frage, was passiert ist und wer die Bösewichte sind. Die Frage nach Gut und Böse lässt sich jedoch nicht so einfach beantworten, wie man denkt.

Die Hauptfiguren:

Red, wie Rotkäppchens Name ist, ist 18 Jahre alt und die einzige von ihren Freundinnen, die noch nicht verheiratet ist und ihre wahre Liebe noch nicht gefunden hat, worauf sie etwas sensibel reagiert. Sie hat eine Wolfsphobie – verständlich nach ihren Erlebnissen.

Snow oder Schneewittchen ist die Anführerin der Freundinnen. Sie leitet die Schneewittchen-Gang, ist verheiratet mit Prinz Philipp und ist wild entschlossen, sich ihr Happy End zurückzuholen, wodurch sie sich etwas rabiat verhält.

Rapunzel trägt immer noch einen meterlangen blonden Zopf und ist, wie Red festgestellt hat, nach 16 Jahren im Turm, „nicht die Hellste“. Sie ist verheiratet mit Prinz Adrian und süchtig nach den Buttercreme-Törtchen, die Snow macht.

Cinder, die Ehefrau von Prinz Charming, hingegen ist süchtig nach ihrem Selfiestick und Snapchat Storys. Manchmal schlägt sich ihr Erbsen-Trauma durch, sodass ihre blonde Hochsteckfrisur in Gefahr ist.

Rose, besser bekannt als Dornröschen, ist Reds beste Freundin und verheiratet mit Prinz Cedric. Sie leidet nach ihrem hundertjährigen Schlaf immer noch an der Schlaferitis-Krankheit, wodurch sie zu allen möglichen Zeiten einschläft.

Everton oder Ever ist ein Hipster, der verflucht wurde ein Werwolf zu sein. Er ist Journalist beim „Tapferen Schreiberlein“ und ist nur zu gerne bereit, mit seiner Spürnase und seinem Wissen Red bei ihrer Suche zu helfen.

Jaz, wie Käpt’n James Hook, von seinen Freunden genannt wird, ist ein attraktiver 22-jähriger und Vater des 4-jährigen Asher. Er ist sehr charmant und hat ein verwegenes Lächeln. Mich hat er immer an Hook aus der Serie „Once upon a time“ erinnert.

Ich muss gestehen, ich habe mich teilweise etwas schwer mit den Figuren und insbesondere mit den Prinzessinnen getan. Sie sind nicht die typischen Heldinnen, die man nach den bekannten Märchen erwarten kann, sondern erfüllen einige Klischees, zum Beispiel was ihr Äußeres betrifft. Auch die bösen Hexen scheinen dem Schönheitswahn zu unterliegen, die Heldin schmachtet gleich zwei Männer an und begibt sich allein auf die Suche nach den Prinzen, weil sie Abstand von ihren Freundinnen braucht, die sie für ein bisschen verblödet seit ihren Hochzeiten hält (was sie auch sind). Keine guten Voraussetzungen, um die Hauptfiguren zu mögen. Wer identifiziert sich schon gerne mit dummen Charakteren?

Gehört das Buch zu einer Reihe?

Ja, „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf“ ist der erste Band der Reihe.

Wie liest sich das Buch?

Ich bin ein bisschen zwiegespalten. Das erste Drittel des Buches fing gut an mit vielen interessanten Ideen, einem Rätsel und genialen Kombinationen von Märchen und Moderne.

Dann kam das zweite Drittel und ich erwartete langsam ein paar Erklärungen und Erkenntnisse, wie die Welt im Märchenwald funktioniert, woher die Technik stammt, warum die Helden zu Fuß oder per Kutsche unterwegs sind, wenn es doch Autos gibt, warum nur die Freundinnen Smartphones zu benutzen schienen, etc. Leider kamen die jedoch nicht immer und es wurde teilweise irritierend absurd, da ich leider nicht lachen konnte, wenn Reds Freundinnen mit ihren dämlichen Aktionen unbeabsichtigt eine böse Hexe nach der anderen töteten, um dann wie erwartet wieder auf die Tricks der nächsten Hexe hereinzufallen. Ärgerlicherweise musste ich dann auch noch ein paarmal über Red den Kopf schütteln, die plötzlich zwischen zwei Männern stand.

Im letzten Drittel ging es zum Glück aber wieder aufwärts und das Ende hat mich mit dem etwas zähen Mittelteil versöhnt. Nun wurde es spannend – okay, wer die Bösewichte in der Geschichte sind, wusste ich ungefähr ab der Hälfte – und es passierten ein paar überraschende Entwicklungen. Außerdem bekam ich endlich ein paar der erhofften Antworten, sodass ich nun gespannt bin, wie es im 2. Band weitergeht.

Was hat mir besonders gut an „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf“ gefallen?

Ich finde die Idee, Märchen und Moderne zu kombinieren großartig. Dadurch entstehen überraschende Kombinationen wie Snows Helfer Spieglein mit eigenem Instagram-Account, Hacker-Fähigkeiten und Spionage-Neigungen, die er dank GPS und Social Media sowie Spiegeln, durch die er schauen kann, auslebt.

Die Idee, dass die bösen Hexen wie moderne Straftäter Fußfesseln tragen müssen, die ihre Magie dämpfen und sie zum Hausarrest verurteilen, fand ich klasse.

Auch fand ich es toll, dass der Märchenwald, Neverland, Morgenland und Wonderland aneinander grenzen und daher sehr viele Figuren aus den unterschiedlichsten Märchen und Geschichten mitmischen.

Was hat mir nicht gefallen?

