Rena Fischer „Chosen – Die Bestimmte“

Inhaltsangabe:

Buchcover zu "Chosen - Die Bestimmte" mit Mädchen und Licht und SchattenDie 16-jährige Emma lebt mit ihrer Mutter in Deutschland, bis sie durch eine schreckliche Tragödie erstmals ihrem Vater begegnet. Jacob MacAengus bringt sie nach dem Tod ihrer Mutter zu sich nach Irland, wo sie nicht nur seinem attraktiven Ziehsohn Aidan begegnet, sondern auch nach SENSUS CORVI geschickt wird, eine elitäre Schule mit unzähligen Geheimnissen, die von dem mächtigen und charismatischen Fionbarr Farran geleitet wird.

Denn die Schüler und Lehrer dort sind keine normalen Menschen, sie besitzen Gaben wie Empathie oder Telekinese.

Doch nicht jeder ist Farran und den sogenannten Raben wohlgesonnen und rasch wird Emma zum Spielball zwischen den Raben und ihren Feinden, den Falken. Denn Emma besitzt ebenfalls eine mächtige und sehr seltene Gabe: Sie ist eine Emotionentaucherin und erlebt die Gefühle der Person, in die sich taucht, als wäre sie ihre eigenen, und irgendwann wird sie möglich in die Gefühle des Mörders ihrer Mutter eintauchen, denn deren Unfalltod entpuppt sich als Anschlag …

Meine Meinung zu „Chosen – Die Bestimmte“:

Dieses Buch ist ebenfalls ein Mitbringsel vom Bloggerempfang auf der Leipziger Buchmesse. Die sympathische Autorin hat spannend von der Geschichte, ihrer Heldin und ihrer besonderen Begabung erzählt, sodass ich sehr gespannt auf die Umsetzung war.

Worum geht es im Roman?

Im Mittelpunkt des Romans steht die Schule des mächtigen Millionärs (oder Milliardärs?) Fionbarr Farran: SENSUS CORVI, lateinisch für Sinn des Raben, weshalb die Schüler und Lehrer dort auch Raben genannt werden. Farran fördert die besonderen magischen Gaben seiner Schüler, die je nach Beherrschung und Ausmaß ihrer Gaben sowie ihrer Loyalität gegenüber dem Schulleiter in verschiedene Ränge eingeteilt werden. Anfänger wie Emma sind nach der Aufnahme – wofür die Schüler auf verschiedene Weise getestet werden – zunächst einmal Adepten.

Neben den Raben gibt es noch eine Organisation mit Menschen mit besonderen Fähigkeiten, die Falken. Ihr Anführer Richard hasst Farran und seine Methoden. Viele seiner Falken sind ehemalige Raben, die entweder von Farran fallen gelassen wurden oder sich selbst von ihm abgewandt haben. Die Hintergründe bzw. Anfänge des Konflikts sind jedoch unklar.

Im Zentrum der Geschichte steht eine jugendliche Protagonistin, Emma, die ihre mächtige Gabe zum Teil erst noch entdecken und sich für eine der beiden Seiten entscheiden muss. Doch das ist nicht so einfach und wie Emma müssen wir Leser uns fragen: Was ist die Wahrheit? Wer ist im Recht und wer im Unrecht, wer sind die Guten und wer die Bösen? Wem können wir wirklich trauen? Und was ist moralisch richtig?

Doch die wichtigste Frage des Buchs lautet: Wer steckt wirklich hinter dem Tod von Emmas Mutter und warum?

Die Hauptfiguren:

Emma Meyer ist 16 Jahre alt und eine Emotionentaucherin. Ihre Gabe ist stärker als die eines Empathen, denn sie kann in die Gefühle ihres Gegenübers eintauchen, sie gezielt erforschen und sie wie ihre eigenen erleben. Von ihrer Mutter wurde sie zu Misstrauen gegenüber anderen Menschen erzogen. Sie ist sehr intelligent, versteckt das jedoch genauso wie ihre Gabe, um nicht aufzufallen.

