Sebastian Niedlich „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“

Inhaltsangabe zu „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“:

Buchcover mit Tod mit Kescher und SchmetterlingenMartin ist sieben Jahre alt und hat gerade seine Oma verloren, als er seinen neuen Freund kennen lernt. Thanatos ist … anders. Älter. Er liebt Schach und Filme über den Tod und das Leben. Unter anderem ist er immer mit einem Kescher unterwegs und fängt an den seltsamsten Orten Schmetterlinge ein. Und er erledigt seine Arbeit so effizient, dass die Menschen ihn noch nicht einmal bemerken.

Nur Martin bemerkt ihn. Denn er ist ebenfalls anders. Er kann Thanatos, den Tod, sehen und schon bald entwickelt sich zwischen den beiden eine ungewöhnliche Freundschaft. Doch als Martin älter wird und sich zum ersten Mal verliebt, tauchen die ersten Spannungen zwischen den beiden auf. Als Martin dann auch noch beschließt, Arzt zu werden und gegen Tods Willen mit seiner großen Liebe zusammen zu sein, scheint es das Aus für ihre Freundschaft zu sein. Oder doch nicht?

Meine Meinung zu „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“:

Als ich Sebastians Niedlichs Roman „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“ beim Fantasy-Deal von Amazon entdeckte, sprang mir sofort das tolle Cover ins Auge. Auf einem fröhlich gelb-orangefarbenen Hintergrund schaut uns der Tod als Skelett und Kapuzengestalt mit einem Kescher und Schmetterlingen entgegen. Der Tod, Fantasy und Humor? Gekauft!

Doch leider hat „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“ nichts mit der berühmten „Gevatter Tod“-Reihe von Terry Pratchett gemein. Ich würde den Roman auch nicht als Fantasy einordnen oder als humorvoller Roman. Im Kern handelt es sich um die erfundene Lebensgeschichte von Martin, der in Ostdeutschland in den 80er Jahren aufwächst, und erzählt die Stationen seines Lebens – mit und ohne Tod – bis in die 2000er Jahre. Sebastian Niedlich streut zahlreiche Anspielungen auf kultur- und zeitgeschichtliche Begebenheiten ein. Wenn man selbst ein Kind der 70er und 80er Jahre ist so wie ich, wirkt einem vieles vertraut, und man hat das Gefühl, dass es dem Autoren mehr darum geht, die schöne alte Zeit und das Lebensgefühl der damaligen Jahre durch detaillierte Schilderungen wiederauferstehen zu lassen anstatt das Potential von Martins Beziehung mit Tod voll auszuschöpfen.

Tod verfügt über besondere Fähigkeiten wie Unsichtbarkeit, die Möglichkeit, an andere Orte zu springen und an mehreren Orten zugleich zu sein, den Tod eines Menschen vorauszusehen und zum Beispiel über das Wasser zu laufen. Diese nutzt er, um überall die Schmetterlinge einzusammeln, die gleichsam für die Seelen der Verstorbenen stehen. Und hier setzt der Punkt ein, wo mir die Geschichte nicht genug in die Tiefe geht: Was macht Tod danach mit den Schmetterlingen? Warum Schmetterlinge? Warum hat der Tod diese Fähigkeiten? Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Diese und weitere Fragen zum Sinn von Leben und Tod lässt Sebastian Niedlich genauso wie die Religion einfach aus. Ich als Leserin empfinde es als unbefriedigend. Auch die Fantasyelemente, womit nur die übersinnlichen Fähigkeiten gemeint sind, werden einfach als gegeben hingenommen und nicht voll ausgeschöpft. Es entsteht keine Spannung aus ihnen. Sie bleiben blass, beinahe als notwendiges, aber ungeliebtes schmückendes Beiwerk. Ein Fantasyroman ist etwas anderes.

Der Klappentext verspricht vollmundig die volle Breitseite der Emotionen: „Schmunzeln und lachen, weinen und sich trotzdem wohlfühlen: DER TOD UND ANDERE HÖHEPUNKTE MEINES LEBENS ist eine schwarze Komödie mit Herz, die man so schnell nicht vergessen wird.“ Ich muss leider sagen, dass ich beim Lesen keine einzige davon verspürte. Schade.

Insgesamt ist Sebastian Niedlichs Roman gar nicht schlecht, doch wer den versprochenen humorvollen Fantasyroman erwartet, der ist hier leider fehl am Platz.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenAus der Welt von Martin und Tod hat Sebastian Niedlich noch den kurzen Erzählband „Der Tod, der Hase, die Unsinkbare und ich“ veröffentlicht. Wem die Geschichte der beiden ungleichen Freunde gefallen hat, der kann sich nun über die Fortsetzung freuen.

Der Tod als Romanfigur? Die Idee ist nicht neu. Mein unangefochtener Favorit mit einem skurrilen, aber sympathischen Tod ist der Tod aus der Feder von Terry Pratchett. Geniale „Scheibenwelt“-Fantasy vom leider zu früh verstorbenen Meister der humorvollen Fantasy. Seine „Gevatter Tod“-Reihe gehört zu den Klassikern, die jeder Fantasy-Fan einfach gelesen haben muss.

Um den Tod geht auch in einem anderen humorvollen Fantasy-Roman, den ich vor kurzem gelesen habe, nämlich in „Bin mal kurz tot“ von Lance Rubin. Hier tritt der Tod zwar nicht in physischer Gestalt auf, aber mit der Zuverlässigkeit einer Schweizer Uhr. Fast jeder Mensch auf der Welt kennt sein eigenes Todesdatum und kann sich auf diesen Tag vorbereiten. Inklusive einiger recht seltsamer Todesvorbereitungs-Rituale. Als der 17-jährige Denton Little jedoch seine letzten beiden Tage auf Erden hat, wird trotz gründlicher Vorbereitung doch alles anders als geplant. Spannend, komisch und clever erzählt!

Die Website von Sebastian Niedlich:

Wenn ihr mehr über den Autoren Sebastian Niedlich und seine Romane erfahren wollt, dann besucht doch auch seine Facebook Fanpage https://www.facebook.com/SebastianNiedlich.Autor.

Das Buch:

Buchcover mit Tod mit Kescher und Schmetterlingen372 Seiten

E-Book

März 2014

dotbooks Verlag

Preis: 2,99 € (D)

ISBN: 978-3-95520-450-1

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