Stephanie Garber „Caraval“

Inhaltsangabe:

Buchcover mit Stern und geschwungenen Linie zu "Caraval"Die achtzehnjährige Scarlett Dragna und ihre ein Jahr jüngere Schwester Tella leben in Angst und Schrecken vor ihrem gewalttätigen, kontrollsüchtigen Vater, dem Governor der Insel Trisda. Scarlett erhofft sich die Freiheit durch ihre in Kürze bevorstehende Hochzeit, als sie unerwartet drei Freikarten für den Besuch von Caraval zugeschickt bekommt.

Caraval ist ein Jahrmarkt und ein Spiel voller Magie und Schauspiel, in dem die Besucher Aufgaben lösen müssen und am Ende die Erfüllung eines Wunsches winkt. Es ist ein Besuch, von dem sie schon seit Jahren geträumt hat und der jetzt zum völlig falschen Zeitpunkt kommt.

Scarlett muss sich entscheiden, ob sie ihre sichere Zukunft für ein riskantes Abenteuer, in dem nichts ist, wie es scheint, riskieren will. Doch dann wird ihre Schwester entführt …

Meine Meinung zu „Caraval“:

Selten habe ich schon vor dem Erscheinen eines Romans so viel Lob über ihn gehört. Das machte mich neugierig, als ich dann auch noch den Klappentext und das Cover klasse fand, habe ich das Angebot des Piper Verlags, das Buch vorab zu lesen, natürlich sofort ergriffen.

Worum geht es im Roman?

„Caraval“ erzählt die Geschichte zweier Schwestern – Scarlett und Donatella – und ihrer Begegnung mit Caraval. Caraval ist eine Mischung aus magischem Jahrmarkt und interaktivem Schauspiel. Man kann dabei zuschauen oder auch daran teilnehmen. Der Gewinner, der die Aufgabe des Spiels als Erster löst, bekommt einen Preis, der von Jahr zu Jahr ein anderer ist. Dieses Jahr ist es die Erfüllung eines Wunsches.

Den Wunsch kann Scarlett gut gebrauchen, doch als sie sich auf Caraval einlässt und am Spiel teilnimmt, geht es ihr in erster Linie darum, ihre Schwester zu retten, die im Zuge des Spiels entführt wurde und in Gefahr ist. Doch während sie zusammen mit Julian versucht die Aufgaben innerhalb der fünf Nächte, in denen Caraval stattfindet, zu lösen, weiß sie nicht, wem sie trauen kann. Noch nicht einmal bei Julian oder ihren eigenen Sinnen und Gefühlen.

Der Roman arbeitet mit der Spannung zwischen Erwartungen, Realität und Fiktion. Wie Scarlett müssen wir uns in Caraval immer fragen, was wirklich und was nur gespielt ist, was ein Bühnentrick und was echte Magie, wer ein Spieler ist und wer einer der Schausteller, der eine Rolle spielt.

Die Hauptfiguren:

Scarlett Dragna, die Erzähl- und Identifikationsfigur, ist (knapp) 18 Jahre alt. Sie liebt ihre jüngere Schwester Tella über alles und möchte sie vor ihrem Vater beschützen. Nach dem Verschwinden ihrer Mutter hat sie sich um sie gekümmert.

Ihr Traum von dem Zauber Caravals wurde mit den Jahren immer schwächer, bis ihr Wunsch nach Sicherheit und Freiheit ihn überwiegte und sie bereit ist, einen wildfremden Mann zu heiraten, um ihre Schwester und sich selbst aus der Gewalt ihres Vaters zu befreien. Sie versucht, nicht aufzufallen und fürchtet sich, die Regeln zu brechen und den Zorn ihres Vaters zu wecken.

Eine Besonderheit von Scarlett ist, dass sie ihre eigenen Gefühle als Farben sieht und empfindet.

Donatella Dragna, Tella genannt, ist ein Jahr jünger als ihre Schwester. Sie flirtet gerne mit Jungs oder Männern, liebt schöne Dinge und ist die risikofreudigere, lebenslustigere der beiden Schwestern. Sie scheut sich nicht, waghalsige Pläne zu verfolgen und umzusetzen.