Liz ist Emmas beste Freundin in Deutschland. Sie ist fröhlich, unkompliziert und spontan.

Katharina Meyer ist Emmas Mutter. Sie wird von ihren Freunden auch Rina genannt. Durch ihre schlechten Erfahrungen fühlt sie sich ständig verfolgt und impft ihrer Tochter äußerste Vorgang im Umgang mit ihrer Gabe und anderen Menschen ein. Sie ist eine Empathin.

Jacob MacAengus ist Ire und Emmas Vater. Er ist ein enger Vertrauter und Freund von Farran und kann dank seiner Telekinese Dinge bewegen, ohne sie anzufassen.

Aidan Callahan ist etwas älter als Emma, Jacobs Patensohn und ein Mädchenschwarm. Er ist ein Elementarkinetiker und kann deshalb die Elemente Feuer, Luft und Wasser beeinflussen. Mit seinen Eltern versteht er sich nicht gut, deshalb wohnt er bei Emmas Vater.

Fionbarr Farran, teilweise Fion genannt, ist der Schulleiter von SENSUS CORVI sowie der Geschäftsführer und Hauptanteilseigner von Farran Industries. Er ist nicht nur sehr reich, sondern auch einflussreich. Er nutzt seine mächtigen Gaben zu seinem Vorteil und will den Einfluss seiner Raben ausweiten.

Richard Montgomry ist der Gegner von Farran und seinen Raben. Als Anführer der Falken versucht er, deren Macht zu brechen. Er ist ein alter Freund von Emmas Mutter, die er geliebt hat. Als Mantiker kann er eine kurze Zeitspanne in die Zukunft schauen.

Jared Brady ist ein ehemaliger Rabe und Falke. Er ist gerade mal mit der Schule fertig und wegen des Todes seiner Freundin verbittert. Er ist ein Telepath.

Gehört das Buch zu einer Reihe?

Ja, „Chosen – Die Bestimmte“ ist der erste Teil einer Dilogie.

Wie liest sich das Buch?

Der Roman ist größtenteils aus der Ich-Perspektive von Emma geschrieben, wodurch sie zur Identifikationsfigur für die Leser wird. Dadurch dass sie ebenfalls nicht weiß, was es mit den Raben und den Falken auf sich hat und wer auf welcher Seite steht, haben wir häufig denselben Informationsstand wie sie.

Allerdings sind in den Roman immer wieder kurze Abschnitte aus der Vergangenheit eingeschoben, in denen Emmas Mutter Rina im Mittelpunkt steht.

„Chosen – Die Bestimmte“ liest sich flüssig und durch die offenen Fragen, die die Spannung hochhalten, auch packend, dennoch hatte ich mit dem Schreibstil auch meine Probleme. Aber später dazu mehr.

Was hat mir besonders gut an „Chosen – Die Bestimmte“ gefallen?

Die Geschichte mit dem Konflikt zwischen den Raben und den Falken und mit Emmas Suche nach dem Mörder ihrer Mutter ist spannend erzählt. Ich mochte die unterschiedlichen Fähigkeiten und Begabungen sehr und die Idee mit den Emotionentauchern und ihrer Unterscheidung von den Empathen fand ich faszinierend.

Trotz der Schule für magisch Begabte und den widerstreitenden Parteien, zwischen denen eine jugendliche Heldin mit außergewöhnlichen Gaben steht, hatte ich nie den Eindruck, nur eine neue Interpretation eines bekannten Themas aus der Jugendliteratur zu lesen. Rena Fischer hat hier etwas Eigenständiges geschaffen, was mir immer sehr gut gefällt.

Was hat mir nicht gefallen?

