Sarah Adler „Knochenjob!“

Inhaltsangabe:

Buchcover zu "Knochenkob" mit nächtlicher Landschaft und TotenschädelDer Tod hat die Nase voll! Seit Jahrmillionen von Jahren tut er nichts anders als gewissenhaft seinen Job und räumt hinter Leben, Zufall, Schicksal und seinen anderen Kollegen auf, doch statt eines Lobs wird seine Arbeit nicht gewürdigt und sein Ruf bei ihren Kunden (den Lebewesen) geht den Bach hinunter.

Tod beschließt etwas zu ändern. Doch er stellt bald fest, das ist gar nicht so leicht, wenn man der Tod ist und die Regeln von ihrer Geschäftsführerin festgeschrieben sind …

Meine Meinung zu „Knochenjob!“:

Der Klappentext klang so außergewöhnlich, dass ich dieses Buch einfach haben musste.

Worum geht es im Roman?

In erster Linie geht es um den Tod, einen Unsterblichen, der leider den undankbaren Job bekommen hat, hinter seinen Kollegen aufzuräumen. Dass da die Jobunzufriedenheit irgendwann wächst und eine Existenzkrise nicht ausbleibt, ist klar. Von dieser, seiner Arbeit seit dem Anbeginn der Zeit, der Evolution, Todesredesarten, Wiederbelebungen, Nahtoderfahrungen, Artensterben und seinen Kollegen – Leben, Schicksal, Zufall, Karma, Glück, Krankheit und Zeit – erzählt Tod nun.

Die Hauptfiguren:

Tod ist „fürs Wegräumen“ zuständig, wie es Leben einmal so treffend ausdrückt. Der Tod als Müllmann ohne Entscheidungsgewalt, eine interessante Vorstellung. Nur leider muss Tod bei jedem Auftrag die Gestalt annehmen, unter der sich der Sterbende ihn vorstellt. Auch wenn er die Gestalt des Sensenmanns und zahlreiche andere Vorstellungen des Todes annehmen kann, fühlt er sich von dem negativen Ruf, dem ihm anhaftet, gegenüber seinen Kollegen benachteiligt.

Wie alle Unsterblichen ist er geschlechtslos und hält sich für fleißiger als seine Kollegen. Mit den meisten von ihnen versteht er sich nicht sonderlich gut, was daran liegen kann, dass er bis auf Krankheit auch niemanden mag.

Leben ist der Kollege, mit dem Tod am engsten zusammenarbeitet und der ihn am besten kennt und umgekehrt. Es ist für die Erschaffung von Lebewesen zuständig und laut Tod ein pedantischer Besserwisser und Perfektionist.

Zufall ist ein draufgängerischer Eigenbrötler, auf den man sich nicht verlassen kann. In einem Gespräch verschwindet es gerne mal mittendrin.

Karma taucht nur dann auf, wenn man es am wenigsten erwartet, aber nicht, wenn es gebraucht wird. Es spricht nicht.

Schicksal spielt gerne Spielchen, ist jedoch ein solider Gesprächspartner, wie Tod es einmal ausdrückt. Auch wenn Tod es nicht immer zugibt, kommt er mit Schicksal ganz gut aus.

Glück und Tod verstehen sich nicht. Wie Tod beschwert es sich andauernd, dass es nicht genug anerkannt wird, und fordert Lobeshymnen auf sich selbst.

Krankheit imponiert Tod. Es ist nützlich, kreativ und lässt sich gerne Methoden einfallen, wie es jemanden um die Ecke bringen kann. Auf es ist Verlass.

Zeit ist die (abwesende) Geschäftsführerin des Unternehmens. Sie sorgt mit ihren Vorgaben dafür, dass alles rund läuft.

Gehört das Buch zu einer Reihe?

Nein, nicht dass ich wüsste.

Wie liest sich das Buch?

„Knochenjob!“ erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Tod. Und wie es bei Erzählungen häufig so ist, springt er dabei häufig hin und her, schiebt Erklärungen oder Anekdoten ein, springt zeitlich vor und zurück. Wer eine chronologische Erzählung möchte, ist hier falsch.

Tod ist kein einfacher Charakter: Er jammert, er ist sarkastisch, er ist im Kontakt mit seinen „Kunden“ etwas unbeholfen – er hat es sonst ja nur mit Seelen zu tun -, aber dabei ist er verdammt unterhaltsam.