Governor Marcello Dragna ist der oberste Beamte auf der Insel Trisda. Er strebt nach Höherem und ist seinen Töchtern gegenüber kontrollsüchtig und sadistisch. Fehler und Regelverstöße bestraft er mit Gewalt.

Julian Marrero ist ein Seemann und gut aussehend. Er ist sehr selbstbewusst und setzt gerne seinen Charme ein, um zu bekommen, was er will, doch er kann auch nett und fürsorglich sein.

Legend entstammt einer Künstlerfamilie und ist der legendäre Leiter von Caraval. Er wurde durch den Zauber einer Hexe unsterblich, doch im gleichen Zug auch gezwungen, langsam zu dem zu werden, welche Rolle er in Caraval spielt. Er gilt als sehr attraktiv.

Gehört das Buch zu einer Reihe?

Nach dem Ende von „Caraval“ kann ich mir gut vorstellen, dass es eine Fortsetzung geben wird, doch bislang ist darüber nichts bekannt und der Roman lässt sich auch als Einzelband lesen, da die Handlung in sich abgeschlossen ist.

Wie liest sich das Buch?

Die Geschichte wird aus der Sicht von Scarlett erzählt und beginnt mit ihren Briefen an den Master von Caraval. Wir wissen nur so viel, wie Scarlett über Caraval weiß, und sie wird mit ihrer Loyalität zu ihrer Schwester und ihrer Bereitschaft, sich für sie aufzuopfern, schnell zum Sympathieträger und Identifikationsfigur für uns Leser.

Ich finde es interessant, wie wir Caraval und seinen Master Legend im Roman kennen lernen, denn dies geschieht zunächst einmal indirekt: durch Briefe, die Erzählungen von Scarletts Großmutter, von denen uns lediglich berichtet wird, Gerüchte, etc. Diese Erzählmethode weckt die Neugier und wir haben bereits eine gewisse Vorstellung von den Geschehnissen in Caraval, bevor die beiden Schwestern dort ankommen. Ob diese Vorstellung jedoch richtig oder falsch ist, nun, das ist eine ganze andere Frage.

Lesen lässt sich das Buch daher mit Spannung und äußersten Misstrauen, denn im Roman ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Theaterkulissen werden beim Lesen schnell zur Realität, wenn man nicht aufpasst. Trotz der Warnung, dass alles in Caraval ein Spiel ist, verfällt nicht nur Scarlett, sondern man auch als Leser schnell dem Zauber und ist mitten im Geschehen, ohne noch länger die Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Illusion treffen zu können. Auch wenn ich an manchen Stellen skeptisch war, einen doppelten, dreifachen, ja sogar vierfachen Boden hinter den Ereignissen erwartet habe, hat es Stephanie Garber mit ihrem Debütroman „Caraval“ dennoch immer wieder geschafft, mich zu überraschen.

Was hat mir besonders gut an „Caraval“ gefallen?

Die Idee hinter dem magischen Jahrmarkt und Schauspiel finde ich genial. Magie, Schauspiel und Realität sind so eng verflochten, dass man nicht weiß, wo das eine beginnt und das andere aufhört.

Neben der Idee haben mich auch die Hauptfiguren – Scarlett und Julian – fasziniert. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob sie ihm trauen kann, welche Geheimnisse er verbirgt. Und man fiebert auch mit Scarlett mit, ob es ihr gelingt, ihre Schwester zu retten und ihrem Vater zu entkommen.

Spannung durchzieht daher das ganze Buch, einerseits dank der Konflikte zwischen den Figuren, aber andererseits auch durch das Spiel selbst, durch das man dem Gelesenen nie ganz trauen kann, denn hinter jedem Ereignis und jeder Begegnung kann sich noch eine andere Wahrheit, ein doppelter, dreifacher, etc. Boden verbergen und nur Legend, der Master von Caraval, hält die Fäden in der Hand.

Was hat mir nicht gefallen?

Hier gibt es nichts, was ich als negativ anführen könnte. 😀

Wie hat mir das Buch insgesamt gefallen?