Der Schreibstil hatte für mich so seine Tücken. Mal hatte ich mit ihm keine Probleme – die Geschichte las sich dank seiner angenehmen Sprache auch wunderbar flüssig -, auf der anderen Seite war er jedoch gleichzeitig auch schwer zugänglich und vermittelte mir das Gefühl, ich würde eine elitäre Geschichte für Insider lesen, zu denen ich jedoch leider nicht gehörte, da uns immer wieder wichtige Informationen vorenthalten wurden.

Da waren zum einen die Zeitsprünge, die nicht kenntlich gemacht wurden und die mich besonders am Anfang des Romans verwirrten. Personen, die Emma kennen lernen durfte, wurden uns Lesern nicht richtig vorgestellt, da die entsprechenden Szenen fehlten. Andere blieben blass und irgendwie charakterlos. Ich konnte sie mir zudem auch nicht richtig merken, da teilweise große Abstände zwischen ihren Szenen lagen (z.B. Emmas Schulfreundin Faye oder Macmillan) oder sie sich mir einfach nicht eingeprägt hatten. Und wer war noch mal Namara?

Das war das nächste Problem: Figuren begegneten uns mit ihren Vornamen oder mit ihren Nachnamen, aber die Kombination von Vor- und Nachname kam teilweise erst in der 2. Hälfte des Romans. So wurde Emma zum Beispiel vor Montgomry gewarnt und wir Leser halten dies für eine neue, noch unbekannte Figur, weil erst viel später erklärt wird, dass dies der Nachname von Richard ist, den wir schon lange kennen gelernt hatten. Ein Namensverzeichnis gibt es im Buch leider nicht und ich habe es schmerzhaft vermisst.

Rena Fischer setzt zudem in ihrer Erzählung sehr viel auf die Beschreibung von Eindrücken und Emotionen, ohne dass dem Leser klar wird, was überhaupt faktisch passiert ist. Ich erinnere mich an eine Szene bei Sport, wo ich nicht kapiert habe, was eigentlich geschehen ist.

Überhaupt der Sport, seufz, noch so ein Thema. Wer weiß, was Hurling und Camogie sind, was der Unterschied zwischen ihnen ist und wie sie gespielt werden? Ich weiß es nach der Lektüre des Buchs leider immer noch nicht, obwohl es dort Szenen gab, wo es gespielt wurde.

So war die Lektüre leider ein frustrierendes Auf und Ab. Ich lese immer sehr genau, mache mir Notizen beim Lesen und wenn ich trotzdem Schwierigkeiten habe, der Geschichte zu folgen, dann ärgert mich das. Zumal ich anfangs auch nicht wusste, ob uns Lesern bewusst Informationen vorenthalten wurden, um uns in die Irre zu führen, oder ob das Einfühlungsvermögen in die Lesersicht teilweise fehlte. Vermutlich ist es am Ende eine Mischung aus beidem gewesen, da es sich um Rena Fischers Debütroman handelt, und es ist verdammt schade, dass das Lektorat hier nicht mehr unterstützt hat, denn die Geschichte an sich hat mir gut gefallen. Denn wäre es nicht so gewesen, dann hätte ich mich vermutlich nicht durchgebissen, in der Hoffnung, dass sich irgendwann schon alles aufklärt.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Selten ist mir eine Bewertung so schwer gefallen. Ich könnte 4 oder vielleicht sogar 5 Bücher von 5 vergeben für die tolle Story, müsste dann jedoch die schwierige Erzählweise unter den Tisch fallen lassen. 3 Bücher erscheinen mir für die Spannung, die Idee und den Plot des Romans zu wenig, aber 3,5 wären in meinen Augen auch schon wieder zu viel, weil ich dann ja immer auf 4 aufrunde.

Nachdem ich jedoch die Bewertungen meiner letzten Rezensionen zum Vergleich herangezogen habe, kann ich nicht guten Gewissens mehr als 3 Bücher vergeben. Und das ist einfach verdammt schade, alles andere wäre jedoch nicht fair für die anderen. Ich hoffe aber, dass der 2. Band die Schwächen des ersten ausmerzen kann.