In jedem Kapitel finden sich Fußnoten, die seine Erzählung mit weiteren Anmerkungen und Gedanken versehen. Sie greifen noch mal einzelne Handlungen oder Informationen auf und ergänzen sie mit weiteren (bissigen) Gedanken von Tod.

Was hat mir besonders gut an „Knochenjob!“ gefallen?

Ich mochte die Idee. Ich finde die Figuren – alle wie sie da sind – einfach klasse. Sie sind einfach herrlich skurril. Und die Tatsache, dass Tod, eines der wichtigsten Prinzipien unseres menschlichen Lebens, eigentlich ein verdammt machtloser und unzufriedener Müllwegräumer in einer großen Firma ist, dessen Arbeit alle für selbstverständlich nehmen, hat mich sehr erheitert.

Tod ist kein besonders einfacher oder liebenswerter Charakter, das ist wahr. Aber ich mochte die Figur trotzdem sehr gerne. Ich mag skurrile Figuren, die anders sind. Das macht sie interessant und in Tods Gedankenwelt einzutauchen war ein amüsantes Leseerlebnis.

Was hat mir nicht gefallen?

Ich habe den Roman als E-Book gelesen und dort waren die Fußnoten (zwischen einer Handvoll und über zwei Dutzend) immer am Ende des Kapitels zusammengefasst aufgeführt. An sich fand ich die Fußnoten klasse, nur leider habe ich, bis ich zu den Fußnoten kam, auch schon wieder vergessen gehabt, auf welche Stellen sie verweisen sollten. Drei, vier konnte ich mir merken und habe entsprechend schmunzeln können, wenn ich zum Inhalt der Fußnote kam. Alle anderen waren für mich aus dem Kontext gerissen, sodass ich manchmal nur wenig mit ihnen anfangen konnte. Und ständig vor und zurück zu blättern ging mir irgendwann so auf den Keks, dass ich es dann unterlassen habe.

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Ich weiß nicht mehr, was ich erwartet habe, aber „Knochenjob!“ hat sie übertroffen und mich positiv überrascht.

Wem würde ich „Knochenjob!“ empfehlen?

Keine Ahnung. 😀

Nee, Spaß beiseite. „Knochenjob“ ist ein sehr spezielles Buch mit einem besonderen Humor, einer ungewöhnlichen Erzählweise und besonderen Charakteren. Wer Geschichten mag, die anders sind (ich könnte noch nicht einmal sagen, was für ein Genre das Buch ist, weil es in keine Schublade passt), und sich gerne auf ein neues Leseabenteuer einlässt, der wird hier bestens unterhalten werden.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

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Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen„Knochenjob!“ ist der erste Roman von Sarah Adler, daher kann ich hier leider keinen weiteren Buchtipp aus der Feder der Autorin geben. Ich bin aber schon sehr gespannt, mit welcher Geschichte sie uns als Nächstes überrascht.

Humorvolle Geschichten über den Tod – klar, da denke ich an Terry Pratchett und seine „Gevatter Tod“-Romane aus seiner „Scheibenwelt“-Reihe, die neben seinen „Rincewind“-Romanen zu meinen Lieblingsbüchern aus seiner Feder stammen.

Wer den Gevatter Tod, der eines Tages beschließt, Urlaub zu machen und seine Aufgaben in der Zwischenzeit einem Lehrling überträgt, kennen lernen möchte, dem empfehle ich mit dem ersten Band des Zyklus, „Gevatter Tod“, zu beginnen. Viel Spaß!

Ebenfalls mit dem Tod als Figur beschäftigt sich Sebastian Niedlichs Roman „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“. Hier freundet sich ein Junge, Martin, mit Thanatos an und bemerkt irgendwann, dass es nicht einfach ist, mit dem Tod befreundet zu sein. Leider hat mich das Buch persönlich nicht ganz überzeugen können, aber ob es möglicherweise etwas für euch ist, könnt ihr in meiner Rezension herausfinden.

Die Website von Sarah Adler:

Mehr über die junge Autorin und Archäologiestudentin erfahrt ihr auf Sarah Adlers Facebook-Seite.

Das Buch:

Buchcover zu "Knochenkob" mit nächtlicher Landschaft und Totenschädel300 Seiten

Taschenbuch

Oktober 2016

Drachenmond Verlag

Preis: 12,90 € (D)

ISBN: 978-3-95991-192-4

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