Leider hat sich der Mittelteil für mich etwas gezogen, da ich die Prinzessinnen – sorry! – etwas hohl fand und über ihre Aktionen, bei denen sie sich dämlich anstellten, wie die Axt im Wald Leute umbrachten und das auch noch gut fanden, nicht lachen konnte. Auch war ich kein Fan von Reds „Ich bin eine taffe Heldin, die aber immer die Hilfe von Männern braucht“-Art, besonders als ihre Gefühle sie zwischen zwei Männer schwanken ließen und ins klassische Jugendbuch-Liebesdreieck manövrierten.

Die Kombination von Moderne und Märchen war zwar interessant, für mich allerdings nicht immer logisch. Ich hätte gerne mehr über die Welt erfahren, wie es kommt, dass die Märchenfiguren einerseits unglaublich fortschrittlich sind, menschliche Serien kennen und Smartphones benutzen, gleichzeitig aber mit einer Kutsche durch eine Wüste gurken (aus Umweltgründen) oder wie Käpt’n Hooks Schiff statt Kabinen Zimmer mit Himmelbetten und Wandschränken sowie moderne Bäder hat. Vermutlich stören die meisten Leser diese Dinge nicht und sie nehmen sie als gegeben hin, aber ich will fremde Fantasywelten immer verstehen, Widersprüche erklärt bekommen – was hier leider nicht so der Fall war.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Tolle Ideen, guter Start, etwas anstrengender Mittelteil mit nervenden Figuren und versöhnliches Ende, so lässt sich wohl meine Leseerfahrung zusammenfassen. Ein bisschen wie Achterbahnfahren, aber ich bin froh, dass es gelesen und bis zum Ende durchgehalten habe, trotz der Durststrecke im Mittelteil, denn es lohnt sich. Am Ende von „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf“ klärt sich einiges – nicht alles, es muss ja was für die Fortsetzung bleiben – auf, sodass ich insgesamt 3,5 Bücher (aufgerundet 4 Bücher) vergebe.

Wem würde ich „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf“ empfehlen?

Wer moderne Märchen-Adaptionen und humorvoll-romantische Fantasyromane für Jugendliche und junge Frauen mag, der kommt hier voll auf seine Kosten.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenDie Hipster-Märchen-Reihe geht weiter. Nina MacKay hat schon angekündigt, dass der 3. Band 2018 im Drachenmond Verlag erscheinen soll. Bislang sind erhältlich:

  1. „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf“
  2. „Aschenputtel und die Erbsen-Phobie“

Fans von Nina MacKay haben also einen doppelten Grund zur Freude. Nicht nur dass einen Monat nach dem Erscheinen ihres Urban Fantasy-Romans „Plötzlich Banshee“ schon neuer Lesenachschub erschienen ist, auch weitere Bände sind bereits in Planung. Wir dürfen gespannt sein, womit uns Nina MacKay nächstes Jahr sonst noch überrascht.

Normalerweise gebe ich an dieser Stelle gerne mal Empfehlungen wie „wenn euch dieses Buch gefallen habt, dann lest doch auch jenes“. Nur dass ich mir den Kopf zermartert habe nach Fantasy-Märchen-Adaptionen, die ich euch empfehlen könnte – und ich dann festgestellt habe, dass ich ewig keine gelesen habe. Nun ja.

Dafür kann ich euch aber, wie immer, eine weitere tolle Autorin ans Herz legen, die es versteht, Fantasy und Humor zu einer tollen Geschichte zu kombinieren: nämlich Kerstin Gier mit ihren Zeitreise-Romanen „Rubinrot“, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“. Ich liebe diese Reihe einfach!

Die Website von Nina MacKay:

Mehr über Nina MacKay, ihre Romane und aktuellen Projekte erfahrt ihr auch auf ihrer Facebook-Seite und auf ihrem Instagram-Profil. Wer Lust hat, mal in eine ihrer Geschichten reinzuschnuppern, Nina hat auch ein Wattpad-Profil, auf dem sie einige Geschichten kostenlos mit uns teilt: https://www.wattpad.com/user/NinaMacKay

Das Buch:

Buchcover: Spiegel, Rötkäppchen und dr Hipster-Wolf im Märchenwald380 Seiten

Taschenbuch

Oktober 2016

Drachenmond Verlag 

Preis: 14,90 € (D)

ISBN: 978-3-95991-989-0

 

Vielen Dank an Nina MacKay für das Rezensionsexemplar!

2 Gedanken zu „Nina MacKay „Rotkäppchen und der Hipster-Wolf““

  1. Tolle, ausführliche und differenzierte Rezension!
    Mir ging es ähnlich, wobei ich die erste Hälfte der Geschichte eher holprig fand und dann ab Neverland etwas besser.
    Die Prinzessinnen gingen mir auf den Nerv, insbesondere die rabiate Snow.
    Red und Ever fand ich cool, teilweise etwas „too much“ bezogen auf die Äußerungen zum Ende hin. Ah und apropos Ende… Ich hoffe nicht, dass Red auf dieses kuriose Angebot eingeht..

    1. Danke, Nicci! 🙂
      Ich habe deine Rezension zum Buch auch gerade eben gelesen, anscheinend ging es uns sehr ähnlich. Ja, die Figuren fand ich echt schwierig, denn wenn man Red nicht mag, steht man am Ende ohne Identifikationsfiguren da, denn Ever ist zu lange „weg“ (um nicht zu spoilern) und ihr Verhalten macht die Prinzessinnen echt unsympathisch, finde ich. Und ich bin so gar nicht #TeamJaz. Schade.
      Ja, das hoffe ich auch. :/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Für Fantayfans: phantastische Buchtipps, Rezensionen und Autorenportraits