Wem würde ich „Chosen – Die Bestimmte“ empfehlen?

Wer moderne Jugendbuchfantasy in der heutigen Welt, Magie, Liebe, Machtkämpfe, Intrigen und Spannung mag, ist hier richtig. Der Jugendroman ist für Leser ab 13 Jahren geeignet und auch erwachsene Leser von All Age-Fantasy dürften mitfiebern und miträtseln.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen„Chosen – Die Bestimmte“ ist der erste von zwei Bänden. Der 2. Band der Contemporary Fantasy-Reihe für Jugendliche ist für den Herbst 2017 angekündigt.

Wer sich gerne in diesem Genre tummelt und spannende, leicht düstere Abenteuer für jugendliche Helden mag, dem kann ich auch die „Beautiful Creatures“-Reihe von Kami Garcia und Margaret Stohl oder die „Curse Workers“-Trilogie von Holly Black empfehlen.

Holly Black verbindet in ihren Romanen „Weisser Fluch“, „Roter Zauber“ und „Schwarzes Herz“ eine alternative Realität mit Magie, die über die Hände ausgeübt – daher sind hier Handschuhe Pflicht – und Fluchmagie genannt wird,  und mit einer Mafia-Gesellschaft. Die Magier wurden von der Gesellschaft dermaßen ausgegrenzt, dass sie sich zu mächtigen kriminellen Familien zusammengeschlossen haben. In eine solche Familie wird Cassel hineingeboren und der Jugendliche ist der Einzige in seiner Familie ohne Gabe. Er ist normal, in seinen kleinen Betrügereien harmlos. Das denkt er jedenfalls, bis er herausfindet, dass er das Opfer eines Fluchs wurde. Doch weshalb?

Ich liebe Holly Blacks Trilogie, doch auch die Jugendbücher von Kami Garcia und Margaret Stohl kann ich empfehlen. Los geht es in „Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe“, als sich der jugendliche Ethan in seine neue Klassenkameradin Lena verliebt und ihrem Geheimnis auf die Spur kommt. Denn sie gehört zu den Castern, einem geheimen magischen Volk, bei dem sich an ihrem 16. Geburtstag entscheidet, ob sie gut oder böse werden. Und Lenas alles entscheidender Geburtstag steht kurz …

Die Website von Rena Fischer:

Mehr über die Jugendbuchautorin und ihre Bücher könnt ihr auf Rena Fischers Website erfahren: http://www.renafischer.com/

Das Buch:

Buchcover zu "Chosen - Die Bestimmte" mit Mädchen und Licht und Schatten464 Seiten

gebunden

Januar 2017

Planet! (Thienemann-Esslinger Verlag)

Preis: 16,99 € (D)

ISBN: 978-3-522-50510-9

 

Vielen Dank an den Thienemann-Esslinger Verlag für das Rezensionsexemplar!

2 Gedanken zu „Rena Fischer „Chosen – Die Bestimmte““

  1. Eine wirklich tolle und differenzierte Rezension!
    Ich bin sehr gespannt darauf, wie mir das Buch dann gefallen wird.
    Schade, dass die spannende Thematik in diesem schwer zugänglichen und teilweise schwer nachvollziehbaren Stil untergegangen ist.

    1. Wow! Du liest dich jetzt durch jede Rezension, kann das sein? Krass! Vielen Dank! Das freut mich total. <3
      Ja, das war sooo schade. Ich wollte Rena Fischer und ihrem Buch so gerne mehr Punkte geben, aber das wäre einfach nicht fair gewesen. Und außerdem bemühe ich mich ja immer, meine Rezensionen nicht zu subjektiv zu schreiben und zu begründen. Nur dieses Mal ist es mir echt verdammt schwergefallen. 🙁

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