Das Buch hat mir super gefallen. Ich war trotz des Stresses und der wenigen Lesezeit in den letzten beiden Wochen ruckzuck durch und hatte von der ersten bis zur letzten Seite viel Spaß bei der Lektüre. Falls es einen zweiten Band gibt, was ich sehr hoffe, werde ich ihn mir ebenfalls sofort kaufen.

Wem würde ich „Caraval“ empfehlen?

Ja, wem würde ich das Buch empfehlen? Es ist nicht das typische Fantasybuch mit phantastischen Wesen oder umherfliegenden Zaubersprüchen und doch spricht es eine breite Zielgruppe an, denn der Roman bietet Geheimnisse, Rätsel, Spiele, Schauspiel, Magie, Spannung, Gefahren und Liebe vor einem High Fantasy-Setting. Fantasyleser, die gerne miträtseln und mitfiebern oder sich mal wieder von einer Geschichte überraschen lassen wollen, sind hier auf jeden Fall richtig.

Bewertung und weiterführende Empfehlungen:

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

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Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden Sternen

Aufgeschlagenes Buch mit aufsteigenden SternenIch bin schon sehr gespannt auf weitere Werke der Autorin. Da „Caraval“ jedoch Stephanie Garbers Debütroman ist, kann ich euch aktuell noch keine weiteren Titel aus ihrer Feder empfehlen.

Und in dieser Situation war ich auch noch nie. Normalerweise empfehle ich an dieser Stelle ähnliche Romane für dieselbe Zielgruppe sowie Bücher aus dem selben Subgenre oder mit dem gleichen Thema. Zu diesem Roman gibt es jedoch keine weiterführenden Bücher, die mir einfallen würden.

Daher möchte ich euch heute mal meine absoluten Favoriten der letzten Lesejahre empfehlen. Das sind die Bücher, denen ich die vollen 5 Bücher als Bewertung gegeben oder die ich mit 6 Büchern zu meinen Lieblingsbüchern, die ich immer wieder lesen kann, gekürt habe. „Caraval“ hat sich hier ab heute ebenfalls eingereiht.

Die Website von Stephanie Garber:

Mehr über die Autorin und ihren Roman erfahrt ihr auf der englischsprachigen Website von Stephanie Garber: http://stephaniegarberauthor.com/.

Das Buch:

Buchcover mit Stern und geschwungenen Linie zu "Caraval"400 Seiten

Paperback

März 2017

ivi Verlag

Preis: 14,99 € (D)

ISBN: 978-3-492-70416-8

Originaltitel: „Caraval“

Deutsche Übersetzung: Diana Bürgel

4 Gedanken zu „Stephanie Garber „Caraval““

  1. Hallo Nicole!
    Eine sehr schöne Review über „Caraval“ hast du schrieben 🙂 Mit hat das Buch auch gut gefallen und ich kann dir in deiner Meinung nur zustimmen. Als Empfehlung kann ich noch den „Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern empfehlen, dem eine ähnliche Idee zu Grunde liegt, und in dem die Magie förmlich knistert 😉
    Viele Grüße, Luana 🙂

    1. Hallo Luana,
      es freut mich, dass dir das Buch und meine Rezension dazu gefallen haben. Danke. 🙂
      „Nachtzirkus“ kenne ich bislang nicht, aber das werde ich mir auf jeden Fall mal anschauen. Danke für den Tipp!
      Liebe Grüße
      Nicole

  2. Hallo Nicole,

    wirklich sehr nette Rezension! Ich werde das Buch kaufen. Als Empfehlung würde ich wie Luana auch „Nachtzirkus“ empfehlen, das geht in die gleiche Richtung! Das musst du dann unbedingt lesen, wenn dir Caraval gefallen hat 😉

    Lg Sara

    1. Vielen Dank, Sara! Es freut mich, wenn meine Rezi dich neugierig auf das Buch gemacht hat. 😀
      Anscheinend habe ich hier eine Bildungslücke, wenn du schon die Zweite bist, die mir „Nachtzirkus“ empfiehlt und mir das Buch bislang gar nichts sagt. Jetzt muss ich aber wirklich gleich mal schauen, worum es dort geht.
      Danke und liebe Grüße
      Nicole

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